Vom12. bis 21. Juli findet das Schützenfest in Biberach statt – es sind Tage voller Musik und Rhythmus. Überall in der Stadt, bei Veranstaltungen und Umzügen, treten Trommlergruppen, Fanfarenzüge und Musikkapellen auf. Es gibt zahlreiche, offiziell bei der Schützendirektion angemeldete Combos und mehrere private. Und die meisten verstehen ihr Handwerk, der Sound ist wirklich klasse.

Trommler sind auf dem Biberacher Schützenfest bis in die Nacht unterwegs

Trommler oder Musiker zu sein ist ziemlich anstrengend. Die Gruppen sind oft den ganzen Tag unterwegs, um öffentlich im Rahmen des Festprogrammes zu spielen oder auf privaten Festen den Gästen ein „Ständchen“ zu bringen. Außerdem sind manche Gruppen tagsüber und abends bis in die Nacht in der Innenstadt unterwegs, um zum Beispiel vor Kneipen oder auf Plätzen bei Einzel- oder Massenständchen für Stimmung zu sorgen. So kommen alleine an Ständchen 40 bis 50 Auftritte zusammen.

Beliebte Treffpunkte für Ständchen sind vor dem „Rebstock“ und dem „Tweety“, beide in der Consulentengasse, oder vor „Bines Wohnzimmer“ in der Gymnasiumsstraße. Die Gruppen treten auch in den Bierkellern auf.

Trommler oder Musiker in einer der großen Gruppen zu werden ist nicht ganz einfach. Weil es mehr Bewerber als Plätze gibt, veranstalten Gruppen wie die WG-Trommler oder die PG-Mädelz im Juni ein „Austrommeln“ oder „Auspfeifen“. Das ist quasi eine Prüfung oder ein Casting, bei dem Kandidaten ihr Können unter Beweis stellen müssen. Außerdem wird schon im Frühjahr regelmäßig geprobt. Bei den WG-Trommlern zum Beispiel zwei Mal die Woche.

Welche Gruppen gibt es beim Biberacher Schützenfest?

Manche Gruppen sind eher traditionell ausgerichtet, andere modern, wieder andere beides. Hier unsere persönliche Auswahl der beliebtesten Gruppen, die Du auch beim Feiern in der Stadt antreffen kannst. Ein Tipp noch: Manche Gruppen veröffentlichen auf ihren Webseiten oder auf Facebook, wann sie wo auftreten.

Cool: Die WG-Trommler beim Schützenfest in Biberach

Die WG-Trommler sind eine Traditionsgruppe, die es auch mal ordentlich krachen lässt.
© Foto: Sven Kaufmann

Berühmt, berüchtigt und von manchen gar beneidet  sind die „WG-Trommler“. Offiziell heißen sie Wieland-Gymnasium Trommlercorps. Mit 16 Trommlern und einem Tambourmajor, das ist quasi der Chef und Dirigent, ist es die zweitälteste Schüler-Trommlergruppe: Sie nimmt seit 1921 am Biberacher Schützenfest teil. Dementsprechend stolz ist man in der Stadt auf die Traditionsgruppe – das hindert die WG-Trommler aber nicht daran, es ziemlich heftig krachen zu lassen. Beim Bunten Zug  der Schulen (Link) schockieren sie auch gerne mit ihren Kostümen. Die Truppe hat einen unverkennbaren, getragenen Sound und ist technisch perfekt. WG-Trommler gelten als besonders cool. Du erkennst sie an ihren weißen Hemden, schwarzen Hosen, blau-gelben Schärpen, hellen Lederschürzen und einem hellblauen Käppi mit schwarzem Schirm.

Abgefahren: Die Ranzengarde n. e. V.

Tanzender Tambour: Die Ranzengarde bei einem Ständchen nach dem großen Festzug. Die Truppe liefert Top-Sound.
© Foto: Sven Kaufmann

Jenseits aller Konventionen und völlig abgefahren ist die „Ranzengarde Biberach n.e.V.“, eine freie, ziemlich wilde und trinkfeste Truppe älteren Baujahres, die seit gut 35 Jahren aktiv ist. Der „nicht eingetragene Verein“ macht schon vom Outfit her seinem Namen alle Ehre. Gar nicht ranzig ist dagegen der Sound der hartgesottenen Trommler: Er ist mit der beste in der Stadt. Der Tambour tanzt während der Auftritte kunstvoll mit seinem Stab – und die Zuschauer oft mit. Die Ranzengarde erkennst Du an ihren schwarzen Westen, teils kuriosen schwarzen Kopfbedeckungen und weißen Hemden. Auf dem Rücken prangt das Stadtwappen mit dem goldenen Biber - der eine Halbe kippt ... Wo sie auftreten, ist immer etwas los und die Straße bebt. Die Truppe ist auf Facebook und im Web aktiv.

