Schmuggel in den Knast landet vor Gericht Angeklagter Vollzugsbeamter gesteht

JVA in Heilbronn aktuell in den Schlagzeilen.
JVA in Heilbronn aktuell in den Schlagzeilen. © Foto: dpa
Heilbronn / Hans Georg Frank 08.02.2019
Am Freitag hat ein angeklagter Vollzugsbeamter seinen umfangreichen Schmuggel von - hauptsächlich - Drogen und Handys gestanden. Er will auch als Zeuge in weiteren Prozessen aussagen.

Die Konsequenzen seiner Verfehlungen nicht nur im strafrechtlichen und persönlichen Bereich sind Siegbert H. (37) vollkommen klar: „Die gesamte Justiz wurde mit meinem Verhalten in den Dreck gezogen.“ Der inhaftierte Vollzugsbeamte ist vor dem Landgericht Heilbronn angeklagt wegen Bestechlichkeit und Drogenhandels. Einen zwei Jahre andauernden illegalen Lieferservice in das Heilbronner Gefängnis hat er zum Auftakt des Prozesses heute in vollem Umfang gestanden.

Haus und Freunde sind weg

Er habe nicht nur der JVA „erheblichen Schaden“ zugefügt, räumte er reumütig ein, er habe auch sein Haus und seinen Freundeskreis verloren. Was er gemacht habe, sei „grundsätzlich komplett falsch“ gewesen. Weil er alles gestanden hat und in weiteren Prozessen als Belastungszeuge auftreten will, werde ihm dies bei einer Verurteilung angerechnet, kündigte der Vorsitzende Richter Frank Haberzettl an.

Drogen und Handy ins Gefängnis geschmuggelt

Der Beamte, seit 1. April 2010 im Dienst der Heilbronner Anstalt, ist wegen 23 Fällen des Einschmuggelns vor allem von Handys und Drogen angeklagt. Als Gegenleistung habe er 3150 Euro erhalten, fasste die Staatsanwältin zusammen. Ausgemacht war eine um mehrere tausend Euro höhere Entlohnung, aber offenbar haben nicht alle Auftraggeber ordnungsgemäß gezahlt.

Freundschaft und Erpressung

Es habe ihm an der notwendigen Distanz zu den Insassen gefehlt, gab H. zu. Wegen der Freunschaftsdienste sei er erpressbar geworden. „Er konnte nicht mehr aufhören, ohne sich selber zu belasten“, erklärte die Verteidigerin in einer ausführlichen Stellungnahme.

Vom Dienst supsendiert

Obwohl er das Entdeckungsrisiko mit „fifty fifty“ einschätzte, machte er weiter. Dabei hätten die Alarmglocken schon 2017 schrillen müssen, weil er vier Wochen vom Dienst suspendiert wurde. „Aber da ging es ja erst richtig los“, wunderte sich die Staatsanwältin.

Der Prozess wird am 22. Februar fortgesetzt. Vorher beginnt eine Verhandlung gegen fünf Angeklagte, die den JVA-Mitarbeiter bestochen haben sollen.

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