Val di Fiemme Stradivaris aus dem "Wald der Geigen"

Val di Fiemme / KLAUS VESTEWIG 23.02.2013
Mit dem Besuch des Geigenbauers Antonio Stradivari 1719 fing alles an. Er fand im Val di Fiemme Holz für hochwertige Musikinstrumente.

Antonio Vivaldi, Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach: Im kulturellen Programm der Ski-WM spielen klassische Konzerte eine bedeutende Rolle. Das hat einen Grund, auf den die Bewohner des Val di Fiemme besonders stolz sind: Aus dem Holz ganz bestimmter Rotfichten werden seit 300 Jahren die Resonanzböden von Musikinstrumenten gefertigt: Streichinstrumenten, Klavieren, Flügeln, Cembalos und Harfen. Die Qualität ist auf der ganzen Welt gefragt.

60 Millionen Bäume sollen angeblich im Fleimstal wachsen. 86 Prozent davon sind Fichten. