Leichtathletik-EM Sturmlauf zur Silbermedaille

Berlin / Wolfgang Scheerer 08.08.2018

Sie ist erst 21 Jahre alt und hat das Zeug zum Sprintstar der Zukunft: Gina Lückenkemper stürmte gestern Abend vor rund 26 000 begeisterten Zuschauern im Berliner Olympiastadion zur ersten deutschen Medaille bei der Heim-EM. Nur wenige Minuten später gab es Kugelstoß-Bronze durch Titelverteidiger David Storl (Leipzig).

Nur die britische Favoritin Dina Ascher-Smith (10,85 Sekunden) war im 100-Meter-Endlauf schneller als die für Bayer Leverkusen startende Lückenkemper, die wie schon im Halbfinale  erneut in 10,98 Sekunden bis auf drei Hundertstel an ihre Bestzeit heranlief. Freudentränen kullerten im Ziel. Titelverteidigerin Dafne Schippers aus den Niederlanden musste sich in 10,99 mit Bronze begnügen. Mehr als Platz drei war auch für Storl nicht drin, der seine 21,41 Meter schon im ersten Versuch stieß. Danach ging nichts mehr. Gold und Silber machten zwei Polen unter sich aus: Michal Haratyk (21,72) gewann vor Konrad Bukowiecki (21,66). Da war Gina Lückenkemper gerade auf der Ehrenrunde. „Ich habe jede Sekunde genossen, einfach herrlich“, rief sie ins Mikrofon.

Auch im 100-Meter-Finale der Männer ohne deutsche Beteiligung war Gold in britischer Hand:  Zharnel Hughes (9,95) siegte in Abwesenheit des Franzosen Jimmy Vicault. Der große Favorit war Halbfinal-Schnellster (9,97), konnte aber wegen Oberschenkelproblemen nicht mehr starten.

Schwere Runden waren es gestern für Richard Ringer vom VfB Friedrichshafen. Europas Saisonbester gab im schnell angegangene 10 000-Meter-Rennen acht Runden vor dem Ende auf. Hohe Temperaturen und die Folgen einer Fiebergrippe, die kürzlich zur DM-Absage zwangen, forderten ihren Tribut: „Ich war platt, die Beine sind schwer“, sagte der 29-Jährige enttäuscht. „Ziel war eine Medaille. Es war klar, dass das nicht reicht.“ Ob damit auch der geplante zweite Start über 5000 Meter geplatzt ist, muss Ringer jetzt entscheiden. Gold gestern Abend holte der Franzose Morad Amdouni in 28:11,22 Sekunden.

Heute geht Ausnahmetalent Alina Reh auf die 25 Runden und feiert EM-Premiere. Gelingt der 21-Jährigen vom SSV Ulm 1846 eine Überraschung? Sie ist Nummer sechs der europäischen Jahresbestenliste. Doch eine Prognose ist schwierig,  weil einige sehr starke Läuferinnen wie Titelverteidigerin Yasemin Can (Türkei) und Meraf Bahta (Schweden) in dieser Saison noch keine 10 000 Meter gelaufen sind. Einen Coup im Stabhochsprung hat Alina Rehs Ulmer Klubkollegin Stefanie Dauber klar verpasst. Für die 31-Jährige, ebenfalls EM-Debütantin, war in der Qualifikation nach 4,00 Metern schon bei 4,20 Schluss ­– nach 4,45 und Platz zwei bei der deutschen Meisterschaft. Auch Jacqueline Otchere (MTG Mannheim) kam nicht ins Finale, das die bereits 37-jährige Carolin Hingst (Nieder-Ingelheim) mit ebenfalls 4,35, aber weniger Fehlversuchen erreichte.

Eine Ulmer Medaille könnte es heute auf jeden Fall geben: Arthur Abele liegt nach dem ersten Tag mit mit 4285 Punkten nur 95 Zähler hinter dem führenden Briten Tim Duckworth und knapp vor Martin Roe aus Norwegen, der bisher 4282 Punkte gesammelt hat. Vereinskollege Mathias Brugger hatte ebenso Pech wie Frankreichs Weltmeister Kevin Mayer: beide setzten den Weitsprung mit drei ungültigen Versuchen in den Sand. Abele dagegen trumpfte wie später auch im Hochsprung (1,93 Meter) mit Saisonbestleistung (7,42) auf. Wenn’s heute weiter so rund läuft, feiert der Olympiateilnehmer von 2008 und 2016 seinen größten internationalen Erfolg.

Nach 50 Kilometern ist Dohmann starker Fünfter

In der Hitze von Berlin, zeitweise 35 Grad, hat Carl Dohmann das beste EM-Ergebnis für deutsche Geher über 50 Kilometer seit der Wiedervereinigung erreicht. Der 28-Jährige von der SCL-Heel Baden-Baden kam bei der ersten Entscheidung in 3:50,27 Stunden auf Rang fünf. „Ich bin absolut zufrieden. Es war taktisch gut, dass ich lange abgewartet habe“, sagte er im Ziel am Breitscheidplatz. Er hatte sich von Platz 13 nach vorn gearbeitet.

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