Aichach Bahnunglück mit zwei Toten - viele Fragen offen

Beim Zugunglück im bayerischen Aichach sind zwei Menschen tödlich verunglückt.
Beim Zugunglück im bayerischen Aichach sind zwei Menschen tödlich verunglückt. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Aichach / lby 10.05.2018
Die Polizei ermittelt weiter, wie es zu dem Zugunglück von Aichach gekommen ist. Gleichzeitig werden Forderungen an die Bahn laut.

Wenige Tage nach dem schweren Bahnunglück in Aichach in Bayerisch-Schwaben mit zwei Toten und 14 Verletzten sind noch viele Fragen offen. So war auch am Donnerstag noch unklar, warum der Güterzug und der Passagierzug der Bayerischen Regiobahn (BRB) auf demselben Gleis unterwegs waren. Offen blieb auch, welchen Fehler der 24 Jahre Fahrdienstleiter gemacht haben soll. Die Ermittlungen liefen, hieß es dazu bei der Polizei. Die Kripo geht davon aus, dass menschliches Versagen zu dem Unglück geführt hat. Eine technische Ursache schließen die Beamten aus.

Haftbefehl erlassen, Vollzug aber ausgesetzt

Am Montagabend war wenige Hundert Meter vom Aichacher Bahnhof entfernt eine Regionalbahn auf einen stehenden Güterzug geprallt. Der 37 Jahre alte Lokführer des Personenzuges und eine 73 Jahre alte Passagierin starben, 14 Fahrgäste wurden verletzt.

Gegen den Fahrdienstleiter wurde ein Haftbefehl erlassen, allerdings außer Vollzug gesetzt, da aus Sicht der Behörden keine Fluchtgefahr besteht. Der 24-Jährige braucht deshalb vorläufig nicht ins Gefängnis, muss sich aber an Auflagen des Gerichts halten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn geht davon aus, dass mit modernen Signalanlagen im Stellwerk der tödliche Unfall möglicherweise verhindert worden wäre.

Weichen werden mechanisch bewegt

Am Bahnhof Aichach gibt es ein klassisches mechanisches Hebelstellwerk - wie gut jedes vierte Stellwerk in Deutschland. Bewegt der Fahrdienstleister einen der Hebel, ziehen Drahtseile die Weiche in die richtige Position. Ob das Gleis frei ist, sieht der Fahrdienstleiter vom Stellwerk aus.

„Die Stellwerkstechnik ist historisch gewachsen“, teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit. Die Bahn habe eine Reihe von unterschiedlichen Stellwerksgenerationen im Einsatz. „Alle Stellwerke sind für einen sicheren Eisenbahnbetrieb durch die zuständigen Behörden zugelassen. Dafür sorgen regelmäßige Wartungs- und Inspektionsfristen.“ Perspektivisch setze die Bahn auf die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik, um einen einheitlichen Standard im gesamten Netz zu etablieren.

Der Fahrgastverband Pro Bahn wünscht sich dagegen mehr Investitionen in das Schienennetz. „Das Stellwerk in Aichach ist ja noch aus Kaisers Zeiten“, sagte der langjährige Bundesvorsitzende des Verbandes, Karl-Peter Naumann, der Deutschen Presse-Agentur. „Da muss man letztlich der Politik einen Vorwurf machen, dass sie nicht gesagt hat, wir investieren das Geld in moderne Sicherheitstechnik bei der Bahn und nicht nur auf der Straße.“

Unterdessen waren die Aufräumarbeiten auf der Strecke zwischen Ingolstadt und Augsburg am Mittwoch abgeschlossen und die Züge rollten wieder.