Parkplatz Villingen-Schwenningen Illegale Waffe: 23-Jähriger vor den Augen seiner Freundin erschossen

Tödliche Schüsse auf einem Parkplatz in Villingen-Schwenningen
Tödliche Schüsse auf einem Parkplatz in Villingen-Schwenningen © Foto: dpa
Villingen-Schwenningen / Petra Walheim 11.02.2019
Zwei Männer machen in einem Wald bei Villingen mit einer illegalen Waffe Schießübungen. Woher die Maschinenpistole stammt, ist weiterhin unklar.

Am Tag danach sind von der Tragödie, die sich in der Nacht zum Samstag in einem Wald bei Villingen abgespielt hat, nur noch ein paar Farbspuren im Schnee übrig. Nichts deutet mehr darauf hin, dass auf dem kleinen, völlig vereisten Waldparkplatz ein 23-jähriger Mann gestorben ist. So wie die Sachlage sich bis jetzt darstellt, aus Versehen. Nach Angaben der Polizei hat sich aus einer illegal erworbenen oder illegal erlangten Schnellfeuerwaffe eine Kugelsalve gelöst und den 23-Jährigen in Brust und Bauch getroffen. Er wurde so schwer verletzt, dass er starb. Ein 22-Jähriger wurde vorläufig festgenommen, dann aber wieder frei gelassen, weil die „strafprozessualen Voraussetzungen für eine Haft nicht gegeben sind“, informiert die Polizei. Der Mann wird psychologisch betreut. Die Polizei hat eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatten sich die zwei Männer und die Freundin des späteren Opfers am Freitag gegen 23 Uhr in einem Wald zwischen dem Stadtbezirk Villingen der Doppelstadt Villingen-Schwenningen und dem Stadtteil Pfaffenweiler getroffen. Offenbar mit der Absicht, eine illegal erworbene Schnellfeuerwaffe zu testen.

Schießübungen im Wald

Sie waren auf einem völlig vereisten, aber doch sehr breiten Waldweg zu der kleinen Lichtung gefahren, um dort Schießübungen zu machen. Die zwei Männer sollen sich von der Arbeitsstelle gekannt haben, so die Polizei. Welcher Arbeit sie nachgegangen sind, wollte die Polizei gestern nicht bekannt geben. Der 22-Jährige wollte die Maschinenpistole dem 23-Jährigen übergeben. Offenbar war er in der Handhabung einer solchen Waffe aber nicht geübt. Die Waffe war entsichert, der Mann kam an den Abzug, dadurch hat sich nach Angaben der Polizei eine „Schussserie“ gelöst. Die Schüsse trafen den Gegenüberstehenden mehrfach in Bauch und Brust und verursachten massive Verletzungen.

Ermittelungen wegen Verstoßes
gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Der Handel mit solchen Waffen sei verboten. Die Waffe ist den Angaben zufolge einer Maschinenpistole ähnlich. Der 22-Jährige stellte sich der Polizei und wurde vorläufig festgenommen. „Er konnte noch nicht ausführlich vernommen werden, weil er – wie auch die Freundin des Opfers – unter Schock steht“, sagte ein Polizeisprecher. Obwohl der Mann einen Menschen getötet hat, besteht nach Angaben der Polizei kein Grund, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen. Das regelt Paragraph 112 der Strafprozessordnung. Der sieht als Haftgründe unter anderem Fluchtgefahr, Vorsatz oder Verdunklungsgefahr vor. Da das alles nicht zutreffe, sei der 22-Jährige frei gelassen worden und befinde sich in psychologischer Betreuung, so der Sprecher.

Weiterhin unklar woher die Waffe stammt

„Woher die Männer die Maschinenpistole hatten, ist Teil der Ermittlungen“, sagte ein Polizeisprecher. „Auch was sie mit der Waffe vorhatten, ist noch unklar.“ Beide seien keiner bestimmten Gruppierung zuzuordnen, weder einer politischen noch einer kriminellen. Beide Männer wurden in Deutschland geboren, haben deutsche Pässe, leben in der Region um Villingen-Schwenningen. Auch wenn es sich bestätigen sollte, dass sich die Schüsse auf dem Parkplatz aus Versehen gelöst haben, wovon die Polizei ausgeht, wird sich der 22-Jährige wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten müssen. Das Strafmaß dafür reicht von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft. Spätestens in der Gerichtsverhandlung wird dann auch zur Sprache kommen, woher die Maschinenpistole stammt und was die Männer damit vorhatten.

Das könnte dich auch interessieren

Vollautomatische und halbautomatische Waffen

Das Waffengesetz unterscheidet automatische Schusswaffen und Halbautomaten: Vollautomatische Schusswaffen werden nach Abgabe eines Schusses selbsttätig erneut schussbereit. Bei ihnen können  aus demselben Lauf durch einmalige Betätigung des Abzugs oder einer anderen Schussauslösevorrichtung mehrere Schüsse abgegeben werden.

Privatpersonen, die so eine Waffe kaufen oder besitzen möchten, brauchen eine Ausnahmegenehmigung des Bundeskriminalamts. Bei Halbautomaten kann man durch einmalige Betätigung des Abzuges jeweils nur einen Schuss abgeben. Sie sind erlaubt, wenn man die Vorschriften erfüllt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel