Der tückische Eiskanal von Pyeongchang hat schon viele Überraschungen hervorgebracht. Der fünfte Platz des haushohen Rodel-Favoriten Felix Loch war so eine, ebenso der Olympia­sieg des Koreaners Yun Sungbin. Und jetzt zauberte ein Paar aus Berlin vier Läufe aufs Eis des Alpensia Sliding Centre und holte sich seinen ersten Sieg überhaupt im Bobsport. Und dann war es gleich der Größte, den man erringen kann: Mariama Jamanka und Lisa-Marie Buckwitz holten den Olympiasieg.

In einem Herzschlagfinale ging das Duo, das erst kurz vor den Winterspielen zusammengefunden hatte, mit vier Hundertstelsekunden Vorsprung in den letzten Durchgang. Und die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor legte die Messlatte vor dem letzten Paar, das noch nie einen Weltcup gewonnen hatte, richtig hoch. Obwohl Jamanka und Anschieberin Buckwitz schlechter starteten, war es die starke Linienführung der Pilotin und der perfekt laufende FES-Schlitten, die den hauchdünnen Vorsprung von sieben Hundertstelsekunden zum Olympiasieg ins Ziel retteten.

Danach gab’s höchste Anerkennung von den Geschlagenen: „Ich kann nicht traurig sein, wenn ich tolle Läufe hatte, und sie von Mariama übertrumpft wurden. Sie verdient diese Medaille“, sagte Meyers Taylor nach ihrem dritten olympischen Edelmetall. „Ich habe ihre Entwicklung gesehen. Das ist sehr cool, wie sie das gemacht hat“, lobte die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries.

Und das Überraschungsduo selbst? Das war auch Stunden nach dem Gold-Coup noch völlig baff. „Wir können das noch gar nicht richtig glauben. Dass es unser erster Sieg überhaupt ist, macht das Ganze noch unwirklicher“, sagte Mariama Jamanka, Tochter eines Gambiers und einer Deutschen.

Schneider mit Fehlern

Allerdings hatten die Olympia-Debütantinnen auch vom Straucheln der Favoritinnen profitiert: Humphries, die ihren Olympia-Hattrick anpeilte, rettete sich nach Fahrfehlern am ersten Tag noch zu Bronze. Und Medaillenfavoritin Stephanie Schneider aus Oberbärenburg, haderte nicht nur mit einer Knöchelverletzung ihrer Anschieberin Annika Drazek, sondern auch mit
dicken Schnitzern. Jamanka/Buckwitz dagegen schienen schon am ersten Tag „eine Abkürzung gefunden“ zu haben, wie die 27 Jahre alte Jamanka feststellte.

Dabei war es nie das Vorhaben der Pilotinnen gewesen, sich gemeinsam in einen Frauenbob zu setzten. Nach dem Willen von Bundestrainer René Spies bildete Jamanka mit der vermeintlich schwächeren Anschieberin Buckwitz das Team „Deutschland II“. Welt- und Europameisterin Drazek war dafür vorgesehen, Schneider zu Gold zu schieben.

Doch offensichtlich ergänzte sich das aus Berlin stammende Duo besser als das Paar aus Oberbärenburg und Winterberg. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge“, bestätigte Jamanka hinterher. Und vielleicht sind es ja gerade die Parallelen, die sie in so kurzer Zeit so stark werden ließen: Beide wechselten vor viereinhalb Jahren von der Leichtathletik zum Schlittensport – unabhängig voneinander. „Wir haben tatsächlich zusammen angefangen, und jetzt stehen wir hier“, sagte eine immer noch fassungslose Lisa-Marie Buckwitz nach Mitternacht. Doch wenn die Chemie stimmt, dann können eben auch zwei Leichtathletinnen vier Jahre später gemeinsam Bobgeschichte schreiben.

Nigerias Schlitten abgeschlagenes Schlusslicht


Sie haben alles gegeben, und doch hat es nicht für den großen Coup gereicht: Das Bob-Team aus Nigeria mit Seun Adigun an den Lenkseilen landete und Anschieberin Akuoma Omeoga im olympischen Rennen der Frauen auf dem letzten Platz. Mit letztlich 7,15 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatten die Afrikanerinnen trotz zwei Jahre langen, intensiven Trainings nicht den Hauch einer Chance, den vorletzten Platz anzugreifen, auf dem die ähnliche exotischen

Jamaikanerinnen landeten. Pro Durchgang war Bob Nigeria etwa eineinhalb bis zwei Sekunden langsamer als die Top-Nationen.