Ulm Ulmer Studentin Carina Conzelmann startet bei der Frisbee-WM

Noch trägt Carina Conzelmann beim Training das Trikot der Ulmtimates – in London tauscht sie es gegen das Nationaltrikot aus.
Noch trägt Carina Conzelmann beim Training das Trikot der Ulmtimates – in London tauscht sie es gegen das Nationaltrikot aus. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / EVA-MARIE MIHAI 09.07.2015
Ultimate Frisbee? Doch, das ist eine richtige Sportart – mit richtigen Regeln. Aber: Ohne Schiedsrichter. Carina Conzelmann aus Ulm ist im deutschen U-23-Team der Frauen und fährt nach London zur WM.
Gerade mal seit drei Jahren spielt Carina Conzelmann Ultimate Frisbee. Aber die 22-Jährige hat es weit gebracht in diesen drei Jahren: Als eine von 21 Deutschen fährt sie für das U-23-Team der Frauen zur Weltmeisterschaft nach London.

Die Frage, ob Frisbee-Werfen denn eine Sportart sei, ist sie längst gewohnt. „Fast keiner kennt Ultimate Frisbee“, sagt die Ulmer Studentin achselzuckend. Dabei ist es eine richtige Mannschaftssportart, ähnlich wie Football. Auf einem Feld, das etwa so lang wie ein Fußballfeld, aber nur halb so breit ist, versuchen jeweils sieben Feldspieler eine Frisbeescheibe ans Ende der gegnerischen Seite zu werfen.

Die Besonderheiten: Der Gegenspieler darf nicht berührt werden und – es wird ohne Schiedsrichter gespielt. Auch bei der WM wird kein Unparteiischer über den Spielverlauf wachen. Umso wichtiger ist deshalb „Spirit of the Game“, die erste Regel des Welt-Frisbeesport-Verbands, die Fairplay von den Spielern fordert. Die werde auch immer streng befolgt, erzählt Conzelmann. Sie selbst habe das nie anders erlebt. „Jeder ist ehrlich, weil man dasselbe vom anderen Team erwartet.“

Jeder Spieler zeigt die Fouls selbst an, zum Beispiel, wenn er vom Gegner angerempelt wurde. Er macht dann einen sogenannten „Call“. Sprich, er ruft laut „Foul“, „Pick“(Behinderung der Verteidigung) oder „Strip“ (Frisbee aus der Hand geschlagen). Dann zeigt der Spieler, der mit dem „Call“ das Spiel unterbrochen hat, die Stelle an, von der weitergespielt wird.

Diese Entscheidungen gehen natürlich nicht immer undiskutiert durch, sagt Conzelmann lächelnd. Schließlich handle es sich um einen Wettkampf. Für solche Fälle kann ein Spieler, der mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, einen „Contest“ verlangen. Das Frisbee wird einen Spielzug zurückgegeben und neu geworfen.

„Die Stimmung auf dem Spielfeld ist aber eigentlich immer total offen“, erzählt Conzelmann. Bei Wettkämpfen fände der Konkurrenzkampf nur auf dem Spielfeld statt, nie daneben. „Jeder kennt sich“, sagt Conzelmann. „Gerade weil wir Ultimater in der Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind, sind wir eine richtige Gemeinschaft.“

Bevor sie Teil dieser Gemeinschaft war, war Conzelmanns aktive Leichtathletin in Tübingen. Als sie 2012 in Ulm mit ihrem Biochemie-Studium begann, meldete sie sich beim Unisport an – für Ultimate Frisbee. „Ich wollte nach der Leichtathletik unbedingt einen Teamsport machen“, erzählt sie. Ultimate Frisbee kannte sie von früher – der Tübinger Trainer hatte es manchmal gespielt.

Schließlich sei sie vom Unisport zum VfB Ulm gewechselt und spielt seitdem für die „Ulmtimates“. Mit denen war sie auch auf der deutschen Meisterschaft im Januar, als sie von Helen Grosse-Brauckmann, einer anderen U-23-Spielerin und Mitorganisatorin des Teams, angesprochen wurde, ob sie zu den Sichtungslehrgängen kommen wolle. Sie wollte – und wurde dort prompt ins Nationalteam gewählt.

Nach zwei weiteren Trainingswochenenden fährt das Team jetzt nach London. Bundestrainer Marco Müller aus Bamberg wird die Mannschaft zur WM begleiten. Mit dem Bus geht es los, dreimal wird er in Deutschland anhalten, bis alle 21 Spielerinnen eingesammelt sind, die zum Start am 12. Juli in London sein müssen.

Ihre Chancen gegen die acht anderen Frauen-Mannschaften der U-23-WM sieht Conzelmann optimistisch. „Europaweit sind wir ganz vorn dabei.“ Weltweit? Da habe sie schon Respekt vor den erfahrenen Teams aus USA, Kanada, Kolumbien und Japan. An das Mannschaftsziel glaubt sie trotzdem: Das Halbfinale.