Skispringen Sturz überschattet Teamspringen

Verhaltenes Lächeln: Katharina Althaus freute sich verhalten über ihr Topergebnis im Teamspringen.
Verhaltenes Lächeln: Katharina Althaus freute sich verhalten über ihr Topergebnis im Teamspringen. © Foto: Imago
Manuela Harant 18.12.2017
Ein böser Sturz überschattet in Hinterzarten den ersten Team-Weltcup der Damen.

Als Katharina Althaus im „Tiefschnee“ von Hinterzarten sicher gelandet war, lief die Oberstdorferin direkt zu ihren Skisprung-Kolleginnen und fiel ihnen in die Arme. Die Tränen, die die Erfolgsmannschaft so oft aus Siegfreude vergossen hatte, resultierten diesmal aus Sorge und Enttäuschung. Im ersten Teamweltcup der Geschichte war kurz zuvor die Lokalmatadorin Svenja Würth vom SV Baiersbronn gestürzt und mit dem Rücken an die Außenbegrenzung des Aufsprunghügels gekracht. Noch wusste niemand, dass sich die 24-Jährige keine Wirbelsäulenschäden, sondern „nur“ eine Knieverletzung zugezogen hat. „Sicher ist, dass was am Knie kaputt gegangen ist“, sagte Bundestrainer Andreas Bauer. Näheres sollen Untersuchungen in den kommenden Tagen ergeben.

Damit war nicht nur das realistische Ziel, die Weltpremiere an der Adlerschanze zu gewinnen, dahin, sondern auch all die Vorfreude, die das deutsche Team um die Degenfelder Olympiasiegerin Carina Vogt versprüht hatte. Schlussspringerin Katharina Althaus, aktuell Führende im Gesamtweltcup, rang auch nach Wettkampfende noch nach Fassung. „Ich habe es natürlich oben mitbekommen. Aber man versucht dann trotzdem, sich zusammenzureißen und auf sich zu konzentrieren“, erklärte die 21-Jährige hinterher, wie sie trotz des Schockerlebnisses noch Topweiten von 106 und 106,5 Meter springen konnte.

Genau hier sah der Bundestrainer auch Grund zur Kritik. „In Anbetracht der Umstände hätte man auf gar keinen Fall so weit springen lassen dürfen“, beklagte Bauer. Auf dem ohnehin schwierigen Hang in Hinterzarten hatte starker Schneefall für Unebenheiten und einen stumpfen Untergrund gesorgt. Mehr als eine Handvoll Springerinnen stürzte, viele konnten sich nur mit Mühe retten.

Dennoch bedeutete der erste Teamwettkampf seit der Weltcup-Premiere im Damenskispringen 2011 einen historischen Tag. „Wir haben elf Nationen an den Start gebracht – eine Anzahl, die uns die Fis vielleicht gar nicht zugetraut hat“, sagte Carina Vogt nach dem Sieg Japans vor Russland und Frankreich stolz in Richtung Ski-Weltverband.

Vogt kommt schwer rein

Die Olympiasiegerin hatte mit der Adlerschanze so ihre Probleme, konnte sich aber über die insgesamt drei Wettkampftage steigern und landete schließlich im Einzelspringen am Sonntag auf Rang sechs. Zweite beim Sieg der Norwegerin Maren Lundby wurde Katharina Althaus, Überraschungs-Vierte Lokalmatadorin Ramona Straub. Alle Deutschen hatten jedoch eines gemeinsam: Auf den Handflächen ihrer Handschuhe stand „Gute Besserung Svenja“ geschrieben. Auch dieser Zusammenhalt zeichnet das Team Deutschland aus.

Jury gibt die Anlauflänge vor

Die Hillsize einer Schanze – in Hinterzarten 108 Meter – beschreibt den Punkt, an dem der Hang flacher wird und es damit schwieriger wird zu landen. Je flacher der Hang, desto höhere Kräfte wirken auf den Körper bei der Landung. Daher orientiert sich die Jury bei der Wahl des Anlaufs an dieser Weite und gibt diesen je nach Springerin und Bedingungen vor. Zusätzlich können die Trainer den Anlauf ihrer Athletin individuell verkürzen – und erhalten dafür Extra-Punkte.