Monte Carlo Zum Trotz

Die US-Sprinter Justin Gatlin (rechts) und Dentarius Locke setzten beim Diamond League Meeting ihre Duftmarken. Foto: afp
Die US-Sprinter Justin Gatlin (rechts) und Dentarius Locke setzten beim Diamond League Meeting ihre Duftmarken. Foto: afp
SID/DPA 22.07.2013
Sieben Jahresweltbestmarken purzelten fünf Tage nach den Dopingskandalen um die Sprint-Stars Tyson Gay, Asafa Powell und Jerone Simpson beim Diamond-League-Meeting in Monte Carlo.

Justin Gatlin schickte die doppelte Kampfansage an Usain Bolt. "Ich bin bereit für die WM. 9,94 Sekunden bei Gegenwind sind nach einer Oberschenkelzerrung nicht schlecht", kommentierte der Athen-Olympiasieger sein 100-m-Rennen von Monte Carlo. Und zur Jahres-Weltbestzeit von 37,58 mit der 4x100-m-Staffel meinte der US-Schlussläufer an die Adresse von Seriensieger Jamaika gerichtet: "Wir können in Moskau Schaden anrichten."

Fünf Tage nach dem Dopingskandal um den 100-m-Weltranglistenersten Tyson Gay (USA), Ex-Weltrekordler Asafa Powell und Sherone Simpson (beide Jamaika) widersprach Gatlin der Befürchtung von Leichtathletik-Weltpräsident Lamine Diack, der erklärt hatte: "Das ist eine Katastrophe für unsere Sportart." Der nach dem 100-m-Olympiasieg 2004 in Athen vier Jahre wegen Dopings gesperrte 31-Jährige behauptete nach seinem Sieg über sieben Gegner, die 2013 ebenfalls schon unter zehn gesprintet waren: "Das wird der Glaubwürdigkeit der Leichtathletik nicht nachhaltig schaden." Die Stars der Szene brannten im Stade Louis II ein Feuerwerk an Glanzleistungen mit sieben Jahresweltbestmarken ab. Allen voran zwei Olympiasieger von London: Asbel Kiprop machte drei Wochen vor dem WM-Auftakt in Moskau (10. bis 18. August) als 1500-m-Sieger in 3:27,72 Minuten klar, dass ihm das nächste Gold kaum streitig zu machen ist. Der Kenianer ist nun Vierter der "ewigen" Weltrangliste, nur noch 1,72 Sekunden trennen ihn vom 15 Jahre alten Weltrekord des Marokkaners Hicham El Guerrouj.

Doch die eigentliche Sensation des Rennens war Mo Farah. Der britische Doppel-Olympiasieger über 5000 und 10 000 m steigerte auf der für ihn eigentlich zu kurzen Strecke den fast 16 Jahre alten Europarekord des Spaniers Fermin Cacho um 0,14 Sekunden auf 3:28,81. Für weitere Bestmarken sorgten Weltmeisterin Amantle Montsho (Botswana) in einem hochklassigen 400-m-Lauf in 49,33 Sekunden, Edwin Soi (Kenia) in 12:51,34 Minuten über 5000 m, die US-Frauen in 41,75 über 4x100 m sowie ein Werfer und ein Springer: Tschechiens Europameister Vitezslav Vesely beförderte den Speer auf 87,68 m, und Frankreichs Überflieger Renaud Lavillenie hatte nach dem Siegsprung über 5,96 m mit dem Stab drei gute Versuche bei 6,02 Meter.

Seine deutschen Rivalen strichen früh die Segel. Der Olympiazweite Björn Otto (Köln) kam als Dritter nicht über 5,70 m hinaus, und Raphael Holzdeppe (Zweibrücken), der in London Bronze gewonnen hatte, gehörte zu den fünf Athleten, die bei böigem Wind ihre Anfangshöhe (5,60) rissen. Enttäuschend schwach war mit 60,51 m als Diskus-Sechste die WM-Zweite Nadine Müller (Halle/Saale). Kroatiens Olympiasiegerin Sandra Perkovic brachte das Kunststück fertig, beim sechsten Diamond League-Start zum sechsten Mal zu siegen (65,30).

Der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel hat nach den jüngsten Enthüllungen die Kommerzialisierung des Profisports kritisiert. "Hochleistungssport ist Zirkus, ein eigenes Genre", sagte der Pharmakologe. Stars wie Usain Bolt sollten seiner Meinung nach bei nicht staatlich geförderten Veranstaltungen starten, bei denen er sogar nichts gegen eine Legalisierung von Doping einzuwenden hätte. Wenn solche Stars "unter ärztlicher Aufsicht verbotene Substanzen nehmen, finde ich die Dopingmittel-Freigabe machbar", sagte Sörgel.