München Totalschaden für Sutil

Adrian Sutil nahm das Urteil äußerlich regungslos auf - ob der Gräfelfinger je wieder in der Formel 1 fahren wird, ist offen. Foto: dpa
Adrian Sutil nahm das Urteil äußerlich regungslos auf - ob der Gräfelfinger je wieder in der Formel 1 fahren wird, ist offen. Foto: dpa
SID 01.02.2012
Als das Urteil gesprochen wurde, nahm es Adrian Sutil völlig regungslos auf: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung, dazu 200 000 Euro Geldstrafe.

Die Disco-Affäre und ihre Folgen: Formel-1-Pilot Adrian Sutil steht vor einer ungewissen Zukunft - verurteilt und arbeitslos. Und er muss sich vorhalten lassen, nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben. "Das einzig Positive an der Verhandlung ist, dass ich mit Herrn Lux im Reinen bin. Wenigstens ist es jetzt erstmal vorbei", sagte Sutil gestern nach dem zweiten Prozesstag im Sitzungssaal B177 im Strafjustizgebäude an der Nymphenburger Straße in München.

"Vielleicht nehme ich eine Auszeit, vielleicht mache ich etwas ganz anderes - erst einmal in Ruhe nachdenken", sagte Sutil, der nach dem Abschied von Force India ohne Vertrag für die Saison 2012 ist und sich selbst als arbeitslos bezeichnete. "Es tut mir alles wahnsinnig leid. In diesem Moment habe ich nicht gewusst, nicht bedacht, dass ich ein Glas in der Hand hatte. Es ist ein Vorfall, den ich bereue. Er wird mir bestimmt eine Lehre sein", hatte er in seinem Schlusswort vor der Urteilsfindung noch gesagt.

Richterin Christiane Thiemann befand den 29-Jährigen der gefährlichen Körperverletzung für schuldig, weil er in der Nacht vom 17. auf den 18. April 2011 in einer Disco in Shanghai den luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux mit einem Glas am Hals verletzt hatte.

Nach dem Vorfall hatte der Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Rennstalls Sutils Entschuldigungsversuche zunächst abgeblockt - was die Richterin als nachvollziehbar bezeichnete - und hohe Forderungen für eine mögliche gütliche Einigung gestellt. Richterin Thiemann erklärte, dass Sutils aktuelle Situation und sein zuvor tadelloses Verhalten strafmildernd berücksichtigt wurden; auch das Urteil habe wohl "gravierende berufliche Konsequenzen" für Sutil, sagte sie und bezeichnete die Strafe als "ausreichend beeindruckend".

Sutil hat eine Woche Zeit, in Berufung zu gehen. Sein Anwalt Jürgen Wessing, Deutschlands Strafverteidiger des Jahres 2010, meinte, dass diese Möglichkeit in Ruhe geprüft werde.