Zurück ins Mittelalter Staufer-Spektakel bis Sonntag in Stuttgart

Ritter der Gruppe „Burdyri“ aus Tschechien messen sich im Show-Schwertkampf.
Ritter der Gruppe „Burdyri“ aus Tschechien messen sich im Show-Schwertkampf. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Von Rainer Lang 01.06.2018

Frühmorgens haben sich die Jordans in Titisee-Neustadt auf den Weg gemacht. Kurz vor elf Uhr kommen sie im Alten Reitstadion in Stuttgart an – pünktlich zum Start des Staufer-Spektakels. Das verspricht bis Sonntag am Rande des Cannstatter Wasens „eine fantastische Reise zwischen den Welten“ mit Jahrhundertmarkt, Ritterturnier und Lagerleben. Die zweite Auflage des mittelalterlichen Treibens in der Landeshauptstadt beginnt am Donnerstag bei strahlendem Sonnenschein. Besonders viele Familien nehmen am Feiertag die Gelegenheit wahr, Gaukler, Handwerker, Ritter, Spielleute oder Falkner hautnah zu erleben.

Viele Besucher tauchen selbst ins mittelalterliche Leben ein. Das ist seit zwei Jahren auch bei den Jordans so. Beim Besuch des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes in Esslingen sind sie auf den Geschmack gekommen. Seither sind sie fast jedes Wochenende auf Mittelalter-Events unterwegs und schlüpfen in unterschiedliche Rollen: Alexander Jordan verkörpert einen Jäger, seine Frau Sandra eine Bauchtänzerin. Der achtjährige Flynn tritt als Wikinger auf und sein 17 Jahre alter Bruder Leon als Nordmann.

Selbstgemachte Outfits

Die Outfits sind selbst gemacht. Vater Alexander Jordan ist mit Trinkbeutel, Magnesiumstab als Feuerzeug und einer Feuerschale ausgerüstet. „Natürlich gehört dazu ein wenig Recherche, um zu wissen, wie die Menschen vor mehr als 1000 Jahren ausgesehen haben“, sagt er. Als er sein Mobiltelefon verstaut, ergänzt er lachend: „Das ist das einzige, was noch an die Zukunft erinnert.“

„Eigentlich hätten wir hier gern vier Tage lang das Leben im Lager ausprobiert, aber das hat der Beruf nicht zugelassen“, bedauert Jordans Schwager Toni Nelde. Er legt sich noch ein Schaffell um die Schultern, bevor er den Eintritt oder, wie es hier heißt, den „Thorzoll“ begleicht.

Drinnen haben sich Susanne und Andreas Schade aus Beuren mit ihren beiden Kindern im Lager schon eingerichtet. Sie sind mit einem Freundeskreis als „Schwaben-Ritter“ unterwegs. Vorbild für Andreas Schade ist die historische Figur des „Kyfer von Tiefenbach“. Unklar sei, ob der Name vom Beruf Küfer komme oder doch eher vom Keifen. Denn  der Ritter soll ein Tunichtgut gewesen sein, meint Andreas Schade. Diese Variante sei ihm sympathischer, meint der 44-Jährige.

Sein elf Jahre alter Sohn steht unterdessen am anderen Ende des Reitstadions. Er hat einen Lederhandschuh übergestreift und hält stolz einen kleinen Falken in die Höhe. „Er will unbedingt später einmal Falkner werden“, erklärt Mutter Susanne. Fast 20 Greifvögel und Eulen haben Roland Blum und sein Team von der Falknerei Bielriet bei Schwäbisch Hall mitgebracht. Die Tiere sind nicht nur in einer Flugvogelschau zu sehen, sondern die Besucher können sie auch selbst auf die Faust nehmen. „Ich möchte nicht nur eine Show abziehen, sondern auch Wissen vermitteln“, betont Blum. Das liegt auch Veranstalter Karl Göbel am Herzen.

Mit Veranstaltungen dieser Art hat der Macher reichlich Erfahrung. In Göppingen hat er zum 13. Mal das  Staufer-Spektakel veranstaltet. Der 52-Jährige Wildhändler ist mit Ständen auf großen Events in Stuttgart vertreten. Als er vorschlug, das Staufer-Spektakel auch in der Landeshauptstadt zu etablieren, stieß er auf offene Ohren. Bis Sonntag erwartet er mehrere tausend Besucher.

An den mehr als 100 Verkaufsständen wird traditionelles Handwerk vorgeführt – vom Schmied und Steinmetz über den Drechsler und Lichtermacher bis zum Töpfer, Bäcker und Barbier. Friseurmeisterin Diana Schneid und ihr Mann Andreas aus Memmingen fertigen Haarteile wie früher. Sie erklären auch, dass der Barbier früher Blutegel am Körper ansetzte, um Krankheiten zu kurieren. Sie haben zwar ein paar Exemplare dabei, aber Angst braucht niemand zu haben, denn ansetzen dürfen die Tiere heutzutage nur noch Ärzte und Heilpraktiker.

Ritterturnier für Kinder

Vor der Hauptbühne messen sich unterdessen die Ritter von der Gruppe „Burdyri“ aus Tschechien im Schwertkampf. Nebenan bereiten sich „Die Ritter der Schwarzen Lanze“ in ihrem Reiterlager auf ihr „Ritterturney“ mit Feuerspektakel vor. Stolz ist Veranstalter Göbel darauf, dass er die „Flugträumer“ aus Berlin engagieren konnte, die Jonglage, Feuershow, Pantomime und Akrobatik vereinen. Als musikalisches Highlight gilt die Irish Folk-Gruppe „The Sandsacks“.

Für Kinder gibt es ein eigenes Ritterturnier, aber auch sonst viel Programm, vom handbetriebenen „Riesenrad“ über Märchen bis zum Kindertheater.

Infokasten
Falkenshow und Artistik

Los geht’s heute um 12 Uhr, Samstag und Sonntag jeweils um 11 Uhr. Schluss ist abends um 22.30 Uhr, am Sonntag schon um 19 Uhr. Deshalb ist die Falkenshow an diesem Tag schon um 16.45 Uhr, an den anderen Tagen um 20 Uhr. Ritterturniere und Kinder-Ritterturniere stehen nachmittags und abends auf dem Programm, Freitag und Samstag schließt sich eine Luftartistik-Feuershow an. An diesen beiden Tagen ist um jeweils um 16 Uhr der Marktumzug der Gaukler und Spielleute.

Der Markt ist ganztags geöffnet. Am Samstag um 21 Uhr steht ein Abendkonzert der „Sandsacks“ auf dem Programm. Mehr über: stauferspektakel.de lan

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