Stuttgart Wasserballer vor der Trainerfrage

Erfolg ist nicht genug: Obwohl Trainer Davorin Golubic (Mitte) mit dem SSV Esslingen im Play-off-Viertelfinale steht, muss er zum Saisonende gehen. Foto: Eibner
Erfolg ist nicht genug: Obwohl Trainer Davorin Golubic (Mitte) mit dem SSV Esslingen im Play-off-Viertelfinale steht, muss er zum Saisonende gehen. Foto: Eibner
HANS-PETER SICK 24.04.2013
Neben Titelaspirant Wasserfreunde Spandau 04 stehen der SV Cannstatt und der SSV Esslingen im Viertelfinale der Wasserball-Bundesliga. Beide Vereine sorgen bereits im Vorfeld für Schlagzeilen.

Mit dem Play-Off-Viertelfinale im Modus "Best of Three" ist die Saison in der Wasserball-Bundesliga in ihre entscheidende Phase getreten. Doch schon zuvor schlug wie eine Bombe die Nachricht ein, dass der Trainer des SV Cannstatt, Andras Feher, in der kommenden Saison nicht mehr am Beckenrand stehen wird. Als Nachfolger stehe das Cannstatter "Wasserball-Urgestein" Jürgen Rüdt (45) bereit, der das Team vor Andras Feher eine Saison lang schon einmal betreute.

"Ich bin müde und brauche eine neue Herausforderung", sagte der 58 Jahre alte gebürtige Ungar, der seit 2004 das Team betreut. "Ich habe alle Höhen und Tiefen durchgemacht, habe an vielen Fronten gekämpft." 2006 führte Feher den SVC zum Gewinn der deutschen Meisterschaft. Um gleich danach fürchterlich abzustürzen.

Rund 100 000 Euro fehlten damals, um eine erfolgreiche Mannschaft finanzieren zu können. Cannstatt zog sich aus der Bundesliga zurück und startete in der Regionalliga einen Neuanfang - mit Andras Feher. Jetzt klopft man wieder an die Tür der Spitzenklubs. Doch erneut droht man an den Finanzen zu scheitern. Dabei koste die Bundesliga "weit weniger als 100 000 Euro" sagt Andras Feher. Und der Hauptverein steuere dazu den geringsten Teil bei. Das meiste Geld kommt von Sponsoren.

"Die Mannschaft ist zu gut für ihre finanzielle Ausstattung", gibt deren Trainer zu bedenken. "Maximal Platz zehn bis zwölf wäre in den kommenden Jahren realistisch", so Andras Feher. Noch hat man alle Chancen auf das Halbfinale und die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Was weitere Kosten verursachen würde. Zumal sich der Verein keinen hauptamtlichen Trainer leisten kann. Der finanzielle Schuh drückt kräftig. Für rund 120 000 Euro muss die marode Technik im Vereinsbad an der Mombach-Quelle möglichst schnell saniert werden.

Beim SSV Esslingen fiel Davorin Golubic aus allen Wolken, als ihm der Verein eröffnete, dass sein Vertrag nach zwei Jahren am Neckar nicht verlängert wird. Dabei hatte der 36 Jahre alte Kroate zumindest in der Liga gute Arbeit verrichtet und die Mannschaft in die Gruppe der Top Acht für die kommende Saison zurück geführt. "Unser Wunsch war es, einen Cheftrainer als Gesamtkoordinator zu haben. Diese Vorgabe wurde nicht erfüllt", erklärte Gisbert Hausmann als geschäftsführender Vorstand des Vereins.

Trotz der Gewitterwolken am Wasserball-Himmel über dem Neckar zeigten sich beide Mannschaften am Wochenende in der ersten Play-off-Viertelfinalpartie von ihrer besten Seite. Beide Mannschaften spielten mit einer Ausnahmegenehmigung in Bädern mit einer kleineren Fläche - was zu heftiger Kritik der Gegner führte.

Die Wasserfreunde aus Spandau nannten das "Merkel"sche Hallenbad" in Esslingen liebevoll "Mutti"s Badewanne" in Anlehnung an die Namensgleichheit eines Esslinger Fabrikanten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Daneben drohte ein "Geisterspiel", da die dortige Tribüne mit nur einem Fluchtweg nicht mehr den aktuellen Sicherheitsbestimmungen entsprach. Kurzerhand wurde eine zweite, temporäre Treppe eingebaut.

Weniger diplomatisch war der SV Bayer Uerdingen, der Cannstatts Vereinsbad respektlos einen "Spucknapf" nannte und gar Einspruch gegen die Spielstätte eingelegt hatte. Dieser wurde aber abgelehnt. Das Spiel selbst stand lange auf des Messers Schneide. Am Ende siegten die Gastgeber mit 9:8 und haben damit alle Chancen, am Samstag in Krefeld den Halbfinaleinzug perfekt zu machen.

Esslingen zwang den Rekordmeister von der Spree fast sensationell in die Verlängerung, als es am Ende der regulären Spielzeit 13:13 stand. Allerdings musste sich der SSVE schließlich 13:16 geschlagen geben.

An ein "Wunder" am Wochenende an der Spree denkt man in Esslingen trotz dieses Coups nicht im geringsten. Schon eher beschäftigt man sich mit den folgenden Partien um die Plätze fünf bis acht. Sollte Cannstatt bei Uerdingen noch straucheln, würde es in der nächsten Runde ein Lokalderby am Neckar geben. Was dann erneut für Schlagzeilen sorgen dürfte.