Zehn Geschosse hat das „Skaio“ im Heilbronner Neckarbogen, 34 Meter hoch wird das von Stadtsiedlung und Züblin AG  gebaute Gebäude. Deutschlands höchstes Holzhaushaus. Baubeginn war im Januar 2018. Am 17. April 2019 wird „Skaio“ fertig, garantiert: Dann ist Eröffnung der Bundesgartenschau in Heilbronn.

Das Holzhochhaus ist der architektonische Hingucker auf dem Buga-Gelände. Vom Berliner Architektenbüro Kaden und Lager entworfen, hat „Skaio“ acht Stockwerke aus Brettsperrholz auf einem Sockelgeschoss aus Stahlbeton. Die tragende Konstruktion ist aus Massivholz, brandtechnisch Sensibles wie Treppenhaus und Aufzugsschacht sind aus Stahlbeton.

„Den anspruchsvollen Zeitplan bei Skaio können wir einhalten“, sagt Dominik Buchta, Geschäftsführer der Stadtsiedlung Heilbronn. „Skaio“ ist zwar Schrittmacher in Sachen Öko-Wohnen mit viel sichtbarem Holz und gemeinsamer Dachterrasse, soll aber trotzdem kein Luxus sein: Von den 60 Wohnungen, Ein- bis Zweizimmereinheiten, die  nach Bedarf zusammengelegt werden können, sind 40 Prozent sozial gefördert. Ohne Sozialbindung ist eine 60-Quadratmeter-Wohnung zum Beispiel ab 973 Euro warm zu haben.

„Das Projekt stellt im Rahmen der Buga-Stadtausstellung als Pilotprojekt besondere Bauweisen dar. Insofern werden die tatsächlichen Kosten des Gebäudes den wirtschaftlichen Möglichkeiten der heutigen Holzbauweise nicht gerecht“, sagt Buchta. Die Kosten werden daher nicht kommuniziert.

Von Lösungen bei Schallschutz und Brandschutz sollen andere Holzbauer profitieren. Das gilt auch für „Carl“ in Pforzheim, benannt nach der Adresse Carl-Hölzle-Straße und nach Arlinger, Name des Stadtteils und der Baugenossenschaft.  Die Pläne sind von Peter W. Schmidt Architekten. 14 Stockwerke und 45 Meter Höhe bedeuten deutschen Holzhochhaus-Rekord, wenn es Ende 2021 fertig wird.

Die Baugenossenschaft Arlinger, in Pforzheim und Umgebung mit 3148 Wohnungen wichtiger Player, plant in Hochhaus und zwei flachen Gebäuden 73 Wohnungen, eine Kita, Bäckerei und Café. Neben Holzmodulen für den schnellen Bau werden auch Stahl und Beton gebraucht, im Treppenhaus zum Beispiel. Ein Hybrid-Haus also, Motto: So viel Holz wie möglich. Das bedeutet: 2000 Tonnen Kohlendioxidemissionen können durch das Verwenden des nachwachsenden Rohstoffs eingespart werden im Vergleich zum Bauen mit Stein, Stahl und Beton. Verwendet werden soll viel regionales Holz.

Auch „Carl“ soll Leuchtturmprojekt für den Holzbau werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert den Bau mit  330 700 Euro. Ziel ist, die ökologische Alternative Holzbau konkurrenzfähig zu machen. Bundesweit verteuerten Bauvorschriften oft große Holzbauten und machten sie so unattraktiv. Die für Pforzheim entwickelten und umgesetzen  Lösungen sollen  – wie die in Heilbronn – von anderen Holzbauern genutzt werden. Besonders für Statik und Brandschutz interessieren übertragbare Konzepte. Beispiel: Ein Vorsprung an der Fassade, die Verlängerung der Geschossdecke. Diese Krempe soll verhindern, dass Feuer an der Holzfassade zum nächsten Stock überspringt.

Die Holzbau-Quote bei neuen Ein- und Zweifamilienhäusern lag 2017 bei 35 Prozent in Baden-Württemberg, im Mehrfamilienwohnbau waren es nur 6,8 Prozent. Noch viel Luft nach oben also. Ein erfolgreicher Holzhochhaus-Bau in Pforzheim könnte dank seines Modellcharakters ein „Leuchtturm für die Holzbranche“ werden, so DBU-Generalsekretär  Alexander Bonde in einer Mitteilung.

Ein Leuchtturm bleibt Leuchtturm. Auch wenn der Titel „Deutschlands höchstes Holzhochhaus“ so eine Art Wanderpokal ist: Von Heilbronn über Pforzheim  wird er nach Hamburg gehen, das steht schon fest: Dort wird bis 2021 in der Hafencity 19 Stockwerke und 64 Meter hoch in Holz gebaut.

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Millionen Euro plant das Land bis 2023 für eine „Holzbau-Offensive“ ein. 5,5 Millionen sind zum Beispiel für Leuchtturmprojekte vorgesehen, 800 000 Euro für die Ökobilanzierung bei Bauvorhaben und 500 000 Euro für einen Forschungscluster zur Baustoffentwicklung. Holzbau sei wichtig für die nachhaltige Entwicklung im Holzbauland Nummer eins, sagt Peter Hauk, Minister für ländlichen Raum.