Tourismus Baden-Württemberg buhlt um Asiaten

Ein Muss für asiatische Touristen: die Besichtigung des Heidelberger Schlosses. In Asien besteht großes Interesse an Reisen nach Baden-Württemberg. Für diesen Markt soll das Marketing-Konzept gestrafft werden.
Ein Muss für asiatische Touristen: die Besichtigung des Heidelberger Schlosses. In Asien besteht großes Interesse an Reisen nach Baden-Württemberg. Für diesen Markt soll das Marketing-Konzept gestrafft werden. © Foto: Ronald Wittek/dpa
Sasbachwalden / Petra Walheim 10.10.2018

Der Tourismus im Land boomt. 2017 war das siebte Jahr in Folge, in dem bei Übernachtungen und Ankünften Rekordzahlen verbucht werden konnten. Damit die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden kann, stellt das Land eine neue Tourismus-Konzeption auf. Ein Ziel darin soll sein, dass Urlaubsregionen wie der Schwarzwald, der Bodensee und die Schwäbische Alb großflächiger und gemeinsam vermarktet werden. Das wird mit den regionalen Touristikern, Gastronomen und Hoteliers in fünf Regionalkonferenzen diskutiert. Die erste war in Sasbachwalden, am Fuße des Nordschwarzwalds.

Dem vorausgegangen ist eine Analysephase. Die hat ergeben, dass es im Land an einem gemeinsamen Marketing mangelt. Tatsächlich ist es so, dass in vielen Regionen im Land mehrere touristische Verbände und Gesellschaften nebeneinander um Gäste werben. Manche stehen in harter Konkurrenz zueinander. Das soll aufhören, sagt Tourismus-Minister Guido Wolf. Er möchte das „Klein-Klein“ beenden, wünscht sich eine gemeinsame Dachmarke für das Land.

„Flurbereinigung möglich“

„Es ist verständlich, dass jeder sein Eigengewächs pflegen möchte“ sagt CDU-Landtagsabgeordneter Willi Stächele, in dessen Wahlkreis die erste Regionalkonferenz stattfand. Aber kleinteiliges Marketing habe keine Zukunft mehr. Pluralität könne für das Land zwar ein Markenzeichen sein. Aber auch das müsse großflächiger ausgelegt werden. Die großen Regionen wie Schwarzwald, Bodensee, Oberschwaben, Schwäbische Alb und andere blieben erhalten. „Aber darunter ist eine Flurbereinigung möglich.“

Bodensee und Schwarzwald sind da schon auf einem guten Weg. Am See gibt es zwar etliche regionale Tourismus-Gesellschaften, doch auf großen Messen wird das Gewässer mit den Ländern Schweiz, Österreich sowie den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern von der Tourismusorganisation „bodensee.eu“ als eine Region vorgestellt. Dabei ist auch das Fürstentum Liechtenstein. Ähnlich ist es mit dem Schwarzwald. Auch dort gibt es verschiedene Tourismus-Organisationen, doch im Ausland präsentiert die Schwarzwald Tourismus GmbH das Gebirge. Vor allem in Asien besteht großes Interesse an Reisen nach Baden-Württemberg. Deshalb gibt es in Shanghai seit einiger Zeit einen Ableger der großen Touristik-Messe ITB, die jedes Frühjahr in Berlin stattfindet.

Dass die Digitalisierung auch im Tourismus eine immer größere Rolle spielt, soll ebenfalls in die neue Konzeption einfließen. Die Angebote sollen eng miteinander vernetzt werden, fordert Guido Wolf. „Der Gast erwartet das „Rundum-Sorglos-Paket“. Was Wolf überrascht ist, dass manche Urlauber ihre Ziele danach auswählen, von wo aus sie die spektakulärsten Fotos in soziale Netzwerke einstellen können. Auch darauf müsse reagiert werden.

Um die Umsetzung der neuen Konzeption voranzutreiben, soll die Förderpolitik darauf ausgerichtet werden. Die Projekte, die gefördert werden sollen, müssen in die Konzeption passen, sonst bekommen die Touristiker kein Geld. Nach Auskunft von Wolf wurde das Infrastrukurprogramm von bisher fünf auf sieben Millionen Euro aufgestockt. Immer wieder werde ihm die Frage gestellt, ob es gerechtfertigt sei, so viel Geld für Urlauber auszugeben, die nur ein paar Wochen im Land sind. Seine Antwort: Von der Infrastruktur profitieren die Einheimischen das ganze Jahr.

Tourismus-Konzeption wird fortgeschrieben

Alle zehn Jahre wird die Tourismus-Konzeption fortgeschrieben. Das ist einer der Schwerpunkte der Tourismuspolitik im Koalitionsvertrag. Die bisherige Konzeption stammt von 2009. Die Fortschreibung erfolgt in einem eineinhalbjährigen Prozess. Der begann im ersten Halbjahr 2018 mit einer Analyse. Ihr schließen sich Regionalkonferenzen an, in denen Akteure zu Wort kommen. Weitere Konferenzen sind in Waiblingen, Neckarsulm, Bad Waldsee und Blaubeuren. wal

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