Mordprozess Was die Höchststrafe für Hussein K. bedeutet

Auf dem Weg zum Urteil: Hussein K. muss lebenslang in Haft.
Auf dem Weg zum Urteil: Hussein K. muss lebenslang in Haft. © Foto: Thomas Kienzle/afp
Freiburg / swp 22.03.2018
Kommt der Mörder von Maria L. jemals wieder frei? Fragen und Antworten zum Urteil im Freiburger Mordprozess gegen Hussein K.

Eine der wichtigsten Fragen während der mehr als sechs Monate, in denen der Mord an der Studentin Maria L. im Landgericht Freiburg verhandelt wurde, war, ob Hussein K. nach Jugend- oder Erwachsenen-Strafrecht verurteilt werden muss. Die Jugendkammer hat entschieden, Erwachsenen-Strafrecht anzuwenden. Die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk begründete das gestern ausführlich. Sie sagte aber auch, dass Hussein K. für das Gericht „ein Rätsel“ geblieben sei.

Er wurde verurteilt, weil er am frühen Morgen des 16. Oktober 2016 die Medizinstudentin Maria L.,die auf dem Heimweg von einer Party war, an der Dreisam vom Fahrrad gezogen, sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, vergewaltigt und getötet hat. Das Gericht verhängte wegen Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Sicherungsverwahrung wurde vorbehaltlich angeordnet, die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Was bedeutet das? Die Schwere der Schuld bedeutet, dass Hussein K. mindestens für 15 Jahre in Haft bleibt. Erst nach dieser Zeit kann geprüft werden, ob er freigelassen werden kann oder weitere Jahre in Haft bleibt. Nach Ende der Haft muss geprüft werden, ob Hussein K. in Sicherungsverwahrung genommen wird. Entscheidend dafür ist die Frage, ob er weiterhin gefährlich ist. Wird Sicherungsverwahrung angeordnet, kann er für den Rest seines Lebens in Haft bleiben.

Warum die besondere Schwere der Schuld? Bei Hussein K. hat das Gericht die besondere Schwere der Schuld festgestellt, weil er sein Opfer besonders brutal ermordet habe und seine Persönlichkeitsstruktur keine positive Prognose zulasse. Er sei zwar intelligent, sagte die Richterin, doch setze er seine Intelligenz – das habe sich im Prozess gezeigt – für „taktische Manipulationen und Täuschungen“ ein. Er hatte angegeben, zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen zu sein und Drogen konsumiert zu haben. Das alles konnte widerlegt werden. „Hussein K. war nicht hochgradig alkoholisiert. Dagegen spricht das komplexe Tatgeschehen und der Versuch, die Tat zu verdecken.“ Er sei voll steuerungs- und schuldfähig gewesen.

Warum wurde nach Erwachsenen-Strafrecht geurteilt? Während des Prozesses konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, wie alt Hussein K. ist. Bei seiner Einreise nach Deutschland hat er – das hat er zugegeben – gelogen. Gegenüber Freunden und Bekannten gab er sein Alter willkürlich zwischen 17 und 27 Jahren an. Die Untersuchung eines Zahnes konnte auch keine Klärung bringen. Laut Gutachten muss er mindestens 19 Jahre alt sein, wahrscheinlich aber älter. „Seine Persönlichkeit ist ausentwickelt“, sagte die Richterin.  Er verfüge über Züge, die ihn deutlich von Jugendlichen unterscheiden.

Wie kam das Straßmaß zustande? Das Gericht hätte rein rechtlich die Möglichkeit gehabt, eine mildere Strafe zu verhängen. Weil aber bei Hussein K. eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft als „nahezu ausgeschlossen“ gilt, ist die Höchststrafe verhängt worden. Er bekommt im Gefängnis zwar Therapie-Angebote, doch aus Sicht des Sachverständigen ist die Wahrscheinlichkeit groß, „dass alle Behandlungsversuche ins Leere laufen“. Hussein K. sei derart auf seine eigenen Interessen und Bedürfnisse fokussiert, „dass ihm der Resonanzboden für andere fehlt“, sagte die Richterin. Außerdem habe er keine „funktionierende Gewissens-Instanz“, kein Unrechts-Bewusstsein. Deshalb seien weitere schwere Straftaten, besonders gegenüber Frauen, zu erwarten. Drogen und Alkohol seien nicht sein Problem. „Sie müssen ein anderer Mensch werden.“ Das werde aber nicht für möglich gehalten.

Kein gewöhnlicher Prozess?  Die Richterin betonte, der Prozess unterscheide sich deutlich von anderen Mordprozessen: Weil Hussein K. 2013  in Griechenland schon einmal eine Frau angegriffen und fast getötet hatte. Dafür wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber nach zweieinhalb Jahren entlassen. Diese Chance habe er nicht genutzt, sondern danach einen vollendeten Mord begangen.

Wie geht es weiter? Der Pflichtverteidiger von Hussein K. kündigte an, in Revision zu gehen. Für den Staatsanwalt und den Verteidiger der Nebenkläger, der die Eltern von Maria L. vertritt, wurde ein gerechtes Urteil gefällt. Es ist davon auszugehen, dass Hussein K. die Strafe in Deutschland verbüßt. Abschiebung sei nicht möglich, sagte der Staatsanwalt.