Tischtennis Tischtennis in der Krise: Das große Fracksausen

Aleksandar Karakasevic und der SV Plüderhausen: Fraglich, ob diese Kombination erstklassig bleibt.
Aleksandar Karakasevic und der SV Plüderhausen: Fraglich, ob diese Kombination erstklassig bleibt. © Foto: Eibner
Plüderhausen / GEROLD KNEHR 20.03.2013
Provinzvereine haben es in der Tischtennis-Bundesliga immer schwerer. Auch in der Tischtennis-Hochburg Württemberg. Der SV Plüderhausen kämpft ums Überleben. Und dabei entscheiden nicht die Punkte, sondern die Finanzen.

Württemberg ist eine Tischtennis-Hochburg. Gleich drei Vereine "hausen" in der ersten Bundesliga. Ochsenhausen, Frickenhausen, Plüderhausen - so lautet seit Jahren der schwäbische Erstliga-Dreiklang. Doch in den Hinterköpfen spielt noch ein vierter Geselle mit: ein Gefühl namens Fracksausen.

Während es für die TTF Ochsenhausen derzeit sportlich optimal läuft - die Oberschwaben liegen vor Rekordmeister Borussia Düsseldorf auf Platz eins der Tabelle - , sind der TTC Frickenhausen und der SV Plüderhausen am anderen Ende zu finden - ganz hinten. Aber es ist nicht das Abstiegsgespenst, das beide umtreibt. Hanau hat schon vor dem Saisonstart zurückgezogen, Ruhrstadt Herne stellte am 20. Dezember aus finanziellen Gründen den Spielbetrieb ein. In der auf zehn Vereine konzipierten Bundesliga sind nur noch acht Teams dabei, so dass es keinen sportlichen Absteiger gibt.

Stattdessen plagen die Vereine ganz andere Albträume: wie die Liga finanzieren? Beim SV Plüderhausen ist der Zuschauerschnitt in dieser Saison auf 248 gefallen, in Frickenhausen hat nur das Düsseldorfer Gastspiel, das 1300 Zuschauer verfolgten, den Schnitt auf 513 Fans angehoben - und das, obwohl die Liga mit Stars gespickt ist. Von den Top-70-Spielern der Tischtennis-Weltrangliste verdienen 16 einen Teil ihres Lebensunterhaltes in der Bundesliga. An den Platten stehen Weltklasse-Leute, das Umfeld jedoch ist provinziell.

"Als wir vor 13 Jahren aufgestiegen sind, war das für unser Umfeld das Größte", sagt Ulrich Engele, Pressesprecher des SV Plüderhausen. Früher war man stolz, wenn der lokale Held eines kleinen Vereins in der stärksten Liga der Welt einen ausländischen Spitzenspieler geschlagen hat. Heute fehlt oftmals diese Identifikation. Für kleine Vereine wird es immer schwieriger, im Profibereich mitzuhalten.

Berichte, denen zu Folge sich der SV Plüderhausen am Saisonende aus der Bundesliga zurückziehen werde, weist Engele zurück. Er gibt aber zu, dass der Verein "schwer am Kämpfen" ist. Manager Helmuth Klein hat diesen Kampf bereits auf und die Verantwortung für die erste Mannschaft zurückgegeben. Engele versucht noch, bis zum 2. April die Mittel für eine weitere Erstligasaison zu requirieren. "Aber Tischtennis ist halt nicht Fußball", weiß er, wie schwer das werden wird. So bleibt offen, ob das verbliebene Häufchen der SV-Fans ihren Liebling Aleksandar Karakasevic noch einmal erstklassig für ihr Team spielen sehen. Der 37-jährige Publikumsliebling fällt nach einem Achillessehnen-Riss fünf Monate aus.

In der Damen-Bundesliga ist die Lage noch komplizierter. Keine Fernsehübertragungen, kaum Sponsoren und wenige Zuschauer - dies macht das Überleben nahezu unmöglich. Mit dem Dauermeister FSV Kroppach und dem Tabellenzweiten TTSV Saarlouis-Fraulautern haben sich die beiden führenden Vereine für die kommende Saison abgemeldet. Die Zeit für die Klubs aus kleinen Städten, die vom Engagement ihrer oft ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter leben, scheint zu Ende zu gehen.

Der Deutsche Tischtennis Bund scheint angesichts dieser Entwicklung gespalten. Die eine Seite um Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig will mit einer  Ligareform  den Sport, den so viele selbst praktizieren, professionalisieren. Andere halten die vielen unterschiedlichen Spielsysteme in den einzelnen Ligen, welche die Reform mit sich bringt, für kontraproduktiv und für die potenziellen Zuschauer nicht vermittelbar.