Östersund / Von Thomas Wolfer, dpa

An ihre bislang letzten Auftritte in Östersund erinnert sich Denise Herrmann nur zu gerne. Gleich zwei Siege feierte die Sächsin Ende 2017 beim Biathlon-Weltcup im Schweden - nun hofft sie bei der WM auf eine Wiederholung.

Im Sprint am Freitag (16.15 Uhr/ARD und Eurosport) gehört die ehemalige Langläuferin zum Kreis der Medaillen-Kandidatinnen. „Damals konnte ich mein Rennen machen und hoffe mal, dass ich das wieder so abrufen kann“, sagte Herrmann in Anspielung an ihren ersten Weltcupsieg an gleicher Stelle.

Gerade mal 19 Monate zuvor war die 30-Jährige vom Langlauf zu den Skijägerinnen gewechselt. Herrmann machte ab 2016 gute Fortschritte mit der Waffe, doch ihre Leistungen am Schießstand sind nicht konstant genug, um dauerhaft in der Weltspitze mitzuhalten. Auch in dieser Saison hatte sie lange „nicht so die große Sicherheit“. Im letzten Rennen vor der WM gab es dann in Soldier Hollow/USA in der Verfolgung doch noch den ersten Saisonsieg. „Fürs Selbstbewusstsein ist es schon gut, wenn man die Periode vor der WM so abschließt.“

Jetzt kann sie sogar noch selbstbewusster sein. Kurzfristig wurde Herrmann am Donnerstag noch in das Aufgebot für die Mixed-Staffel berufen - und erfüllte sich ihren großen Medaillentraum schon einen Tag früher als erhofft. Sie ersetzte Laura Dahlmeier, die aufgrund einer Erkältung nicht antreten konnte, und schaffte es mit dem deutschen Quartett hinter Norwegen auf Platz zwei. „Es ist unglaublich, ich freue mich total“, sagte Herrmann nach dem Silber-Coup: „Ich habe ja im Langlauf erst eine Team-Medaille - und jetzt das. Voll geil!“

Herrmann reiste schon mit vielen positiven Gefühlen nach Östersund. Über 7,5 Kilometer kann sie in der Loipe nahezu jede Konkurrentin auf Abstand halten. „Es gibt wenige Biathletinnen, die so einen Berg nach oben sprinten können“, sagte Dahlmeier über Herrmanns Laufstärke. Möglich, dass sich die beiden Deutschen einen Kampf um die Sprint-Medaillen liefern.

Wenn beide in Normalform sind, begegnen sie sich in der Loipe zwar auf Augenhöhe, am Schießstand hat die abgezockte Dahlmeier jedoch klare Vorteile. Zu oft patzte Herrmann mit der Waffe und vergab so noch Podestplätze. Ihre Trefferquote im Vergleich zur Vorsaison sank von 80 auf 76 Prozent, vor allem im Liegendschießen verschlechterte sie sich. „Im Biathlon ist jeder Wettkampf ein neuer“, sagte Herrmann. Erfolge seien schön, doch die Sicherheit mit der Waffe müsse sie sich immer wieder neu erarbeiten.

Kein Wunder, denn noch bei Olympia 2014 in Sotschi hatte sie mit der Staffel im Langlauf Bronze gewonnen. Den Umstieg im doch recht hohen Sportleralter von 27 Jahren vollzog sie dann aber ohne Kompromisse. „Ich hätte mir mit 35 vorgeworfen, dass ich es nicht versucht habe. Ich musste es probieren“, sagte Herrmann damals - und wurde belohnt. Viele hatten sie für verrückt gehalten, mit dem Gewehr auf dem Rücken so spät ganz neu anzufangen, sagte Herrmann.

Mit drei Einzelsiegen im Weltcup hat sie schon mehr erreicht, als ihr viele zugetraut hätten. Ihre erste WM-Medaille überhaupt - im Langlauf konnte sie neben Olympia-Bronze mit dem Team keine gewinnen - ist nun die vorläufige Krönung. Am Freitag könnte sie schon nachlegen. „Ich hoffe, dass wir gemeinsam um die ganz vorderen Ränge mitkämpfen können“, sagte Dahlmeier, die noch einen zweiten Wunsch für die WM hat: „Dass es nicht zum Zielsprint kommt.“ Denn gegen Herrmann hätte da selbst die Ausnahmekönnerin größere Schwierigkeiten.

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