Turnen WM-Aus für Janine Berger nach Kreuzbandriss bei Turn-DM

Stuttgart / MANUELA HARANT 24.08.2014
Schock für Janine Berger: Bei der DM in Stuttgart zog sich die Ulmerin einen Kreuzbandriss zu und wird die Weltmeisterschaften verpassen. Der SSV 46 stellte bei der DM die meisten Turnerinnen.

Sie wollte ihre starke Form sechs Wochen vor der WM vor heimischer Kulisse bestätigen. Sie fühlte sich gut. Deshalb zeigte Janine Berger bei der Kunstturn-DM in Stuttgart ihren schwierigsten Sprung, den Tsukahara mit Doppelschraube. Doch dabei lief nichts wie geplant: Die Top-Athletin des SSV Ulm 1846 landete nicht sauber, knickte um. Janine Berger schrie vor Schmerzen, wurde sofort ins Krankenhaus gebracht – Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes. WM-Aus. Zukunft ungewiss.

Dabei hatte am Samstag noch alles so gut ausgesehen: Janine Berger präsentierte sich in glänzender Verfassung, turnte den kompletten Vierkampf durch und zog neben dem Sprungfinale auch in den Kampf um die Medaillen am Boden ein. Bundestrainerin Ulla Koch meinte, nachdem Janine Berger am Samstag den „Tsuki“ nur mit einfacher Schraube gezeigt hatte: „Sie braucht fürs Finale nicht aufstocken. Sie hat den Sprung, zwar mit etwas Unterstützung, ja schon in der 1. Quali gezeigt.“ Sechs Wochen vor der WM war Berger die größte deutsche Medaillenhoffnung.

Doch im Sprungfinale gestern zeigte Janine Berger schon beim Einturnen zweimal den Tsukahara mit zwei ganzen Schrauben – ohne Probleme. „Trotzdem haben wir Trainer ihr generell empfohlen, ihn nicht zu zeigen“, sagte Bergers Ulmer Trainer Gabor Szücs gestern nach der Diagnose. Die 18-Jährige wollte nach einem guten ersten Sprung wohl selbst nochmal einen draufsetzen – mit fatalen Folgen: Berger sprang nicht so hoch wie zuvor, kam noch mit gestreckten Beinen auf dem Boden auf und verdrehte sich das linke Knie. Bundestrainerin Ulla Koch reagierte ungehalten: „Als ich die Sprungnummer sah, habe ich gedacht, das darf nicht wahr sein. Ich dachte, dass gemacht wird, was ich sage.“

Dabei feierte der SSV Ulm 1846 am Samstag noch einen Riesenerfolg: Mit vier Turnerinnen – so viele Starterinnen stellte kein anderer Verein bei der DM – war das Leistungszentrum von der Donau in der Scharrena vertreten. Jannika Greber war trotz Rückenproblemen am Barren und Balken vertreten, Annika Göttler und Natalie Wolfgang hatten sich über die Baden-Württembergischen Meisterschaften für die DM im Mehrkampf vor mehr als 1000 Zuschauern qualifiziert.

Beste Ulmerin hinter Janine Berger, die im Mehrkampf Fünfte wurde, war Annika Göttler (Jahrgang 1996) auf Rang 16. Für sie wäre sogar eine Top-Ten-Platzierung möglich gewesen, doch mit Stürzen am Boden und Sprung kam sie nicht über 44,550 Punkte hinaus. An der beeindruckenden Kulisse in der voll besetzten Scharrena hat es ihrer Meinung aber nicht gelegen: „Wenn ich turne, höre ich gar nichts mehr“, sagte Annika Göttler.

Jannika Greber erwischte mit einer völlig verturnten Übung an ihrem vermeintlich stärksten Gerät, dem Stufenbarren, einen denkbar schlechten Start in die DM (8,550 Punkte). „Ich mache mir im Wettkampf immer viel zu viele Gedanken“, sagte die C-Kader-Athletin selbstkritisch. Am Schwebebalken hatte die 16-Jährige ihre Nerven dann besser im Griff und turnte mit 12,300 Punkten in die Top Ten.

So richtig zufrieden war nur Natalie Wolfgang (1996), die erwartungsgemäß mit dem Kampf um die Finalplätze nichts zu tun hatte und unter 22 Starterinnen auf dem 18. Platz landete: „Mein Ziel war es, den Wettkampf verletzungsfrei zu überstehen“, sagte die Ulmerin, die sich eigentlich schon länger einer Rücken-OP unterziehen muss: „Aber solange ich auf dem Niveau turnen kann, schiebe ich das noch ein bisschen vor mir her.“

Der schwere Sturz von Janine Berger vernichtete gestern dann jegliche Euphorie im Ulmer Lager. Das WM-Aus der Olympia-Vierten von London 2012 scheint besiegelt. Im April 2013 hatte Berger ebenfalls einen Bänderriss. Sie brauchte danach fast ein volles Jahr, um wieder zurückzukommen. Auch diesmal ist nach der OP erst einmal ein halbes Jahr Ruhe. Wie es mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio 2016 weitergeht, ist völlig offen.

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