Land am Rand Allein unter Senioren

Wohnen in der Seiorenresidenz: In Konstanz brachte eine Studentin Leben in die noblen Buden.
Wohnen in der Seiorenresidenz: In Konstanz brachte eine Studentin Leben in die noblen Buden. © Foto: Mascha Brichta/dpa
Konstanz / Petra Walheim 08.09.2018

Das gängige Vorurteil geht so: Die Älteren sagen, die Jungen hätten keinen Anstand, seien frech und ungezogen. Die Jungen sagen: Die Älteren hätten keine Ahnung, seien von Vorgestern und aus der Zeit gefallen. So werden zwischen Jung und Alt mentale Wände gezogen, und keine Seite erfährt, wie es wirklich ist. Außer Jung und Alt lassen sich tatsächlich mal aufeinander ein.

So geschehen bei einem Mehrgenerationen-Projekt in Konstanz. Dafür ist vor einem Jahr die 25-jährige Studentin Marit Meinhold in die „Tertianum Premium Residenz“, nobles Seniorenwohnen mitten in der Stadt, eingezogen. Sie hatte ein Auswahlverfahren gewonnen und bekam für ein Jahr kostenfrei eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Gegenleistung war, dass sie sich 20 Stunden im Monat Zeit für die älteren Bewohner der Residenz nimmt. Das hat sie getan – und siehe da, die Vorurteile fingen an zu bröckeln.

Marit hat eine Technik-Sprechstunde angeboten, und prompt fanden zwei Bewohnerinnen den Mut, sich ein Smartphone zuzulegen und Marit um Hilfe zu bitten, wenn sie damit nicht zurecht kamen. Bei einem Vortrag Marits über eine Reise nach Irland stellte  sich heraus, dass einige Ältere vor 30 Jahren auch schon in Irland waren, und es gab es neuen Gesprächsstoff. Weil der nicht ausgeht, wird das Projekt fortgesetzt. Marit zieht zwar Ende September aus der Seniorenresidenz aus, doch der Kontakt bleibt und soll in Form eines regelmäßigen Generationen-Dinners für andere Studenten geöffnet werden. Auf dass Vorurteile beseitigt werden.

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