Jerez/Köln Vettel steht auf tiefe Nase

Sebastian Vettel will nicht mehr und nicht weniger als die erneute Titelverteidigung.
Sebastian Vettel will nicht mehr und nicht weniger als die erneute Titelverteidigung.
SID 07.02.2012
Mit einem kurzen Spot im Internet wurde gestern der neue Dienstwagen von Sebastian Vettel vorgestellt. Der zweimalige Weltmeister brennt schon auf die erste Fahrt und erneute Titelverteidigung.

Ein kleiner Nasenhöcker mit Luftlöchern, kaum Änderungen und noch kein sexy Name: Ganz unspektakulär ist gestern mit einem knapp 90-sekündigen Internet-Spot der neue Dienstwagen RB8 von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel vorgestellt worden. Details an Vettels noch namenloser "Lady" waren dort kaum erkennbar, doch eines scheint sicher: Nach dem überragenden Jahr 2011 setzt Red Bull von allen Teams am ehesten auf Altbewährtes. "Ein paar Dinge haben sich geändert. Aber es ist nicht so, als sei das ganze Auto neu", sagte Vettel, der sich im neuen Auto direkt zurechtfand: Er müsse keine Gebrauchsanweisung 1:1 durchlesen.

Nach der Winterpause brennt der zweimalige Weltmeister auf die erneute Titelverteidigung. "Darauf hat man den ganzen Winter gewartet", sagte er nach der Vorstellung im Red-Bull-Hauptquartier in Milton Keynes und schickte gleich auch einen spitzbübischen Gruß an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der eine erneute Red-Bull-Dominanz befürchtete: "Ich hoffe, dass seine Befürchtungen eintreten."

Einen Namen für sein neues Auto hat Vettel noch nicht gefunden. "Wir sind aber auf der Suche", sagte er: "Jegliche Bewerbungen sind willkommen. Letztes Jahr haben wir erst am Mittwoch vor dem ersten Rennen den Namen festgelegt. Ich glaube, dieses Jahr sollten wir etwas früher sein." Zuletzt hatten ihn "Luscious Liz" ("Leckere Liz") und "Kinky Kylie" ("Scharfe Kylie") zum Titel getragen.

Der RB8 trägt keinen so extremen Nasenhöcker wie die neue "rote Göttin" aus Maranello. "Unser Auto ist nicht so hässlich wie der Ferrari", hatte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko schon vorab verkündet. In eine ähnliche Richtung, aber nicht ganz so radikal wie die Scuderia, gingen auch Sauber und Lotus, die mit ihren neuen Kreationen C31 und E20 gestern in Jerez sogar schon auf die Strecke gingen. Bei Lotus feiert Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen sein Comeback im "schönsten hässlichen Auto", wie es Technikdirektor James Allison formulierte.

So richtig hübsch ist Vettels neue Freundin aber auch nicht. "Wir haben mehr oder weniger die gleiche Chassisform beibehalten. Aber man musste die Nase tiefer legen, sodass wir, ganz ähnlich wie die meisten anderen Teams, eine etwas hässlich aussehende Nase haben", sagte Red-Bull-Design-Guru Adrian Newey: "Wir haben versucht, das Aussehen so gut wie möglich zu stylen, aber man würde das Auto bei anderen Regeln natürlich nicht so designen." Markant sind die frontseitigen Lufteinlässe in den Höckern.

Die Ziele sind für Teamchef Christian Horner "ganz einfach. Wir wollen beide Titel in der gleichen Art und Weise verteidigen, wie wir sie 2011 gewonnen haben." Da aber der Vorteil des von Red Bull perfektionierten von Auspuffgasen angeblasenen Diffusors wegfällt, erwartet Vettel, dass "das ganze Feld ein bisschen näher zusammenrückt." Vettel wird erst am kommenden Donnerstag erstmals ins Auto steigen. Das Privileg der Jungfernfahrt mit dem neuen RB8 wird bei den ersten offiziellen Tests heute in Jerez Teamkollege Mark Webber genießen. Mercedes präsentiert den neuen Silberpfeil für Michael Schumacher und Nico Rosberg erst beim zweiten Test am 21. Februar in Barcelona. Die Formel-1-Saison beginnt am 18. März in Australien.