Glückwunsch zum Deutschen Meistertitel  im Sprint und zu Silber in der Staffel. Hast du nach dem Einzel am ersten Tag noch dran geglaubt?

Sabrina Braun: Danke.  Ich wusste, dass ich es schaffen kann, aber ich habe ehrlich gesagt schon an mir gezweifelt. Ich habe meine Fehler mit den Trainern analysiert und danach habe ich einen Haken drangemacht und mich auf den Sprint fokussiert. Sprint war schon immer meine Stärke.

Du giltst als sichere Schützin. In dieser Saison hat das nicht immer funktioniert ...

Ich hatte die Sicherheit am Schießstand nicht, ich habe zu oft zu viele Scheiben stehen gelassen. Das hat mich noch mehr verunsichert. Beim Liegendschießen hat’s meistens daran gelegen, dass ich den Wind falsch eingeschätzt habe. Das ist schwierig. In jedem Schießstand ist der Wind anders. Mein Anschlag im Stehend war dieses Jahr zu wackelig, ich habe die Waffe öfters nicht ruhig halten können und unnötige Fehler gemacht. Aber ich habe aus dieser Saison gelernt. Ich muss mehr Stabilität ins Schießen reinbringen, dann kommt auch die Sicherheit wieder.

Fünf Fehler bei einem Schießen. Kostet das was?

Ja, das kostet einen Kuchen. Die Regel gibt es schon lange. Da freut sich auch jeder darauf.

Nach einer nahezu perfekten Saison 2016/17 war es nun eine mit Höhen und Tiefen. Wie war deine Gefühlslage zwischendurch?

Sehr unterschiedlich. Es ist schwer aus einem Tief rauszukommen, es kostet viel Kraft. Man weiß, dass man es drauf hat, aber es funktioniert einfach nicht.  Vieles funktioniert im Training fast perfekt und im Wettkampf nicht. Das frustriert. Aber die Höhen geben sehr viel Kraft und zeigen einem, dass man es kann und sich nicht immer hinterfragen sollte. Aber so etwas gehört dazu. Es kann nicht jede Saison so laufen wie die letzte. Aus dieser habe ich viel mehr gelernt. Der Sieg alleine zählt nicht.

Mareike, als Deutsche Meisterin im Sprint ist Sabrina deine Nachfolgerin. Ich nehme an, du gönnst es niemand mehr als ihr…

Mareike Braun: Ja, den Sprint habe ich letztes Jahr gewonnen. Natürlich gönne ich ihr das am meisten, vor allem nach dieser Saison, die nicht optimal für sie gelaufen ist. Da ist der Meistertitel im letzten Rennen die Belohnung für harte Arbeit. Ich bin sehr stolz, dass sie es noch geschafft hat.

Du konntest wegen einer Rückenverletzung gar nicht starten. Wie hält man die Motivation aufrecht?

Ich bin ab Mitte November ganz aus dem Training ausgestiegen. Am Anfang war es schwer, den anderen zu zuschauen, wenn sie ins Training gingen. Vor allem wenn es am Schneien war und das Winterfeeling gekommen ist. Ich wusste aber, wenn ich mich komplett auskuriere, kann ich am Ende der Saison noch ein paar Kilometer auf Ski machen. So hab ich meine Motivation beibehalten und nach Weihnachten langsam wieder angefangen. Die Motivation steigt von Training zu Training. Danke an alle, die mich während der Zeit unterstützt haben.

Wie geht’s dir jetzt?

Gut. Ich bin am Trainieren und habe keine Schmerzen mehr, das ist für mich das Wichtigste.

Sabrina, wie sehr hat die deine Schwester gefehlt?

Sabrina Braun: Sehr. Sie ist einfach meine zweite Hälfte. Sie hat mich am meisten aufgebaut, wenn ich ein Tief hatte, gerade in dieser Saison. Ihre Verletzung hat mir auch gezeigt, dass ein schlechter Wettkampf nicht schlimm ist. Gesundheit ist viel wichtiger. Ich bin froh, wenn Mareike nächste Saison wieder dabei ist.

Wie geht’s jetzt weiter?

Mareike Braun: Ich versuche so schnell wie möglich meinen Trainingsrückstand aufzuholen, dass ich wieder mit Sabrina zusammen angreifen kann.

Sabrina Braun: Im April wird bei mir das Training reduziert. Danach geht’s wieder los.

Jugendmeisterschaften in Willingen


Ergebnisse Groß war das Kontingent nicht, dass der DAV Ulm zu den deutschen Jugend-Meisterschaften nach Willingen schickte. Sabrina Braun landete im Einzel der Jugend 18/19 auf dem 13. Platz - zehn Fehler, davon fünf beim ersten Schießen, waren einfach zu viel. Es folgte ein grandioses Comeback mit Platz eins im Sprint und Silber in der Staffel. Auch für Lisa Kohler war es nach einer schwierigen Saison in ihrem ersten Jugend-Jahr ein versöhnlicher Abschluss: Sie wurde Neunte im Sprint der J16.