London Wimbledon: Lisicki und Kerber ausgeschieden

Was war da nur los? Nach einem starken Beginn brach Sabine Lisicki gegen die Weltranglisten-Dritte Simona Halep völlig ein.
Was war da nur los? Nach einem starken Beginn brach Sabine Lisicki gegen die Weltranglisten-Dritte Simona Halep völlig ein. © Foto: afp
SID 03.07.2014
Kein deutsches Sommermärchen in Wimbledon: Die beiden Hoffnungsträgerinnen, Angelique Kerber und Sabine Lisicki, sind im Viertelfinale gescheitert. Beide mussten sich nach zwei Sätzen geschlagen geben.

Als Angelique Kerber am Morgen vor ihrem Viertelfinale in Wimbledon aufwachte, wusste sie, was sie am Tag zuvor geleistet hatte. Kerber fand keine Stelle an ihrem Körper, die nach dem Marathonmatch gegen Maria Scharapowa nicht schmerzte. Es hätte günstigere Voraussetzungen für ein Kräftemessen mit Eugenie Bouchard, einer Vertreterin der neuen Tennis-Generation, geben können - und so kam Kerbers 3:6, 4:6-Niederlage kaum überraschend.

Wenige Minuten zuvor hatte auch Vorjahresfinalistin Sabine Lisicki im All England Club ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Nach dem 4:1 im ersten Durchgang verlor die Rasenspezialistin aus Berlin gegen die French-Open-Finalistin Simona Halep erst den Faden, dann elf Spiele in Folge. Mit 4:6, 0:6 verabschiedete sich Lisicki aus ihrem Lieblingsturnier und mit ihr auch die Hoffnung auf ein weiteres deutsches Sommermärchen in Wimbledon. Das Halbfinale heute bestreiten nun die Tschechinnen Petra Kvitova und Lucie Safarova sowie Bouchard aus Kanada und Halep aus Rumänien. Bundestrainerin Barbara Rittner sagte enttäuscht: "Natürlich ist es im Endeffekt ein sehr gutes Wimbledon für uns gewesen. Doch es bestand durchaus Raum für mehr." Als Lisicki nach nur 57 Minuten und einer Lehrstunde der 22 Jahre jungen Halep den Centre Court verließ, war ihr das Lächeln gründlich vergangen. Zwar funktionierte der Aufschlag wieder - den 20 Doppelfehlern vom Vortag ließ sie nur noch drei weitere Folgen.

"Doch am Ende des Tages ist sie die Nummer drei der Weltrangliste, eine der besten Spielerinnen der vergangenen zwölf Monate und hat viel Selbstvertrauen", sagte Lisicki.

Die 24-Jährige, die nach katastrophalen Monaten in Wimbledon zurück in die Spur gefunden und erstmals seit einem Jahr wieder vier Matches nacheinander gewonnen hatte, strahlte zwar nicht mehr, versuchte jedoch das Positive der vergangenen zehn Tage zu sehen. Sie wolle nun ihr Rasenspiel auf den nordamerikanischen Hardcourts fortsetzen. Für Lisicki wirkte das Viertelfinale an der Church Road wie ein Befreiungsschlag, trotz der deutlichen Niederlage und trotz der verlorenen Punkte, die sie aus den Top 30 purzeln lassen.

Kerber bleibt unter den Top 10, wird aber wohl etwas länger als Lisicki brauchen, um die verpasste Chance von Wimbledon zu verarbeiten. Erstmals seit zwei Jahren überstand die 26-Jährige wieder das Achtelfinale bei einem der vier Grand Slams, kämpfte dabei Maria Scharapowa in 2:37 Stunden nieder und hatte gegen die sechs Jahre jüngere Bouchard schließlich nichts mehr zuzusetzen. "Die Ansetzungen von Montag waren unfair", sagte Bundestrainerin Rittner. Während Bouchard frei hatte, kämpfte sich Kerber gegen Scharapowa durch "das Spiel ihres Lebens" (Rittner).

Bulgare wirft Murray raus

Schock für die Nation William und seine Kate waren in den All England Club gekommen, um den Star des britischen Tennis gewinnen zu sehen. Doch der Bulgare Grigor Dimitrow beendete Andy Murrays Siegesserie nach 17 Erfolgen auf dem Heiligen Rasen mit 6:1, 7:6 (7:4), 6:2. Dimitrow trifft im ersten Halbfinale seiner Karriere morgen auf den topgesetzten Serben Novak Djokovic. Der Becker-Schützling steht zum fünften Mal in der Runde der Top Vier. Neun Mal schon erreichte das Semifinale Roger Federer. Morgen trifft der Schweizer auf Milos Raonic, der Nadal-Bezwinger Nick Kyrgios aus dem Turnier warf.