Verkehr Bahn investiert eine halbe Milliarde im Südwesten

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Berlin / Dorothee Torebko 15.02.2018
Die Bahn steckt 570 Millionen Euro in ihr Netz in Baden-Württemberg. Der Preis der Modernisierung: viele Baustellen.

Schneller ans Ziel kommen, weniger warten: Mit diesen Versprechen in Richtung der Passagiere startete Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz ins neue Geschäftsjahr. Wie schwer das jedoch umzusetzen ist, wurde am Donnerstag klar. Die Bahn plant mit deutschlandweit 800 Baustellen. So viele Maßnahmen gab es noch nie. Die werden für Verspätungen und Ärger bei den Fahrgästen sorgen. Auch die Investitionssumme ist rekordverdächtig. 9,3 Milliarden Euro steckt der Konzern in die neuen Schienen, Züge und Stellwerke, davon allein 570 Millionen Euro im Südwesten.

„Damit sorgen wir für stabileren Verkehr, bessere Qualität und mehr Verlässlichkeit im deutschen Schienennetz“, sagte Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla.

Zu den Großbaustellen gehören die IC-Strecke von Stuttgart über Pforzheim nach Karlsruhe, wo es von Mai bis Oktober zu einer Umleitung und damit Verspätungen kommt, sowie die IC-Strecke von Heidelberg über Karlsruhe nach Stuttgart. Dort verlängert sich die Reisezeit zehn Wochen lang ab September um mindestens 15 Minuten, einzelne Haltestellen fallen weg. Deutschlandweit müssen Kunden in diesem Jahr damit rechnen, zehn bis dreißig Minuten später am Ziel zu sein als im Fahrplan angegeben.

Der Spatenstich für das größte Projekt der Region ist im März. Dann wird die 168 Jahre alte Südbahn, die Strecke von Ulm nach Friedrichshafen, elektrifiziert. Statt mit 140 Stundenkilometern werden die Züge künftig mit einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde fahren. Das soll den Kunden 10 Minuten einsparen. Bis es soweit ist, müssen Oberleitungen angebracht, Brücken abgerissen und Trassen stabilisiert werden. Erster Bauabschnitt ist die Strecke zwischen Ulm und Laupheim-West, die im Herbst dann auch komplett gesperrt wird. Das Projekt ist mit 222 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bahn verspricht, die Verspätungen und Ausfälle für die Passagiere möglichst gering zu halten. Mittels eines Lagezentrums Bau, das den Bereich zentral koordiniert, wurden die durch Baustellen verursachten Verspätungen 2017 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent verringert. Ob dies jedoch in diesem Jahr eingehalten werden kann, ist angesichts der rekordverdächtigen Baumaßnahmen fraglich.