Das Schützenfest in Biberach – es findet diesen Sommer vom 17. Juli bis 26. Juli 2020 statt – ist ein historisches Kinder- und Heimatfest mit ganzen neun Tagen voller Musik und Rhythmus. Überall in der Stadt, bei Veranstaltungen und Umzügen, treten Trommlergruppen, Fanfarenzüge und Musikkapellen auf, das Fest hat ein großes Rahmenprogramm. Es gibt zahlreiche, offiziell bei der Schützendirektion angemeldete Trommlergruppen sowie mehrere private Combos. Und die meisten verstehen ihr Trommler-Handwerk, der Sound aller Gruppen ist wirklich klasse und über Biberach hinaus bekannt.

Trommler sind auf dem Biberacher Schützenfest bis in die Nacht unterwegs

Trommler oder Musiker auf dem Schützemfest zu sein ist ziemlich anstrengend. Die Gruppen sind oft vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein unterwegs, um öffentlich im Rahmen des Festprogrammes zu spielen, oder auf privaten Festen den Gästen ein so genanntes Ständchen zu bringen. Außerdem sind manche Gruppen auch noch in der Innenstadt unterwegs, um zum Beispiel vor Kneipen oder auf Plätzen bei Einzel- oder Massenständchen für Stimmung zu sorgen. So kommen wäährend der Festtage alleine an Ständchen 40 bis 50 Auftritte zusammen. Da gibt es oft blutige Finger vom vielen Trommeln, jeder hat getapte Finger. Und die Stimmbänder bei vielen sind – es wird ja auch gesungen – nach neun Tagen im Eimer.

Beliebte Treffpunkte für Ständchen sind vor dem Goldenen Rebstock (“Stecka“) und Tweety, beide in der Consulentengasse, oder vor „Bines Wohnzimmer“ in der Gymnasiumsstraße. Die Gruppen treten auch in den Bierkellern der Stadt auf, unter anderem im „Biberkeller“, im „Pflugkeller“ oder „Schützenkeller“.

Trommler oder Musiker in einer der großen Gruppen zu werden, ist nicht ganz einfach. Weil es mehr Bewerber als Plätze gibt, veranstalten Gruppen wie die WG-Trommler oder die PG-Mädelz meist im Juni vor Schützen ein „Austrommeln“ oder „Auspfeifen“. Das ist quasi eine Prüfung oder ein Casting, bei dem Kandidaten nach einer Lern- und Ausbildungsphase ihr Können unter Beweis stellen müssen. Außerdem wird schon im Frühjahr regelmäßig geprobt. Bei den WG-Trommlern zum Beispiel zwei Mal die Woche.

Welche Gruppen gibt es beim Biberacher Schützenfest?

Manche Gruppen sind eher traditionell ausgerichtet, andere ganz schön modern, wieder andere beides. Denn selbst die historischen Traditionsgruppen wie die Schweden, die an den 30-jährigen Krieg erinnern, spielen neben alten Liedern auch Spaßhits wie die Titelmelodie von „Wickie und die starken Männer“ oder die Titelmelodie von „James Bond“.

Hier unsere persönliche Auswahl der beliebtesten Gruppen, die Du auch beim Feiern in der Stadt antreffen kannst. Ein Tipp noch zum Programm für Tag- und Nachtschwärmer: Manche Gruppen veröffentlichen auf ihren Webseiten oder auf Facebook, wann sie wo auftreten.

Cool: Die WG-Trommler beim Schützenfest in Biberach

Die WG-Trommler sind eine Traditionsgruppe, die es auch mal ordentlich krachen lässt.
Die WG-Trommler sind eine Traditionsgruppe, die es auch mal ordentlich krachen lässt.
© Foto: Sven Kaufmann

Berühmt, berüchtigt und von manchen gar beneidet  sind die „WG-Trommler“. Offiziell heißen sie Wieland-Gymnasium Trommlercorps. Mit 16 Trommlern und einem Tambourmajor, das ist quasi der Chef und Dirigent, ist es die zweitälteste Schüler-Trommlergruppe in Biberach: Sie nimmt seit 1921 am Biberacher Schützenfest teil. Dementsprechend stolz ist man in der Stadt auf die Traditionsgruppe – das hindert die WG-Trommler aber nicht daran, es ziemlich heftig krachen zu lassen. Beim Bunten Zug  der Schulen (Link) schockieren sie auch gerne mit ihren Kostümen. Die Truppe hat einen unverkennbaren, getragenen Sound und ist technisch perfekt. Sie haben neben Traditionsmärschen wie dem „Schlegelmarsch“ auch coole Kreationen zum Mittanzen wie den Samba drauf.

Die WG-Trommler gelten als besonders cool. Du erkennst sie an ihren weißen Hemden, schwarzen Hosen, blau-gelben Schärpen, hellen Lederschürzen und einem hellblauen Käppi mit schwarzem Schirm.

Abgefahren: Die Ranzengarde n. e. V.

Tanzender Tambour: Die Ranzengarde bei einem Ständchen nach dem großen Festzug. Die Truppe liefert Top-Sound.
Tanzender Tambour: Die Ranzengarde bei einem Ständchen nach dem großen Festzug. Die Truppe liefert Top-Sound.
© Foto: Sven Kaufmann

Jenseits aller Konventionen und völlig abgefahren ist die „Ranzengarde Biberach n.e.V.“, eine freie, ziemlich wilde und trinkfeste Truppe älteren Baujahres, die seit gut 35 Jahren aktiv ist. Der „nicht eingetragene Verein“ macht schon vom Outfit her seinem Namen alle Ehre. Gar nicht ranzig ist dagegen der Sound der hartgesottenen Trommler: Er ist mit der beste in der Stadt. Der Tambour tanzt während der Auftritte kunstvoll mit seinem Stab – und die Zuschauer oft mit. Die Ranzengarde erkennst Du an ihren schwarzen Westen, teils kuriosen schwarzen Kopfbedeckungen und weißen Hemden. Auf dem Rücken prangt das Stadtwappen mit dem goldenen Biber - der eine Halbe kippt ... Wo sie auftreten, ist immer etwas los und die Straße bebt. Die Truppe ist auf Facebook und im Web aktiv.

