Auf der Suche nach ihrer Top-Form sind die deutschen Skispringer vom Wetter ausgebremst worden. Wegen starken Windes wurde das geplante Weltcup-Springen im verschneiten finnischen Ruka kurzfristig abgesagt.

„Wir haben Windgeschwindigkeiten, mit denen man überhaupt nicht kontrolliert springen kann“, sagte der Rennleiter des Weltverbandes, Walter Hofer, der Deutschen Presse-Agentur. „Da gehen wir kein Risiko ein.“ Bundestrainer Stefan Horngacher sah das ähnlich. „Im Sinne der Sicherheit war es die richtig Entscheidung“, sagte der Österreicher bei klirrend kalten minus neun Grad.

Bereits am Vormittag hatte sich bei den nordischen Kombinierern angedeutet, dass Sprünge von der ohnehin anspruchsvollen Rukatunturi-Schanze auch für die Spezialisten zu gefährlich sein könnten. Der Wettkampf war nach 14 Sportlern abgebrochen worden. „Leider hat sich die Situation den ganzen Tag nicht zum Positiven verändert, sagte Hofer.

Durch die verständliche Absage bekamen die deutschen Springer um den Dreifach-Weltmeister von Seefeld Markus Eisenbichler keine Gelegenheit, sich nach einer schwachen Teamleistung vom Vortag mit positiven Erlebnissen neues Selbstvertrauen zu holen. „Es hätte mich gefreut, das Ergebnis ein bisschen zu verbessern“, sagte der 28-Jährige in der ARD. „Aber jetzt ist es halt einfach so.“

Der Siegsdorfer kommt in dieser Saison noch nicht richtig in Tritt - wie die meisten seiner Kollegen. „Wir geben alle Vollgas, aber es läuft noch nicht ganz so gut bei jedem“, fasste Karl Geiger die aktuelle Situation der Adler des Deutschen Skiverbandes (DSV) zusammen. Der 26-Jährige war mit Sprüngen auf 132,5 und 136,5 Meter und Rang sieben in einem von Disqualifikationen geprägten Wettkampf der beste Deutsche gewesen. Er springt derzeit als einziger Athlet im Horngacher-Team konstant auf Weltspitzen-Niveau.

Eisenbichler hatte sich beim zweiten Saisonsieg des Norwegers Daniel Andre Tande nur knapp für den zweiten Durchgang qualifiziert und am Ende den 23. Platz belegt. Richard Freitag auf Rang 15, Pius Paschke als 20. und Constantin Schmid (25.) waren die weiteren DSV-Adler, die am Samstag zweimal von der Schanze durften.

Die Deutschen wollen in die Regionen, in denen Tande und sein norwegisches Team gerade unterwegs sind. Der Umbruch nach der elfjährigen Amtszeit von Bundestrainer Werner Schuster gestaltet sich zu Saisonbeginn schwierig - auch, weil in Olympiasieger Andreas Wellinger, Severin Freund und David Siegel erfahrene und starke Springer verletzungsbedingt ausfallen.

„Natürlich sehen wir, dass uns die Norweger gerade ziemlich um die Ohren fliegen“, hatte Horngacher bereits am Samstag gesagt und sich dabei auch auf die starken Sprung-Auftritte der nordischen Kombinierer bezogen. „Das ist schon ein bisschen komisch.“

Die nächste Chance, die Skandinavier herauszufordern, hat seine Mannschaft am kommenden Wochenende in Nischni Tagil. Auf die Frage, was er sich für die Russland-Reise denn Wünsche, sagte Horngacher mit einem Lächeln: „Dass es nicht zu kalt ist.“ Die gute Laune lassen sich die deutschen Skispringer noch nicht verderben.

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