Skispringen Vierschanzentournee: Deutsche Skispringer noch nicht reif fürs Podest

Keine weiten Sprünge: Severin Freund denkt nach zwei verkorksten Stationen schon jetzt an die Vierschanzentournee vom nächsten Jahr.
Keine weiten Sprünge: Severin Freund denkt nach zwei verkorksten Stationen schon jetzt an die Vierschanzentournee vom nächsten Jahr. © Foto: Eibner
DPA/SID 03.01.2015
Nach zwei Lehrstunden haben die deutschen Skispringer eingesehen: Die Vierschanzentournee ist für Severin Freund und Co. noch eine Nummer zu groß.

Nicht einmal abseits der Schanze konnten sich die deutschen Skispringer nach dem Fehlstart ins neue Jahr den erhofften Spaß holen. Wegen Eismangels fiel der jährliche Ausflug zum Sponsorentermin eines Autoherstellers am Ruhetag der Vierschanzentournee aus, so dass den DSV-Athleten viel Zeit zum Grübeln blieb. Als sie schließlich nach Innsbruck aufbrachen, war eine bittere Erkenntnis mit an Bord: Für Severin Freund, Richard Freitag und Co. ist die Vierschanzentournee allen mutigen Ansagen zum Trotz noch immer eine Nummer zu groß.

"Man muss ganz nüchtern feststellen: Wir waren noch nicht so weit", sagte ein ernüchterter Bundestrainer Werner Schuster nach den Lehrstunden in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. "Bei besonderen Events scheint die Stressresistenz noch nicht gegeben zu sein, um das Ganze zu händeln. Für die Big Points sind sie noch nicht komplett genug." Die Zahlen sind in der Tat ernüchternd: Statt des erträumten ersten deutschen Tournee-Sieges seit 13 Jahren findet sich zur Halbzeit kein einziger DSV-Adler in den Top 10 der Gesamtwertung.

Dabei schienen die Voraussetzungen mit den Saisonsiegen von Severin Freund und Richard Freitag günstig wie nie. Noch vor einer Woche waren aus dem deutschen Team ganz andere Töne zu hören gewesen, der große Coup sollte endlich gelingen. "Ich denke, das war eine realistische Ansage. Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft ein Stück weiter ist", sagte Schuster. Doch am Ende erwiesen sich gerade Freund und Freitag als noch nicht reif genug. "Für den Alltagsgebrauch bei den Rentieren in Kuusamo reicht es, für die Tournee noch nicht", sagte Schuster.

"Severin und Richard haben schon einiges gewonnen. Aber für die Big Points muss man als Gesamtpersönlichkeit echt weit sein, um hier mal zehn, zwölf Tage lang im richtigen Moment die richtigen Sprünge abliefern zu können", sagte Schuster und sprach dann zum dritten Mal den Satz aus, den er eigentlich nie mehr sagen wollte: "Wir waren noch nicht soweit." Wenn die Tournee nicht zu einem Debakel werden soll, muss in Innsbruck und Bischofshofen die sportliche Wende her.

Erst dreimal seit der Wiedervereinigung schaffte es kein DSV-Springer im Tournee-Gesamtklassement unter die Top Ten. Als bester DSV-Starter belegt Freund zur Halbzeit den zwölften Platz. Sein Rückstand auf den führenden Österreicher Stefan Kraft ist mit fast 47 Punkten gewaltig. Um die Verunsicherung nicht noch größer zu machen, hebt Schuster aber lieber die positiven Möglichkeiten hervor: "Platz sechs in der Gesamtwertung ist noch machbar." Zu diesem Ziel fehlen Freund nur neun und Freitag elf Punkte.

Der Team-Olympiasieger wollte daher auch nicht über die verkorkste Tournee lamentieren. "Für uns sieht es natürlich etwas blöd aus. Aber wir haben noch zwei Chancen. Was noch nicht aufgegangen ist, wollen wir in Innsbruck besser machen. Vielleicht klappt es dort mit dem Podest", sagte Freund - und versprach für die Zukunft: "Bisher ist es bei der Tournee für mich noch nicht aufgegangen. Aber es ist auch nicht meine letzte. Ich werde es nächstes Jahr wieder versuchen."

Sturmwarnung in Innsbruck

Starkwind Das dritte Springen der 63. Vierschanzentournee am Sonntag (14 Uhr/ZDF und Eurosport) in Innsbruck ist wegen eines angekündigten Sturms in Gefahr. Die Meteorologen erwarten für den Bergisel starken Wind aus Nordwesten sowie heftigen Schneefall.

Anfällige Schanze Schon in der vergangenen Saison hatte ein Föhnsturm für Durcheinander in Innsbruck gesorgt, der Wettbewerb war vorzeitig abgebrochen worden. 2008 war das Springen sogar ganz ausgefallen, daraufhin wurden zwei Wettbewerbe in Bischofshofen durchgeführt. Für die Qualifikation am Samstag (14 Uhr/ZDF und Eurosport) sind die Prognosen etwas besser.