Barcelona Trotz Schlägen und Tritten: Weitere WM-Medaille für Lurz

Wie Schwimmen im Haifischbecken: Am Ende durfte sich Thomas Lurz nach den Keilereien im Mammutfeld dennoch über Silber freuen. Foto: dpa
Wie Schwimmen im Haifischbecken: Am Ende durfte sich Thomas Lurz nach den Keilereien im Mammutfeld dennoch über Silber freuen. Foto: dpa
DPA 23.07.2013
Dritter WM-Tag, dritte Medaille für den Deutschen Schwimm-Verband. Einen Tag nach dem Gold-Triumph der Turmspringer Patrick Hausding und Sascha Klein durfte Thomas Lurz zum zweiten Mal aufs Siegerpodest.

Routinier Thomas Lurz kassierte auf dem Weg zur nächsten Medaille Schläge und Tritte, WM-Debütant Oliver Homuth nach dem verpassten Coup einen lieb gemeinten Klaps vom Bundestrainer. Nach Bronze über die fünf Kilometer holte Rekordweltmeister Lurz über die doppelte Distanz Silber. Als der Erfolgsgarant Lurz im Hafen von Barcelona gerade als Zweiter angeschlagen hatte, schickte sich der 21-jährige Homuth an, die Wassersprung-Welt bei der Schwimm-WM zu überraschen.

Einen Tag nach dem "euphorisierenden" Gold von Sascha Klein und Patrick Hausding im Synchronspringen vom Turm führte der EM-Dritte die Konkurrenz vom Ein-Meter-Brett zur Halbzeit sogar an. Am Ende versagten die Nerven: Platz zehn - es gab einen tröstenden Kuss von Freundin Tina Punzel.

Nervenversagen kennt Lurz nicht. Der Routinier war nach dem Rennen von Striemen, Kratzern und blauen Flecken gezeichnet. Zu Beginn des nervenzehrenden Wettkampfs war er buchstäblich untergangen und fand sich nach Keilereien im Feld der 66 Teilnehmer im wie kochendes Wasser aussehenden Hafenbecken auf Platz 31 wieder. Mit großem Kämpferherz arbeitete sich der Olympia-Zweite fast noch ganz nach vorn - er schnappte sich sein 28. Edelmetall bei internationalen Großereignissen.

Fünf bis acht Medaillen sind das Ziel des Deutschen Schwimm-Verbandes bei den Titelkämpfen in Spanien - nach drei Wettkampftagen sind es schon drei. "Insgesamt sieht die Bilanz für die drei Sportarten Synchron, Open Water und Springen erstmal gut aus", kommentierte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow und hob erneut die Ausnahmeleistungen des schwer geprüften Lurz hervor.

"Es war ein sehr, sehr hartes Rennen, sicherlich eines der härtesten überhaupt", sagte der 33 Jahre alte Freiwasserschwimmer selbst. Stefan Lurz, Bundestrainer der Freiwasserschwimmer, lobte den Bruder in den höchsten Tönen. "Es war an der absoluten Grenze, was sein Körper hergegeben hat. Ich ziehe den Hut vor meinem Bruder, ich bin wirklich stolz", sagte Stefan Lurz: "Es war eines der besten und interessantesten Rennen, die der Thomas bisher geschwommen hat." Christian Reichert belegte einen guten neunten Platz.

Wohlwollende Worte gab es auch von Wassersprung-Bundestrainer Buschkow und zwar für die "jungen Burschen" Homuth (Platz 10) und Martin Wolfram (8.). Nachdem seine beiden Springer den Wettkampf auf einem Fernseher hinter den Kulissen zu Ende verfolgt hatten, wuschelte Buschkow väterlich tröstend Homuth durch die Haare. "Hast du Schiss vor ner Medaille gehabt?", meinte Buschkow mit gedämpfter Stimme, wohlwissend, welch vielversprechende Perspektive der 21-Jährige hat.

"Solche Fehler passieren. Er hat mit ein paar anderen Sprüngen auf sich aufmerksam gemacht, wer nach drei Durchgängen als Erster auf der Tabelle steht, zeigt, welches Potenzial er hat." Der Sieg im nicht-olympischen Wettbewerb ging an Chinas Titelverteidiger Li Shixin vor Europameister Illja Kwascha aus der Ukraine. Beim Synchron-Wettbewerb vom Turm holte sich China durch Liu Huixia und Chen Ruolin ebenfalls den Titel. Maria Kurjo und die angeschlagene Julia Stolle belegten den zwölften Platz. Gold im Synchronschwimmen ging in der Technischen Kür der Teams an Russland.

Homuth, der lange auf Medaillenkurs gelegen hatte, versuchte den missglückten letzten Sprung ("Ich bin mehr abgerutscht als abgesprungen") möglichst schnell abzuhaken. "Es ist so ein großer Ärger, dass ich ihn direkt runtergeschluckt habe. Mich kotzt es in Anführungsstrichen an, dass ich damit mein Finale so versaut hab", sagte der Berliner enttäuscht.

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