Ravensburg / Alfred Wiedemann Am Donnerstag hat der Prozess gegen den Messerstecher von Ravensburg begonnen. Der Afghane gesteht seine Tat.

Ein 22-Jähriger steht seit Donnerstag in Ravensburg vor Gericht. Er hat im September 2018 auf dem Ravensburger Marienplatz drei Menschen mit einem großen Küchenmesser schwer verletzt. Gegen den Mann läuft ein Sicherungsverfahren. Er soll in der Psychiatrie untergebracht werden.

Ihm wird unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen

Der Messerangriff am Freitagnachmittag, 28. September 2018, mitten in Ravensburg verursachte Angst und Schrecken. Drei Menschen wurden verletzt, zwei Flüchtlinge aus Syrien und ein 52-jähriger Deutscher. Jetzt steht Janagha A., 22, Asylbewerber aus Afghanistan, in Ravensburg vor Gericht. Ihm wird versuchter Mord, versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen - begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit durch posttraumatische Belastungsstörungen und eine schizophrene Psychose. Die Staatsanwaltschaft hat ein Sicherungsverfahren beantragt. Damit geht es nicht um einen Schuldspruch, sondern um seine Unterbringung in der Psychiatrie.

Die Fußfessel bleibt an

Janagha A. wird in Fußfesseln und Handschließen in den Saal geführt, er ist im Zentrum für Psychiatrie in Ravensburg-Weißenau untergebracht. Die Handfessel wird ihm abgenommen, die Fußfessel muss er weiter tragen, ordnet der Vorsitzende Richter Stefan Maier an.

Der Beschuldigte versteckt sein Gesicht nicht hinter einem Aktenordner, er lässt Blitzlicht und die Kameras über sich ergehen. Regung zeigt sein Gesicht kaum, über den Dolmetscher sagt er, dass er vor Gericht Fragen beantworten werde.

Angeklagter gesteht

Er gibt die Messerangriffe zu. Er habe aus Wut auf Araber gehandelt, weil er an seiner früheren Arbeitsstelle als Küchenhilfe von einem Arbeitskollegen gehänselt worden sei, der Araber ist. Den Mann hat er am Tattag über WhatsApp an den Marienplatz bestellt, drohte ihm Messerstiche an. Er ist nicht gekommen.

Janagha A. kaufte vormittags ein 20 Zentimeter langes Küchenmessser, versteckte es im Hosenbund und trug es den Tag über mit sich. Er rauchte Marihuana, nachmittags dann traf er an einer Bushaltestelle am Marienplatz auf seine Opfer: Zwei Asylbewerber aus Syrien traf es, einen kannte er wohl vom Sehen. Sie traf es wohl nur, weil sie Araber sind, wie die Befragung vor Gericht ergab. "Ich habe sie verletzt, weil sie Araber sind", wie sein früherer Arbeitskollege, sagte A. Er habe das Messer gezogen und zugestochen. Ein 52-Jähriger wollte den Messerstecher mit einem Stuhl stoppen, auch er wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Das sei zwar kein Araber, er sei aber mit dem Stuhl auf ihn losgegangen, er habe sich angegriffen gefühlt,sagte der 22-jährige Beschuldigte. Erst zwei Tage vor der Attacke war er aus dem Zentrum für Psychiatrie entlassen worden. Dort war er zuvor schon vier Mal länger behandelt worden seit 2017. Die Medikamente, die ihm verordnet wurden, soll er zuletzt nicht mehr genommen haben.

„Auf einmal kam die Krankheit“

A., der im Januar 2016 nach Deutschland gekommen ist und dessen Asylantrag im April 2017 abgelehnt wurde, erzählt vor Gericht, "auf einmal kam die Krankheit". Er habe nicht mehr schlafen können, verfolgt von Stimmen, aus Angst vor Menschen. Im Wahn sah er sich auch bedroht von Politikern wie US-Präsident Trump und dessen europäischen Helfern.

Eine Stimme soll ihm nach einem früheren Psychiatrie-Aufenthalt auch gesagt haben, dass er nach Paris fahren müsse, dort könne er geheilt werden. Bis Stuttgart fuhr er dann auch mit der Bahn, kam dann wieder zurück. Am Tattag vormittags soll er wieder eine Stimme gehört haben.

Zivilcourage-Preis für Helfer

Die Opferhilfe-Organisation „Weißer Ring“ hat vier Menschen ausgezeichnet, die bei der Messer-Attacke Zilvilcourage gezeigt hatten.

Andere seien davon gerannt oder hätten sogar Handyvideos gemacht. Die Geehrten dagegen haben Verletzten geholfen, wie die damals 16-jährige Azubi Nina. Zwei stellten sich sogar dem Mann mit dem Messer entgegen.

Ein 52-Jähriger wollte seine Familie mit einem Stuhl schützen und wurde von dem Angreifer verletzt. „Ich wollte den einfach stoppen, sonst hat ja keiner was gemacht“, sagte er bei der Preisverleihung im November 2018.

„Das war eindeutig mehr, als man erwarten darf“, sagte Erwin Hetger, der Landesvorsitzende des „Weißen Rings“ damals. Man dürfe von Helfern nicht verlangen, dass sie sich in Gefahr bringen in solchen Situationen, einen Beitrag könne aber jeder leisten.

Der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU) stoppte den Angreifer schließlich, forderte ihn erfolgreich auf, das Messer wegzuwerfen. Der Rathauschef wollte keine Ehrung. Er habe ja in erster Linie als Amtsperson gehandelt, sagte er.

Bis 3. April hat das Ravensburger Schwurgericht drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

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