Von Zungenspielen, prügelnden Fans und Ernie und Bert

ANDREAS EBERLE 24.02.2014
Bei der Kickboxveranstaltung am Samstag in der Ludwigsburger Rundsporthalle gab es auch allerhand Kurioses zu sehen und zu beobachten. Eine Auswahl an Anekdoten, die sich am und im Ring abspielten.

Provokant war der Auftritt von Pietro dAllesio bei seinem Boxkampf im Mittelgewicht gegen Anatoli Muratov: Der 36-jährige Solinger tänzelte vor seinem Gegner herum, streckte ihm immer wieder die Zunge raus und quittierte Treffer, die er kassierte, mit Gesten der Anerkennung. "So etwas sieht man selten", sagte Ringrichter Herbert Urich. "Wahrscheinlich will er dadurch den Gegner zu Fehlern verleiten oder ihn unsicher machen." Einmal habe er dAllesio fast ermahnt - aus Angst um dessen Gesundheit: "Die Zunge herauszustrecken, ist gefährlich. Wenn er in diesem Moment einen Schlag kassiert, hilft kein Mundschutz mehr." Letztlich ging dAllesios Verwirrtaktik aber nicht auf: Nach der vierten Runde musste er aufgeben.

Ungewöhnlich war das Outfit von Hallensprecher Michael Beretin: Der aus RTL 2 bekannte Marketing-Profi ("Rotlicht-Experten im Einsatz") trug zu Anzug und Krawatte knallrote Turnschuhe und einen ebenfalls roten Gürtel, auf dem groß Ernie und Bert abgebildet waren. Diesen hatte Beretin einst von den Machern der Sesamstraße zum 35. Geburtstag geschenkt bekommen. Denn zu früheren Zeiten hatte er einer Figur aus der Kinder-Fernsehserie die Stimme geliehen. "Bei solchen Boxveranstaltungen sehe ich auf den Gürteln oft Totenköpfe oder Designernamen wie Gucci. Ich gehe da in eine andere Richtung und bin für mehr Humor", sagte Beretin, der erstmals durch eine Boxveranstaltung führte und seinen Job, abgesehen von einigen kleineren Verwechslungen, exzellent erledigte.

Als Showact trat in einer Pause ein griechisches Heavy-Metal-Duo auf. Zum Metallica-Lied "Enter Sandman" schrabbten sie auf ihren E-Gitarren herum - ohne zu singen und wirklich zu spielen. Denn die Musik kam vom Band. Trotzdem gabs für die auf der Bühne rockenden Jungs vom Publikum nach ihrer "Darbietung" höflichen Applaus.

In züchtigen langen Kleidern kündigten Cindy, Jenny und Jana bei den Kämpfen die jeweilige Runde an - mit Plakaten, auf denen neben der Nummer auch Werbung für einen FKK-Saunaclub, einen der Sponsoren, prangte. Allerdings waren die hübschen Damen keine Abordnung aus besagtem Club, wie mancher Besucher mutmaßte, sondern Angestellte einer Promotionagentur.

In der letzten Runde des WM-Kampfs zwischen Konstantin Biegler und Zoran Stojakovic kam es in einer Ecke der Halle unter einzelnen Zuschauern zu Tumulten. Zwei rivalisierende Fangruppen lieferten sich eine Schlägerei. Einer der Rabauken schnappte sich sogar einen zwei Meter großen Holzfuß, mit dem er auf seine Widersacher losgehen wollte. Doch das Sicherheitspersonal, das in dieser angespannten Situation alle Hände voll zu tun hatte, hinderte ihn an seinem Vorhaben. Die Prügelei rief auch die Polizei auf den Plan. Doch als sie eintraf, war schon alles vorbei.

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