Skispringen Trotz guter Vorsätze suchen DSV-Adler noch den Erfolg bei der Tournee

"Angespannt von Kopf bis Fuß": Richard Freitag suchte den Spaß in Oberstdorf - und fand sich auf dem enttäuschenden 15. Rang wieder.
"Angespannt von Kopf bis Fuß": Richard Freitag suchte den Spaß in Oberstdorf - und fand sich auf dem enttäuschenden 15. Rang wieder. © Foto: dpa
MANUELA HARANT 31.12.2014
Den deutschen Skispringern haben die Nerven versagt. Dabei wollten Freund, Freitag und Co. endlich mal Spaß haben bei der Vierschanzentournee. Der Bundestrainer fand klare Worte für das Auftakt-Debakel.

Eigentlich wollte es Richard Freitag locker angehen. Nach seinen guten Vorleistungen mit dem Weltcupsieg in Engelberg und einer starken Qualifikation für das Auftaktspringen der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf wirkte der Sachse noch gelöst. "Ich will hier einfach möglichst viel Spaß haben und freue mich auf die Tage", sagte er nach seinem fünften Quali-Platz am Samstag. "Das Wichtigste ist, über die ganzen Tage die Lockerheit nicht zu verlieren. Das ist hier die Herausforderung. Und ich denke, die gehe ich diesmal ganz gut an." Seine Lockerheit wird nun, nach dem enttäuschenden Rang 15 zum Auftakt, auf eine harte Probe gestellt.

Die Wahrheit ist aber auch, dass sich der zum Saisonbeginn von Krankheiten gebeutelte Freitag selbst gar nicht in der Rolle des Geheimfavoriten sah, in die ihn die Öffentlichkeit nach dem Sieg bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg gedrängt hatte. "Ich sehe mich selbst nicht als Favorit und hätte lieber die Favoritenrolle für den Springer, mit dem meisten Spaß. Den versuche ich mir bestmöglich beizubehalten", sagte der 23-Jährige aus Aue.

Dennoch versagten ihm und seinen Teamkollegen die Nerven, die Folge war der schlechteste Tournee-Start seit 29 Jahren. Und von der Lockerheit war am Montag bei den deutschen Top-Springern plötzlich auch nichts mehr zu spüren: "Bei Severin war das tiefe Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht da. Richard Freitag war angespannt von Kopf bis Fuß. Es ist beiden Jungs nicht gelungen, die innere Balance herzustellen", sagte Schuster gestern. "Sie wollten es bestmöglich machen, aber es ist komplett nach hinten losgegangen."

Die Frage ist nun, wie Freund und Freitag die harsche Kritik von Bundestrainer Werner Schuster verarbeiten. Und die Boulevard-Presse schreibt schon von den deutschen "Schneehühnern". Eines scheint jedenfalls sicher: "Die Tournee-Gesamtwertung werden wir nicht mehr gewinnen", stellte Schuster enttäuscht fest. "Aber ich glaube nicht, dass wir bis Bischofshofen kein Erfolgserlebnis haben. Das lassen wir nicht auf uns sitzen", verkündete er kämpferisch.

Der schlechte Eindruck von Oberstdorf soll am besten schon morgen in Garmisch-Partenkirchen (14 Uhr/ARD und Eurosport) korrigiert werden. "Ein Tagessieg wäre definitiv ein Erfolgserlebnis. Zweiter wäre auch ganz gut, Dritter ist ebenfalls nicht schlecht. Das haben wir schon lange nicht mehr erreicht", will Schuster jetzt endlich Ergebnisse sehen. Und vielleicht hilft ja eine kleine Silvesterparty nach der Qualifikation Richard Freitag und Co., um Spaß und Lockerheit wiederzufinden.

Nummer43 erhält Ehrenplatz

Erinnerungsstück Auch wenn Tim Fuchs vom SC Degenfeld im Oberstdorfer K.o.-Duell gegen den späteren Sechsten Anders Fannemel keine Chance hatte, genoss der 17-Jährige seine Tournee-Premiere: "Es ist schon mal ein Riesenerfolg, dass ich die Quali von Oberstdorf geschafft habe, und es hat mir Riesenspaß gemacht, gegen den Weltcup-Führenden zu springen. Jetzt schauen wir mal, was in Garmisch so läuft", sagte der junge Schwabe. Die Startnummer 43 erhält einen besonderen Platz: "Die hänge ich mit Sicherheit irgendwo in meinem Zimmer auf."