Sympathisch: Die neuen Alten

Die "Neuen Alten" bei einem Ständchen auf einer Schützenfete. Sie sind eine private Gruppe.
Die „Neuen Alten“ bei einem Ständchen auf einer Schützenfete. Sie sind eine private Gruppe.
© Foto: Sven Kaufmann

Eine weitere inoffizielle Gruppe sind „Die neuen Alten“, die sich seit 1989 aus ehemaligen WG-Trommlern zusammensetzen. Entsprechend hoch ist ihr trommlerisches Niveau, auch ihr Sound ist klasse. Außerdem ist die Truppe schlichtweg sympathisch. Ihr Motto: „Die Neuen Alten lieben Dich, denn auch Du bist schööön“. Zu ihren „Einsätzen“ fahren sie mit einem echten, knallroten Feuerwehrauto, und wo sie auftreten herrscht klasse Stimmung. Dieses Jahr feiern die Neuen Alten ihr 30-jähriges Bestehen. Man darf gespannt sein, was sie sich zum Schützenfest 2019 einfallen lassen werden. Du erkennst die Neuen Alten an ihren weißen Hemden und den rotkarierten Schottenröcken. Sie sind auf Facebook aktiv.

Standfest: Die Schwedenmusik 


Die Schwedenmusik auf dem Festzug. Sie spielen auch Spaßhits Hits wie "Biene Maya".
Die Schwedenmusik auf dem Festzug. Sie spielen auch Spaßhits Hits wie „Biene Maya“.
© Foto: Rolf Schmid

Die Schwedenmusik ist eine der offiziellen Musikgruppen des Biberacher Schützenfestes. Die Gymnasialschüler sind gern gesehene Gäste nicht nur bei offiziellen Auftritten, sondern auch auf privaten Festen und natürlich abends in der Stadt. Was ihr Durchhaltevermögen angeht, kann man sie durchaus als standfest bezeichnen: Einen Schweden haut so leicht nichts um! Die Schwedenmusik besteht aus vier Trommlern, acht Pfeifern – und sechs Marketenderinnen. Auch diese Gruppe hat einen unverkennbaren Sound, die Schweden sind berühmt für ihre Versionen von Spaß-Liedern wie „Speedy Gonzalez“, „Wicki und die starken Männer“ oder „Pippi Langstrumpf“.

Du erkennst die Schwedenmusik an ihren historischen Kostümen: Beige-braunes Wams, blaue Hose, gelbe Socken und Schlapphüte. Außerdem schreiten sie ziemlich komisch mit sehr langen Schritten herum. Auf Facebook findest Du sie unter Schwedenmusik. Die Gruppe sucht übrigens Nachwuchs ...

Kreativ: Die kleinen Feger

Youtube Auftritt in der Consulentengasse

Ebenfalls aus den WG-Trommlern hervorgegangen sind „die kleinen Feger – des kehrt so!“ Die bunte Combo gibt es seit 1996. Die Feger zählen zu den kreativsten Gruppen und machen Musik mit Stahlbesen, Mülleimer-Trommeln und anderen Hausgeräten. Besen und Mülleimer? Aber ja: Dabei entsteht ein ganz neuer Klang. Und weil die Gruppe sich immer sehr witzige Tanz-Performances und Effekte mit gelben und blauen Rauchfackeln ausdenkt, ist die Menge jedes Mal begeistert. Beim „Antrommeln“, also der Eröffnung des Schützenfestes auf dem Marktpltz, veranstalten die Feger auch Flashmobs., bei denen das Publikum mitfegt. Du erkennst die Feger an ihren Kleidern in den Stadtfarben: Blaue Latzhose, gelbes Shirt – und manche tragen ihre alte WG-Trommler-Mütze. Ihr Motto: „Schützen ist das schönste Fest der Welt!“

Beliebt: Die PG-Mädelz

Die PG-Mädelz des Pestalozzi-Gymnasiums sind beliebt - sowohl auf Ständchen als auch bei offiziellen Auftritten.
Die PG-Mädelz des Pestalozzi-Gymnasiums sind beliebt - sowohl auf Ständchen als auch bei offiziellen Auftritten.
© Foto: Florian Achberger
Immer ein Hingucker – und nicht nur deswegen sehr beliebt – sind die so genannten PG-Mädelz. Das ist die Mädchengruppe des Spielmannszuges des Pestalozzi-Gymnasiums. Die Gruppe mit ihren Trommeln und Pfeifen gibt es seit 1970: Sie waren die erste Mädchen-Musikgruppe auf Schützen. Und warum ein Spielmannszug mit Mädchen? Als die Gruppe gegründet wurde, war das PG noch eine Mädchenschule, kurz darauf kamen auch Jungen dazu.

Den hellen Sound der acht Trommlerinnen und 16 Pfeiferinnen hört man schon von Weitem, und wenn sie zu einem ihrer bis zu 50 Ständchen anrücken, gibt es jedesmal ein großes Hallo. Und wie die WG-Trommler auch lassen sie sich für den bunten Zug immer spannende Kostüme einfallen, bei Ständchen spielen sie auch mal „Biene Maya“. Du erkennst sie an ihren blauen Mützen, roten Westen, grauen Röcken und weißen Stiefeln.

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