Asselfingen SV Asselfingen: Kleiner Verein, großartige Weitspringerin

Im Trikot des SV Asselfingen Deutsche Meisterin: Ursula Wittmann. Foto: Archiv
Im Trikot des SV Asselfingen Deutsche Meisterin: Ursula Wittmann. Foto: Archiv
Asselfingen / WOLFGANG SCHEERER 05.09.2013
Der SV Asselfingen. Ein rühriger kleiner Verein mit Fußball-, Turn-, Reit- und Leichtathletik-Abteilung. Aber er hat eine Deutsche Meisterin hervorgebracht: die Weitspringerin Ulla Wittmann.

Yoga, Wirbelsäulengymnastik Aerobic. Ursula Trumpf sagt über sich: "Ich brauche das, ich bin ein Bewegungstyp." Das war sie immer schon, obwohl ganz speziell der Weitsprung mit 69 Jahren verzichtbar geworden ist. "Wenn ich heute daran denke, tut mir alles weh", sagt sie und lacht. Diese Disziplin war ihr Ding.

Damit wurde sie unter ihrem Mädchennamen bekannt: "Ulla Wittmann ist deutsche Junioren-Meisterin", schrieb die Schwäbische Donau Zeitung (SDZ) Anfang September 1963 über die junge Leichtathletin. Das war erst der Beginn. Mit 5,82 Metern holte sie nicht nur den Titel, sondern stellte auch württembergischen Jugend-Rekord auf.

Ulla wer? Das fragte man sich in der Szene. Außerdem startete Ursula Wittmann für einen Verein, den ebenfalls keiner kannte. "Wasseralfingen stand manchmal auf den Ergebnislisten. Oder Wasserasselfingen", erzählt Ursula Trumpf schmunzelnd. "Und manchmal tatsächlich SV Asselfingen."

Der 1948 gegründete Dorfklub nahe Langenau war ihr Verein. Eine Aschenbahn gab es nicht im Stadion, aber eine Weitsprunggrube mit grasbewachsenem Anlauf. "Ich war schnell, hatte Talent und übte am Anfang oft allein für mich", sagt die spätere Sport- und Musiklehrerin. Bei den Bundesjugendspielen war sie erstmals aufgefallen. Und im Lauf der Zeit kam Ulla Wittmann dann sogar zum Training nach Ulm. Elle Freudenberger, die spätere Abteilungsleiterin, erzählt: "Wir kletterten manchmal über den Zaun, um öfter im Stadion trainieren zu können. Denn am Anfang durfte man das nur einmal in der Woche."

Sie war es auch gewesen, die Ulla Wittmann dann überredete, doch einmal mitzukommen zu den württembergischen Meisterschaften der B-Jugend. Und da staunte die Konkurrenz.

Später wurde dann drei- bis viermal in der Woche trainiert, und Ulla Wittmann wechselte offiziell vom SV Asselfingen zur TSG Ulm 46: "Ich fuhr nach Dienstschluss von meiner ersten Arbeitsstelle als Versandleiterin in Langenau mit dem Zug nach Ulm, trainierte etwa anderthalb Stunden, fuhr wieder heim und war gegen 21.30 Uhr zu Hause." Mit dem heutigen Pensum von Leistungssportlern sei das natürlich nicht zu vergleichen. Dennoch sprang Ulla Wittmann von Erfolg zu Erfolg. Der größte: 1965, noch im Trikot des SV Asselfingen, wurde sie in Duisburg Deutsche Meisterin. Sie bezwang mit 6,36 Metern Heide Rosendahl, die zwei Jahre danach zur Serien-Siegerin im Weitsprung avancieren und 1972 Olympia-Gold holen sollte. Und sie schlug Favoritin Helga Hoffmann, die in ihrer Karriere allein fünfmal den deutschen Rekord verbesserte. "Helga war 1965 die Weitspringerin schlechthin, ich die Außenseiterin", sagt Ursula Trumpf, die heute mit ihrem Ehemann Dietmar, einem Langenauer, in Bargau bei Schwäbisch Gmünd lebt, wo sie noch viele Jahre Leichtathletik-Übungsleiterin war.

Die 6,36 sollten ihre Bestweite bleiben. Und bis heute sind ihre späteren 6,32 der Vereinsrekord beim SSV Ulm 1846. Nicht nur national, auch international war sie damit auf dem Sprung. 1966 durfte sie zur Europameisterschaft nach Budapest mitfahren, landete in der Qualifikation auf Platz 13 und verpasste damit den Endkampf der besten Zwölf. "Dass auch Ingrid Mickler-Becker in der Quali rausflog, hat mich dann aber etwas beruhigt", sagt Ursula Trumpf über eine weitere Große. Bitterer war da schon die verpasste Olympia-Teilnahme 1968. "Ich war für Mexiko nominiert. Doch dann erlitt ich im Mai beim Istaf im Berliner Olympiastadion einen Muskelfaserriss. Das wars, es haute einfach nicht mehr hin bis zu den Sommerspielen."

Wiederholt hatte sie danach Probleme mit ähnlichen Verletzungen, Schmerzen an der Achillessehne kamen dazu. Bei der DM 1973 wurde Ulla Wittmann, die nach ihrer ersten Heirat Künzel hieß, noch mal Sechste. Danach gewann sie mehrere Senioren-Titel - und blieb bis heute in Schwung. Das geht gut ohne große Sprünge. Schmerzfrei.

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