Sympathisch: Die neuen Alten

Die „Neuen Alten“ bei einem Ständchen auf einer Schützenfete. Sie sind eine private Gruppe.
© Foto: Sven Kaufmann

Eine weitere inoffizielle Gruppe sind „Die neuen Alten“, die sich seit 1989 aus ehemaligen WG-Trommlern zusammensetzen. Entsprechend hoch ist ihr trommlerisches Niveau, auch ihr Sound ist klasse. Außerdem ist die Truppe schlichtweg sympathisch. Ihr Motto: „Die Neuen Alten lieben Dich, denn auch Du bist schööön“. Zu ihren „Einsätzen“ fahren sie mit einem echten, knallroten Feuerwehrauto, und wo sie auftreten herrscht klasse Stimmung. Dieses Jahr feiern die Neuen Alten ihr 30-jähriges Bestehen. Man darf gespannt sein, was sie sich zum Schützenfest 2019 einfallen lassen werden. Du erkennst die Neuen Alten an ihren weißen Hemden und den rotkarierten Schottenröcken. Sie sind auf Facebook aktiv.

Standfest: Die Schwedenmusik 

Die Schwedenmusik auf dem Festzug. Sie spielen auch Spaßhits Hits wie „Biene Maya“.
© Foto: Rolf Schmid

Die Schwedenmusik ist eine der offiziellen Musikgruppen des Biberacher Schützenfestes. Die Gymnasialschüler sind gern gesehene Gäste nicht nur bei offiziellen Auftritten, sondern auch auf privaten Festen und natürlich abends in der Stadt. Was ihr Durchhaltevermögen angeht, kann man sie durchaus als standfest bezeichnen: Einen Schweden haut so leicht nichts um! Die Schwedenmusik besteht aus vier Trommlern, acht Pfeifern – und sechs Marketenderinnen. Auch diese Gruppe hat einen unverkennbaren Sound, die Schweden sind berühmt für ihre Versionen von Spaß-Liedern wie „Speedy Gonzalez“, „Wicki und die starken Männer“ oder „Pippi Langstrumpf“.

Du erkennst die Schwedenmusik an ihren historischen Kostümen: Beige-braunes Wams, blaue Hose, gelbe Socken und Schlapphüte. Außerdem schreiten sie ziemlich komisch mit sehr langen Schritten herum. Auf Facebook findest Du sie unter Schwedenmusik.

Kreativ: Die kleinen Feger

Youtube Auftritt in der Consulentengasse

Ebenfalls aus den WG-Trommlern hervorgegangen sind „die kleinen Feger – des kehrt so!“ Die bunte Combo gibt es seit 1996. Die Feger zählen zu den kreativsten Gruppen und machen Musik mit Stahlbesen, Mülleimer-Trommeln und anderen Hausgeräten. Besen und Mülleimer? Aber ja: Dabei entsteht ein ganz neuer Klang. Und weil die Gruppe sich immer sehr witzige Tanz-Performances und Effekte mit gelben und blauen Rauchfackeln ausdenkt, ist die Menge jedes Mal begeistert. Beim „Antrommeln“, also der Eröffnung des Schützenfestes auf dem Marktpltz, veranstalten die Feger auch Flashmobs., bei denen das Publikum mitfegt. Du erkennst die Feger an ihren Kleidern in den Stadtfarben: Blaue Latzhose, gelbes Shirt – und manche tragen ihre alte WG-Trommler-Mütze. Ihr Motto: „Schützen ist das schönste Fest der Welt!“

Beliebt: Die PG-Mädelz

Die PG-Mädelz des Pestalozzi-Gymnasiums sind beliebt - sowohl auf Ständchen als auch bei offiziellen Auftritten.
© Foto: Florian Achberger
Immer ein Hingucker – und nicht nur deswegen sehr beliebt – sind die so genannten PG-Mädelz. Das ist die Mädchengruppe des Spielmannszuges des Pestalozzi-Gymnasiums. Die Gruppe mit ihren Trommeln und Pfeifen gibt es seit 1970: Sie waren die erste Mädchen-Musikgruppe auf Schützen. Und warum ein Spielmannszug mit Mädchen? Als die Gruppe gegründet wurde, war das PG noch eine Mädchenschule, kurz darauf kamen auch Jungen dazu.

Den hellen Sound der acht Trommlerinnen und 16 Pfeiferinnen hört man schon von Weitem, und wenn sie zu einem ihrer bis zu 50 Ständchen anrücken, gibt es jedesmal ein großes Hallo. Und wie die WG-Trommler auch lassen sie sich für den bunten Zug immer spannende Kostüme einfallen, bei Ständchen spielen sie auch mal „Biene Maya“. Du erkennst sie an ihren blauen Mützen, roten Westen, grauen Röcken und weißen Stiefeln.

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