Prozess nach „Hexenkessel“-Unfall "Hexe" ist sich keiner Schuld bewusst

Prozessbeginn zu "Hexenkessel"-Unfall
Prozessbeginn zu "Hexenkessel"-Unfall © Foto: Christoph Schmidt/dpa
Heilbronn / Hans Georg Frank 03.12.2018
Bei dem sogenannten „Hexenkessel“-Prozess, bestreitet der Angeklagte an dem Unglück beteiligt gewesen zu sein.

Was als spontaner Scherz gedacht war, geriet zu einem wochenlangen Schmerz. Beim 16. Hexenumzug in Eppingen (Kreis Heilbronn) wurde eine Zuschauerin durch eine kochende Brühe schwer verletzt. Zehn Monate danach steht ein Tatverdächtiger wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. Ihm drohen eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft. Der örtliche Polizeichef ging von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“ aus, als am 3. Februar beim nächtlichen Hexenumzug eine 18-jährige Frau schwere Verletzungen erlitt. Sie soll von einem Bekannten in Richtung eines Bollerwagens mit einem Kessel voll heißen Wassers geschoben worden sein. Zunächst hieß es, zwei maskierte Mitglieder der Gruppe „Bohbrigga Hexebroda“ hätten sie hochgehoben und über den Behälter gehalten. Jetzt ist nur ein 32-Jähriger angeklagt, weil ihm das Opfer „entglitten und mit den Beinen ins heiße Wasser geraten sei, das 45 Zentimeter hoch im Kessel stand“. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Er will an dem Vorfall nicht beteiligt gewesen sein. Für den Kessel sei keine bestimmte Person verantwortlich gewesen, auch andere "Hexen" hätten darauf Zugriff, behauptete er.

Mehrere Wochen in Hautklinik

Die Ermittlungen der Polizei gestalteten sich äußerst schwierig. Die meisten Beteiligten waren maskiert, die närrischen Mitglieder des „Hexenbratens“ aus Kraichtal-Bahnbrücken (Landkreis Karlsruhe) wollen nichts von den Verletzungen der Frau mitbekommen haben. Die Aussagen waren sehr dürftig, Anwälte wurden zu Rate gezogen. Letztlich konnte niemand belangt werden wegen unterlassener Hilfeleistung, wie zunächst von der Staatsanwaltschaft beabsichtigt. Die Frau musste mehrere Wochen in einer Hautklinik verbringen. Im Saal 145 des Heilbronner Amtsgerichts war ihr von den Verletzungen äußerlich nichts anzumerken. Doch sie habe immer noch Schmerzen, könne nicht lange stehen, müsse Tag und Nacht Kompressionsstrümpfe tragen, die Beine seien vernarbt: "Es sieht einfach nicht schön aus." Nach dem Zwischenfall habe sie das Gefühl gehabt, "ich würde brennen". Zur Aufklärung des umstrittenen Sachverhalts hat das Gericht für zwei Verhandlungstage 43 Zeugen geladen. Ein Urteil ist für kommenden Mittwoch vorgesehen.

Auf Ablehnung gestoßen

Der nächtliche Eppinger Hexenumzug ist eine populäre Veranstaltung mit überregionaler Bedeutung. Wenn mehr als 85 Gruppen durch die für ihre Fachwerkhäuser bekannte Stadt (22.000 Einwohner) ziehen, dann säumen gut 10.000 Zuschauer die Straßen. „Das ist ein großes Ereignis mit einem positiven Image für die Stadt“, erklärte Oberbürgermeister Klaus Holaschke. Die Gruppe aus dem benachbarten Bahnbrücken war auch schon bei Umzügen in anderen Orten mit ihrem Kessel auf Rädern. Zwischenfälle sind nicht bekannt geworden. In Narrenkreisen stieß das Gebaren der Kollegen aus Bahnbrücken auf entschiedene Ablehnung. Offenes Feuer und heißes Wasser hätten wegen des Gefahrenpotenzials auf Umzügen nichts zu suchen, hieß es übereinstimmend. In Eppingen wird es die Hexenparade vorläufig nicht mehr geben. In anderen Orten, wo Maskierte nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs sind, sind die gefährlichen Utensilien ausdrücklich verboten. Solche Vorkehrungen gab es in Eppingen nicht. „Feuer und Wasser haben wir bisher nicht im Fokus gehabt“, bedauerte OB Holaschke nach dem Debakel

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