Gut zwei Jahre nachdem die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka den Schulen mehrere Milliarden Euro für die Digitalisierung versprochen hat, ist das Paket geschnürt: Der Bundesrat bereitete gestern mit mehreren Grundgesetzänderungen den Weg. Der Digitalpakt Schule kann damit endlich starten. Wie geht es jetzt weiter? Und was bedeutet das für die Schulen Baden-Württembergs? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

 

Wann fließt das Geld?

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ist sicher: noch 2019. Jedoch gibt es Hürden. Alle Länder müssen eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bund absegnen, teils müssen Landtage abstimmen. In Baden-Württemberg soll es Ende März ein Spitzengespräch zwischen Land und Kommunen geben. Denn die sind als Schulträger letztlich Empfänger der Fördergelder.

 

Wie hoch ist der Anteil des Landes?

Der Bund füllt den Fördertopf mit fünf Milliarden Euro, die über fünf Jahre fließen sollen. Verteilt wird nach dem „Königsteiner Schlüssel“. Nach Baden-Württemberg fließen 650,64 Millionen Euro oder 13 Prozent der Gesamtsumme. Damit bekommt das Land nach Nordrhein-Westfalen und Bayern den drittgrößten Anteil.

 

Wie viel ist das pro Schule?

Rechnet man das um, werden aus den fantastischen fünf Milliarden plötzlich fassbare Zahlen: Rein rechnerisch wären es insgesamt pro Schule 142 621,66 Euro. (pro Jahr: 28 524,33). Oder pro Schüler 433,66 Euro (pro Jahr: 86,73 Euro).

 

Wofür wird das Geld ausgegeben?

Die Vereinbarung von Bund und Ländern stellt klar: neben W-Lan, interaktiven Tafeln, Endgeräten und anderer Infrastruktur dürfen auch „Strukturen für die professionelle Administration und Wartung“ finanziert werden. Das ist wichtig. Denn bis zuletzt war unklar, ob aus den Bundesmitteln auch Personal bezahlt werden darf. Wo bislang häufig Physik- und Informatiklehrer – oft genug in ihrer Freizeit – eingesprungen sind, soll es künftig also Profis geben. Manche sprechen schon vom „Digitalhausmeister“.

 

Was wollen die Regierungsfraktionen?

Für die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser steht im Vordergrund, „dass die Schüler einen souveränen, sicheren und sinnvollen Umgang mit den digitalen Medien lernen und die technischen Abläufe verstehen“. CDU-Land­tagsfraktionschef Wolfgang Reinhart betont: „Der Fokus liegt nun auf einer zielgerichteten Investition der kommenden Bundesmittel und der bereits im Nachtrag 2019 beschlossenen 150 Millionen Euro an Landesmitteln.“

 

Wie geht es weiter?

Kommunen und Land werden die Verteilung aushandeln. Grundlage für einzelne Förderungen an Schulen sollen immer sogenannte Medien-Ent­wicklungspläne sein. Die Schulen müssen also Konzepte erarbeiten und auf deren Grundlage darlegen, wofür sie Geld brauchen. Das Geld soll nicht einfach mit der Gießkanne über allen Schulen ausgegossen werden. Denn es gibt unterschiedliche Bedarfe, manche Schulen sind schon weiter als andere.

 

Gibt es die Konzepte schon?

Viele Schulen und Kommunen haben solche Pläne längst erarbeitet. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagt: „Der Digitalpakt leistet hier einen Beitrag, aber wir fangen nicht bei null an. Die Euphorie um den Digitalpakt hat die öffentliche Wahrnehmung teilweise etwas verzerrt. Unsere Schulen werden durch den Digitalpakt sicherlich nicht revolutioniert.“

 

Sind die Lehrer vorbereitet?

Sie selbst glauben das nicht. Zwar begrüßen einer Bitkom-Studie zufolge 87 Prozent den Digitalpakt und 93 Prozent wünschen sich sogar noch mehr Mittel. Gleichzeitig sagten 85 Prozent, dass sie sich eine Weiterbildung über den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wünschen. Schon vor etwas längerer Zeit hatte die Bertelsmann-Stiftung im „Monitor Leh­rerbildung“ dargelegt, dass immer noch längst nicht jeder Lehrer in seiner Ausbildung entsprechend vorbereitet wird. „Die Bun­des­regierung steht nun in der Pflicht, dies endlich aktiv zu fördern“, verlangt der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin. ­Eisenmann kündigt für den Südwesten eine „breit angelegte Qua­li­fizierungsoffensive beim Einsatz digitaler Medien“ an.

 

War’s das jetzt?

Keinesfalls. Fünf Milliarden Euro in fünf Jahren werden längst nicht reichen, um die Schulen auf den digitalen Stand zu bringen. Die Länder werden sich massiv beteiligen müssen – und das tun sie ja auch jetzt schon. Karliczek sagt: „Die Entwicklung des digitalen Unterrichts ist eine originäre Aufgabe der Länder.“

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