Para-WM Weltmeisterin? Für "eiskalte" Bensusan klingt das "unglaublich"

London / sid 18.07.2017

Irmgard Bensusan war komplett überwältigt, aber auch erstaunt. Immer wieder schaute die frischgebackene Para-Weltmeisterin über 400 m verblüfft auf den Becher Speiseeis mit der Aufschrift „Cookie Dough“ in ihrer rechten Hand. Ein Betreuer hatte Bensusan das Teil mit dem zuckersüßen Inhalt in der Mixed Zone des Londoner Olympiastadions in die Hand gedrückt.

Und er hatte die Wahl-Leverkusenerin dabei verschmitzt angelächelt. „Ich hatte eigentlich nach Eis für meinen Fuß gefragt. Aber das hier ist jetzt auch gut“, sagte die vor 26 Jahren in  Südafrika geborene Bensusan, die sich nach ihrem bislang größten Erfolg die schwarz-rot-goldene Flagge unter ihren Arm geklemmt hatte: „Ich bin stolz, sie hier tragen zu dürfen.“

Vor knapp vier Jahren hatte sie sich entschieden, in die ehemalige Heimat ihrer deutschen Mutter überzusiedeln. Nicht ganz freiwillig allerdings. Bensusan wollte sich den Traum von der Paralympics-Teilnahme 2016 in Rio de Janeiro erfüllen.

Schicksalshafte Sekunden

Das war in ihrem Geburtsland nicht möglich, nachdem sie nach einem fatalen Sturz in einem „Graubereich“ gelandet war. Bei den südafrikanischen Landesmeisterschaften vor acht Jahren war die damals 18-Jährige und Hochtalentierte an einer Hürde hängengeblieben und böse gefallen. „Ich habe mein Bein angeschaut und konnte nur noch schreien“, sagte Bensusan über die schicksalshaften Sekunden.

Die Diagnose: Teillähmung des rechten Unterschenkels mit Nervenschaden. Der Traum von einer Karriere als nichtbehinderte Athletin war geplatzt. Der südafrikanische Verband weigerte sich, sie als behindert anzuerkennen, in Deutschland wurde sie schließlich klassifiziert.