Leeds Zum 17. und letzten Mal bei der Tour

Jens Voigt gilt in der Radsport-Szene als vorbildlicher Kämpfer. Am Samstag nimmt er zum letzten Mal bei der Frankreich-Rundfahrt teil.
Jens Voigt gilt in der Radsport-Szene als vorbildlicher Kämpfer. Am Samstag nimmt er zum letzten Mal bei der Frankreich-Rundfahrt teil. © Foto: dpa
SID 02.07.2014
Am kommenden Samstag steht der unverwüstliche Jens Voigt zum 17. und letzten Mal bei der Tour de France am Start. Der 42-Jährige war sich lange nicht sicher, ob er dort wirklich noch hingehört.

So kennt man Radsport-Altmeister Jens Voigt eigentlich überhaupt nicht: Der unverwüstliche Kämpfer gegen alle Prognosen und Widerstände ist unsicher. Unsicher, ob das alles richtig so ist, ob er zweieinhalb Monate vor seinem 43. Geburtstag tatsächlich noch zur Tour de France gehört, dem schwersten Radrennen, das es gibt. "Ich freue mich schon darauf", sagt Voigt, "aber ich habe auch eine gehörige Portion Bammel."

Der Mecklenburger wird am Samstag im englischen Leeds zum 17. und letzten Mal antreten, im Trikot der Trek-Mannschaft - so oder so. Vergangene Woche wurde Voigt nominiert, er schließt zu den Rekordstartern George Hincapie (USA) und Stuart OGrady (Australien) auf. Und wenn er schon mal da ist, dann möchte er "gut und heil nach Paris kommen und mit dem Wissen, ich habe meine Arbeit gemacht". Bis zum 27. Juli muss Voigt dafür durchhalten.

Dass es tatsächlich so kommt, daran zweifelt der zweimalige Etappensieger, der auch zweimal das Gelbe Trikot trug, ein wenig. Voigt spürt das Alter, er spürt, dass er nur mit großer Mühe noch mithalten kann, dass es lange dauerte, bis sein Körper das nötige Niveau erreicht hatte.

Am Saisonende ist deshalb auch endgültig Schluss. "Ich habe das nicht kommen sehen, ich habe lange nicht daran geglaubt, dass ich die Tour fahre", bekennt Voigt, und in der Tat hatte der Wahl-Berliner noch Ende Mai größte Skepsis geäußert. Doch dann kam das Criterium du Dauphine, eine der Generalproben für die Tour, und Voigt war plötzlich wieder am TV-Bildschirm zu sehen. Und zwar nicht als Anhängsel des rasenden Pelotons, sondern als dessen Rebell, der sich auflehnt, sich aufbäumt, sich gegen das Unvermeidliche sträubt - so wie all die Jahre, seit er 1998 erstmals bei einer Frankreich-Rundfahrt antrat. Und Voigt beeindruckte damit auch seine Teamchefs bei Trek.

Ein Plus war für ihn zudem, bisher noch nie enttäuscht zu haben, wenn die Große Schleife anstand. Seine Frau, verriet Voigt jetzt am Rande der deutschen Meisterschaft in Baunatal, hatte es geahnt und den Sommer mit den sechs Kindern, aber ohne Ehemann geplant: "Ihr war immer klar, dass es so kommt." Und nun? Ein Jens Voigt rollt doch nicht drei Wochen lang einfach nur mit. "Ich sehe mich als Mädchen für alles", meint er gewohnt bescheiden.

Also helfen, wo immer Hilfe gebraucht wird, vor allem dem Luxemburger Fränk Schleck, der sich bei seiner Rückkehr nach einjähriger Dopingsperre im Klassement vorn platzieren soll.

Und sonst? Keine Attacke? "Ob mein Körper Freiheiten nutzen kann, das ist die Frage", sagt Voigt. Er fühle sich, als sei er ein Ford Galaxy und würde an einem Formel-1-Rennen teilnehmen: "Da kann ich auch nicht sagen, ich will auf die Pole Position fahren."

Start in Leeds

Im Uhrzeigersinn Die 101. Tour de France startet am Samstag in Leeds in der englischen Grafschaft Yorkshire - so weit nördlich wie nie zuvor. Zum zweiten Mal in ihrer langen Geschichte stattet die "Große Schleife" der britischen Insel einen Besuch ab. Nach dem Grand Depart und insgesamt drei Etappen in Großbritannien setzt der Tour-Tross dann aufs französische Festland über. Die Frankreich-Rundfahrt führt diesmal wie in geraden Jahren üblich im Uhrzeigersinn über insgesamt 3663,5 Kilometer bis zum traditionellen Finale am 27. Juli auf den Champs Elysees in Paris. Es geht während der 21 Etappen zunächst durch die Vogesen, dann über die Alpen und danach über die gefürchteten Pyrenäen.

SWP