Kirche Bischof Gebhard Fürst wird 70

Geschätzt: Bischof Gebhard Fürst.
Geschätzt: Bischof Gebhard Fürst. © Foto: Marijan Murat/dpa
Rottenburg / Raimund Weible 01.12.2018

Helmut Kohl galt als „ewiger Kanzler“. Dabei war er „nur“ 16 Jahre lange Chef der Bundesregierung. Gebhard Fürst übertrifft Kohl längst, was seine Amtszeit angeht. Seit 2000 leitet er die Diözese Rottenburg-Stuttgart, mithin seit 18 Jahren. Junge Katholiken in Württemberg kennen keinen anderen Bischof. Und auch unter den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz zählt Fürst inzwischen zu den Altgedienten.

Am Sonntag begeht Fürst mit einem Festakt an seinem Sitz in Rottenburg am Neckar seinen 70. Geburtstag. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July haben ihr Kommen zugesagt. Sie werden ein kirchliches Oberhaupt feiern, das unter den 1,9 Millionen Mitgliedern der württembergischen Diözese wegen seiner zugewandten Art sehr beliebt ist.

Vor seiner Weihe zum Bischof durch Kardinal Karl Lehmann im Jahr 2000 war der aus Bietigheim stammende Fürst Direktor der Akademie seiner Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dort hatten sich seine Fähigkeit zum Dialog und sein weltoffener Katholizismus ausgeprägt.

In der Bischofskonferenz zählt Fürst zu den eher fortschrittlichen Mitgliedern. Er begehrte auf, als Papst Benedikt die exkommunizierten Mitglieder der Pius-Bruderschaft rehabilitieren wollte. Soziale und ökologische Fragen liegen ihm am Herzen. Mit der Öffnung des leer stehenden Klosters in Weingarten (Kreis Ravensburg) für Flüchtlinge setzte er 2014 ein viel beachtetes Signal. Mit dem Hinweis auf den Diözesan-Patron St. Martin sagt Fürst: „Unsere Mantelteilung ist heute Wohnungsteilung mit den Flüchtlingen.“ Fürst hat auch schon 2002 eine unabhängige Kommission gegründet, die den sexuellen Missbrauch durch Kirchenangehörige aufklären sollte – da war er anderen Diözesen weit voraus. Nichts belastet den Bischof mehr als dieses Thema: „Ich kann es gar nicht ausdrücken, wie mich das verstört.“

Progressive in der Kirche erwarten indessen mehr reformerischen Eifer von Fürst. Der Bischof steht zwar positiv zum Diakonat der Frau, und er hat auch viele Frauen in führende Positionen der Diözesanleitung gebracht. Doch er mag sich nicht dazu durchringen, etwa Forderungen zum Priestertum der Frau und zur Abschaffung des Zölibats zu unterstützen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel