Hitze Baden-Württemberg schwitzt

Heiß und heißer: Passanten erfrischen sich an einem öffentlichen Brunnen.
Heiß und heißer: Passanten erfrischen sich an einem öffentlichen Brunnen. © Foto: Andreas Arnold
Ulm / Katrin Kammerer 31.07.2018
Was gilt es, bei diesen hohen Temperaturen zu beachten?

Heiß ist es im Südwesten – verdammt heiß! Die einen freuen sich, die anderen kommen aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus – so oder so: Die schweißtreibenden Temperaturen sorgen für Gesprächsstoff. Und sie bergen auch einige Gefahren. Was ist da draußen also eigentlich los – und was sollten wir am Besten tun?

Jahrhundertsommer?

Haben wir es hier eigentlich mit einem neuen Jahrhundertsommer zu tun? „Ich würde eher sagen, das ist ein sehr auffälliger Sommer“, relativiert Meteorologe Uwe Schickedanz. Von einem Jahrtausendsommer habe man schließlich schon 2003 gesprochen und von einem Jahrhundertsommer dann 2015. Schickedanz, der beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart arbeitet, ist besonders seit Anfang vergangener Woche ein gefragter Gesprächspartner für Medienvertreter: „Die Hitzewelle beschäftigt die Menschen.“

Was macht diesen Sommer denn so auffällig? „Der Niederschlagscharakter“, sagt Schickedanz. Es regnet kaum – aber wenn, dann richtig. „Was fehlt, ist ein flächendeckender, längerer Regen.“ 

Flucht ins Grüne?

Wanderer und Naturliebhaber sollten dabei ein paar Dinge beachten: „Einfach gar nichts wegwerfen oder liegen lassen“, betont Schickedanz. Schon ein Stück Blech oder eine Glasscherbe können bei dieser Hitze einen Waldbrand auslösen – denn Baden-Württembergs Wälder sind in den vergangenen Tagen ordentlich ausgetrocknet. Von den 62 DWD-Messstationen im Land leuchteten am Dienstag 16 in alarmierendem Lila: Das steht im Waldbrand-Gefahrindex für Stufe 5 – und somit für die größte Brandgefahr. Die Regionen Rhein-Neckar, Oberfranken, südlicher Hegau und Zollernalb waren besonders gefährdet. 42 Stationen waren zudem dunkelorange gefärbt: Warnstufe 4.

„Wir haben die Entwicklung im Auge, aber wir sehen nicht die Notwendigkeit für eine Luftbeobachtung der gefährdeten Wälder“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Zum einen seien Waldbesucher mittlerweile fast immer mit einem Handy ausgestattet und könnten Brände schnell melden. Zum anderen seien die Wälder gut erschlossen: „Wege wirken auch als Schneise und verhindern die schnelle Ausbreitung eines Feuers“, so der Sprecher. Außerdem sei der Wald im Land größtenteils Mischwald – „anders als in Schweden oder Griechenland“, – was die Gefahr eines flächendeckenden Waldbrandes ebenfalls eindämme.

Wasser marsch?

Ist baden, spritzen, gießen immer eine gute Idee? Auch die Flüsse leiden unter der Trockenheit. Im Bodenseekreis gilt seit Dienstag ein Wasserentnahmeverbot für alle Oberflächengewässer. „Besonders landwirtschaftliche Betriebe sind davon betroffen“, sagt Landratsamt-Sprecher Robert Schwarz. Wer trotzdem Wasser abpumpt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Im benachbarten Kreis Ravensburg gilt das Verbot ebenfalls – zunächst bis zum 14. August.

Am Montag betrug der Wasserstand am Bodensee bei Konstanz 3,32 Meter. Das langjährige Mittel liegt bei 4,22 Meter. Die Bodensee-Wasser-Wasserversorgung vermeldet eine erhöhte Nachfrage nach Trinkwasser: So liefert der Verband nach eigenen Angaben aktuell täglich rund 480.000 Kubikmeter Wasser an seine Mitglieder. Die durchschnittliche Abgabe in diesem Jahr liegt bei 360.000 Kubikmeter täglich.

 Auch der Wasserstand im Rhein sinkt, der Fluss erhitzt sich Tag für Tag mehr. Im Kernkraftwerk Philippsburg wurde die Leistung vorübergehend um 10 Prozent reduziert. Das erwärmte Kühlwasser aus dem Kraftwerksbetrieb fliest zurück in den Rhein. Durch die Drosselung der Leistung soll nach Angaben des Betreibers EnBW eine zusätzliche Wärmeabgabe an den Fluss begrenzt werden. Auch Block 7 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks wurde aus selbigen Gründen bis auf Weiteres abgestellt.

Einsteigen, wegdüsen?

Also Motor an und in die Berge entfliehen? Auch im Auto kann’s ordentlich heiß werden: „Barfuß fahren ist nicht explizit verboten“, sagt der Heilbronner Polizeisprecher Carsten Diemer. Trotzdem sollte es lassen: „Wenn was passiert, kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlt.“ ADAC-Sprecher Stefan Braunschweig sagt, dass sich jeder siebte schwere Verkehrsunfall an Tagen ereignet, an denen mehr als 25 Grad herrschen.  Eine aktuelle Studie habe ergeben: An Tagen mit weniger als 15 Grad liegt der Anteil konzentrationsrelevanter Unfälle bei 47 Prozent. An heißen Tagen steigt er auf 63 Prozent an.

Braunschweig rät dazu, viel zu trinken, regelmäßige Pausen im Schatten einzulegen und den Kreislauf mit leichten Gymnastikübungen wieder in Schwung zu bringen. Außerdem warnt er: An heißen Tagen können schon 15 Minuten ausreichen, um in einem in der Sonne geparkten Auto einen Kreislaufkollaps zu erleiden. Die Oberflächen im Innenraum eines geparkten Autos können sich zudem auf weit über 60 Grad erhitzen.

Zudem besteht auf manchen Autobahnen die Gefahr, dass der Asphalt aufbricht – diese „Blow ups“ sind gerade für Motorradfahrer eine große Gefahr. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat deshalb für die A 81 zwischen dem Kreuz Weinsberg und der Jagsttalbrücke Widdern sowie nochmal zwischen Boxberg und Osterburken die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer beschränkt. Die Beschränkungen für die A 7 entfallen dafür ab Mittwoch.

Den Zug nehmen?

Auto stehen lassen und mit der Bahn losdüsen? Im Grunde eine gute Idee, nur: In Zügen fallen bisweilen mal Klimaanlagen aus. Einer Bahnsprecherin zufolge müsse man damit aber nur selten rechnen: „Bei durchschnittlichen sommerlichen Temperaturen fallen zwei bis drei Prozent der Klimaanlagen aus.“ Bei den aktuellen, sehr hohen Temperaturen, sei die Ausfallquote auf rund fünf Prozent angestiegen. Immerhin: Beim Ausfall einer Klimaanlage räume das Zugpersonal die entsprechenden Waggons und versorge die Reisenden mit Wasser, so die Sprecherin.

Wer sich trotzdem wegen des Ausfalls beschweren will, der soll sich an den Kundendialog der Bahn wenden. Aus Kulanz werden gegebenenfalls Reise- oder Verzehrgutscheine verschickt, erklärt die Sprecherin.

Bleibt da nur noch Balkonien?

Auch zu Hause lauern Gefahren: „Man sollte bei diesem Wetter immer genug trinken“, mahnt Markus Wenzel, Leiter der integrierten Rettungsleitstelle Ulm. Am meisten Hitzeschläge mussten die Ulmer Rettungsdienstler am 13. Juli behandeln: 22 waren es an diesem nicht überdurchschnittlich heißen Tag. Anfang Juli gab’s durchschnittlich acht Hitzeschläge am Tag. Nun, Ende Juli, waren es 12. „Ob dieser Anstieg aber allein mit der Hitze zusammenhängt, kann ich nicht sagen“, so Wenzel.

Zudem können bei den hohen Temperaturen die Ozonkonzentration bedenklich steigen – wie an diesem Dienstag in Filderstadt. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (Karlsruhe) gab eine Ozonwarnung heraus. Denn wird der Schwellenwert von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft erreicht, muss die Bevölkerung informiert werden. Es wird dann geraten, ausdauernde körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Übersteigt die Konzentration 240 Mikrogramm, sollte das Auto stehenbleiben. Auch in anderen Regionen im Südwesten lagen die Ozonwerte nahe am Schwellenwert, so etwa in Stuttgart-Bad Cannstatt und in Tübingen.

Ende in Sicht?

Und wann können die Hitzegeplagten endlich wieder ein bisschen durchatmen? Laut DWD-Prognosen bringen Gewitter schon am Mittwoch zumindest örtlich erste Abkühlung. „Das entspannt auch die Waldbrandgefahr vorübergehend“, sagt Meteorologe Schickedanz. Aber vorbei ist das große Schwitzen damit noch nicht: Schon zum Ende der Woche können die Temperaturen laut DWD-Prognosen wieder bis zu 38 Grad erreichen.

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