Wer würde das heute noch glauben? 1999 war Dreispringer Charles Friedek, inzwischen Bundestrainer, der erste dunkelhäutige Athlet, der einen Weltmeister-Titel für das deutsche Leichathletik-Team gewonnen hat. Heute ist die Multi-Kulti-Mannschaft, beispielsweise auch in der Nationalelf, kein großes Thema mehr - die Zuwanderungsdebatte macht es jedoch wieder aktuell. In Peking haben am Donnerstag zwei junge Sportlerinnen aus Baden-Württemberg den Sprung ins WM-Finale geschafft, die sichtbar nicht nur deutsche Wurzeln haben: Malaika Mihambo und Marie-Laurence Jungfleisch. Während die 25 Jahre alte Sosthene Moguenara, die in der Stadt Sarh im Tschad geboren ist, in der Weitsprung-Qualifikation scheiterte, kam die U-23-Europameisterin Mihambo souverän weiter.

Die 21-Jährige von der LG Kurpfalz schaffte gleich im ersten Durchgang die persönliche Saisonbestleistung von 6,84 Metern und blieb als Drittbeste des gesamten Feldes neun Zentimeter über den 6,75 Metern, die gefordert waren für den direkten Einzug in den Endkampf der besten Zwölf am Freitag(13.50 MESZ Uhr/ZDF).

Malaika Mihambo ist in Heidelberg geboren, ihr Vater stammt von der Insel Sansibar, die zum ostafrikanischen Tansania gehört. Die Mutter ist Deutsche - genau wie bei Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch (LAV Tübingen). Ihr Vater kommt aus Martinique in der Karibik, sie selbst ist in Paris geboren, dann in Freiburg aufgewachsen.

In der Qualifikation reichten ihr die locker flockig überquerten 1,92 Meter, um ihr zweites WM-Finale nach 2013 in Moskau zu erreichen. Es wird am Samstag (12.30 Uhr MESZ/ARD) ausgetragen. "Ich will es auf jeden Fall ruhiger angehen lassen als in Moskau", sagt die in Stuttgart lebende Sportsoldatin mit Blick aufs Finale 2015. Vor zwei Jahren war sie bereits an der Einstiegshöhe von 1,89 gescheitert. Das soll nicht wieder so schieflaufen. Nichts passiert ist zum Glück beim Hüpfer von der Matte nach dem ersten Sprung am Donnerstag. Der rechte Fuß knickte leicht um. "Ich war wie immer ein bisschen müde im Kopf", sagt Marie-Laurence Jungfleisch, 24, über diese Art von morgendlichen Wettkämpfen. Die Schrecksekunde machte auf jeden Fall ein bisschen wacher.

Dass sie "Mulattin" ist, wie sie selbst sagt, "darüber bin ich heute froh. Das ist beim Sport überhaupt kein Thema. Es gibt eine Menge dunkelhäutiger Athleten, die Wettkämpfe sind international". Hänseleien habe es zu Schulzeiten gegeben. Damals habe ihr das zu schaffen gemacht. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, der seine Abstammung nicht kennt und von deutschen Eltern adoptiert wurde, hat dazu gesagt: "Natürlich trifft man immer dumme Leute, aber im Grunde genommen habe ich immer Glück gehabt."

Cheick-Idriss Gonschinska, 47, ist Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Er ist zu DDR-Zeiten in Leipzig geboren, seine Mutter stammt aus der sächsischen Stadt, sein Vater kam als Student aus Mali. In der Schulzeit war Gonschinska der einzige, der eine andere Hautfarbe hatte. Heute steht gerade er ganz persönlich für das, was in der deutschen WM-Mannschaft mit den Erfolg ausmacht: Teamgeist und Toleranz.