Radsport Tour de France: Erste drei Etappen durch England

In den Vordergrund fahren will sich vom Start weg der britische Tour-de-France-Titelverteidiger Christopher Froome.
In den Vordergrund fahren will sich vom Start weg der britische Tour-de-France-Titelverteidiger Christopher Froome. © Foto: afp
TOM MUSTROPH 04.07.2014
Die 101. Tour de France, die am Samstag in Leeds startet, steht ganz im Zeichen der britischen Radsportmacht. Die goldene deutsche Sprintergeneration sagt Christopher Froome und Co. aber den Kampf an.

Frankreich hat bei der morgen beginnenden 101. Ausgabe seiner Landesrundfahrt recht wenig zu bestellen. Rennveranstalter Amaury Sports liefert weiter das organisatorische Knowhow. Die Musik wird aber in England gemacht. Yorkshire und London stemmen mit insgesamt 27 Millionen Pfund den teuersten Grand Depart aller Zeiten, bei dem je nach Optimismusgrad der Prognostiker eine, zwei oder auch drei Millionen Zuschauer erwartet werden.

Schon jetzt sind zahlreiche Häuser in Yorkshire zur Begrüßung der Tour in den Trikotfarben Gelb und Grün getüncht. Besonders Wagemutige haben das rote Punkt-Muster des Bergtrikots an der Fassade aufgetragen. Manche Pubbesitzer übersetzten zu Ehren des Gastevents von der anderen Kanalseite sogar den Namen ihres Etablissements ins Französische. Aus dem "Red Lion" wurde etwa "Le Lion Rouge".

Die Begeisterung ist von einem Überlegenheitsgefühl befeuert. Der britische Radsport befindet sich derzeit auf seinem Zenit. Team Sky ist das Maß aller Dinge und stellt mit Christopher Froome auch den Titelverteidiger. Sky leistet sich sogar, den vorletzten Toursieger Bradley Wiggins zu Hause zu lassen. Froome wehrt sich heftig gegen den Verdacht, bei der Ausbootung seines Vorgängers mitgewirkt zu haben. "Ich habe nichts mit der Nominierung der Mannschaft zu tun", sagte er in Yorkshire. Ob es klug war von Froome, einen potentiellen Rivalen auszuschalten oder übermütig, auf dessen noch immer starke Beine zu verzichten, wird sich im Dreikampf mit dem wieder erstarkten Spanier Alberto Contador und dem Vuelta- und Giro-Sieger Vincenzo Nibali erweisen. Zur aktuellen britischen Hochstimmung trägt Sprinter Mark Cavendish einen gewichtigen Teil bei. Er ist bei der ersten Etappe besonders motiviert. Im Zielort Harrogate wurde seine Mutter geboren. "Wenn ich in diesem Jahr unbedingt ein Rennen gewinnen will, dann ist es sicher dieses", kündigte er ambitioniert an.

Als Spaßbremsen für England könnten sich - wieder einmal - die Deutschen erweisen. Der aktuelle deutsche Meister André Greipel, der vierfache Etappengewinner der letzten Tour, Marcel Kittel, und Gent-Wevelgem-Sieger John Degenkolb sind allesamt scharf darauf, Etappensieg und Gelbes Trikot zu erobern. Für Greipel stellt dieses Double "einen Kindheitstraum" dar. Er möchte die seltene Gelegenheit nutzen. Marcel Kittel hat diesen "Kindheitstraum" für sich im letzten Jahr zwar schon realisieren können. Er hat aber nichts gegen eine Fortsetzung. Dies ausgerechnet auf dem Terrain von Dauerrivalen Cavendish zu erreichen, erhöht den Reiz.

Seinen Beitrag zu zwei tollen deutschen Auftakttagen will auch Paul Voß leisten. Der Tourdebütant vom Wild-Card-Team NetApp hat sich die mit neun Bergwertungen gespickte zweite Etappe am Sonntag für einen Ausreißversuch ausgeguckt. "Sie ist prädestiniert für das Bergtrikot", meinte der Rostocker. Ein ähnlicher Coup gelang ihm vor vier Jahren schon beim Giro. Damals war er für Milram unterwegs. NetApps Teilnahme stellt einen Schritt zurück zur Normalität für den deutschen Rennstall dar. Dass Teammanager Ralph Denk bereits jetzt den Hauptsponsor für die nächsten Jahre gewonnen hat, ist ein weiteres erfreuliches Zeichen.

Insgesamt geht die 101. Tour über 21 Etappen und 3 664 km. Sie führt neben Frankreich auch noch nach Belgien und Spanien. Insgesamt sechs Bergetappen und nur ein Zeitfahren machen den Gesamtparcours zu einem Tummelplatz für Kletterer wie Froome und Contador.