Stuttgart / Melissa Seitz  Uhr
Er raste mit Tempo 160 in einen Kleinwagen, zwei Menschen starben. Der Stuttgarter Jaguar-Raser wird nun wegen Mordes angeklagt.

Er hatte das Gaspedal des Jaguar komplett durchgedrückt, mit einer Geschwindigkeit zwischen 160 und 165 Kilometern pro Stunde soll er über die Rosensteinstraße gebrettert sein – dann krachte er in einen Citroen-Kleinwagen. Vier Monate nach einem tödlichen Unfall im Stuttgarter Norden hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen einen 20-jährigen Fahrer eines Sportwagens erhoben. Der Mann war am 6. März gegen 23.30 Uhr mit dem 550 PS starken Mietauto unterwegs gewesen – und übersah, dass ein Kleinwagen vor ihm aus einer Ausfahrt herausfuhr. Der Jaguar prallte frontal in die Beifahrerseite des Autos. Der 25-jährige Fahrer des Citroen und seine 22-jährige Lebensgefährtin starben noch an der Unfallstelle.

Der 20-jährige Unfallfahrer von Stuttgart soll wegen fahrlässiger Tötung in Haft. Das beantragt die Staatsanwaltschaft.

Gutachten: Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt

Laut dem Unfallgutachten, das die Staatsanwaltschaft erstellen ließ, war der 20-Jährige mit Vollgas und dem Dreifachen der zulässigen Hochgeschwindigkeit unterwegs; das Gaspedal war bis zum Anschlag durchgedrückt. „Das Fahrzeug war zwar stark beschädigt, jedoch konnten die Sensoren, die unter anderem die Stellung des Gaspedals festhalten, ausgewertet werden“, sagte Heiner Römhild, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Vollgas bei unklarer Verkehrslage – der 20-Jährige habe damit rechnen müssen, dass ihm andere Verkehrsteilnehmer in den Weg kommen. Deren Tod habe er durch seine Fahrweise billigend in Kauf genommen.

So kam es dann auch: Als der Jaguar auf den Citroen prallte, soll der Sportwagen eine Geschwindigkeit von 100 bis 110 Kilometern pro Stunde gehabt haben.  Durch die Lenk- und Ausweichbewegungen des jungen Fahrers hatte sich der Sportwagen laut Römhild vor dem Aufprall noch verlangsamt. „Der 20-Jährige hat ausgesagt und die Sicht seiner Dinge geschildert“, sagt Römhild. Inwiefern seine Aussagen und die Realität  zusammenpassen, müsse in der Verhandlung geklärt werden. Der Raser sitzt seit dem Unfall in Untersuchungshaft.

Verteidigung: Werden gegen Mordverfahren vorgehen

Der Verteidiger des 20-Jährigen hält sich bedeckt. Man werde mit Nachdruck gegen das Mordverfahren vorgehen, sagt Markus Bessler von der Stuttgarter Kanzlei „Bessler & Wizemann“. „Es ist ein äußerst tragisches Unfallgeschehen, die Mordanklage ist aber nicht gerechtfertigt“, sagt er weiter.

Wann die Verhandlung  beginnt, ist noch unklar. „Es stehen noch keine Termine fest“, berichtet Johannes Fridrich, Richter und Pressesprecher am Landgericht in Stuttgart. Fridrich rechnet damit, dass der Prozess nicht vor September beginnen wird. Ende diesen Monats könnten die Termine aber schon feststehen.

In Berlin und Hamburg standen Raser bereits wegen Mordes vor Gericht. Bei einem Autorennen in der Berliner Innenstadt war ein Mensch ums Leben gekommen. Das Landgericht verurteilte die Raser zum zweiten Mal wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslangen Gefängnisstrafen, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In Hamburg gab es einen ähnlichen Fall: Ein 25-Jähriger war mit einem gestohlenen Auto in ein anderes Fahrzeug gerast, ein Mensch starb, zwei wurden schwer verletzt. Auch er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, das Urteil wurde im März dieses Jahres vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Der Raser-Unfall in Stuttgart scheint der erste mit Mordanklage in Baden-Württemberg zu sein. „Wir führen darüber keine Statistik, aber mir ist kein anderer Fall bekannt“, sagt Pressesprecher Römhild.

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