Silverstone Wow, eine Frau!

Hat gut lachen: Susie Wolff.
Hat gut lachen: Susie Wolff. © Foto: dpa
Silverstone / DPA 04.07.2014
Nach 22 Jahren wird erstmals wieder eine Frau einen Formel-1-Wagen während einer Trainingseinheit steuern. Susie Wolff ist nun an der Reihe.

Der glücklichste Tag im Privatleben von Susie Wolff liegt fast drei Jahre zurück. Im Oktober 2011 heiratete die schottische Rennfahrerin den heutigen Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Heute in Silverstone kommt ein bedeutendes Kapitel in der Sport-Vita der 31-Jährigen hinzu. Als erste Frau seit der überforderten Italienerin Giovanna Amati 1992 wird Wolff einen Formel-1-Wagen während einer Trainingseinheit steuern.

Hat die frühere DTM-Pilotin damit vielleicht sogar Chancen auf einen Platz als Stammfahrerin? Bröckelt die Männer-Bastion Formel 1? Die Frau aus Oban an der Westküste Schottlands bewertet ihren Einsatz im Wagen des Finnen Valtteri Bottas als wichtiges Signal. "Man muss zeigen, dass Frauen auf diesem Niveau mithalten können und damit Schranken öffnen", sagte Wolff, die mit Mädchennamen Stoddart hieß.

Einen Egotrip aus falschem Stolz auf dem Traditionskurs in Mittelengland muss niemand bei Williams befürchten. "Wenn ich auf der Strecke oder im Simulator keinen guten Job machen würde, wäre ich nicht mehr im Team", stellte sie klar.

Angespannt ist Wolff vor ihrem Debüt an einem Rennwochenende in der Formel 1 dennoch, nachdem sie im April 2012 Testfahrerin bei Williams geworden war. "Ich werde mein absolut Bestes geben", kündigte sie entschlossen an. "Wir werden auf jeden Fall eine Frau in die Startaufstellung bekommen", ist sich Förderin und Co-Teamchefin Claire Williams schon lange sicher. Wolff weiß, dass sie Leistung bringen muss. Als Marketing-Aktion würde sich die Rennfahrerin, die während der DTM-Zeit schon mal einen pinkfarbenen Mercedes fuhr, nur eine geringe Halbwertszeit geben. "Man muss Leistung bringen, um in diesem Team zu sein", meinte sie illusionsfrei.

Nach Silverstone steht für Wolff in zwei Wochen noch Hockenheim an, wo sie ebenfalls im Training ran soll. Ihr großer Traum ist ein Grand-Prix-Einsatz. Aber die Plätze sind rar. Talent ist die eine Sache, Sponsorenmitgift die andere. Einige Piloten ergattern mit den Alimenten ihrer Gönner ein Cockpit und finanzieren so angeschlagene Rennställe.

Auch das Sauber-Team ist nicht sorgenfrei. Bei den Schweizern gibt in Monisha Kaltenborn ein weiblicher Boss den Ton an. Und auch bei Sauber soll eine Frau als Pilotin in der Männer-Welt Formel 1 Fuß fassen. Simona de Silvestro lässt ihre IndyCar-Karriere ruhen und wird seit dieser Saison auf einen Einsatz in der Königsklasse des Motorsports vorbereitet. Ende des Jahres könnte es dann auch für die Schweizerin mit einem Trainingsstart soweit sein. "Der Motorsport ist nun mal eine Männer-Welt, das bin ich doch von klein auf gewohnt. Und ich fühle mich wohl in dieser Welt", sagte die 25-Jährige entspannt.

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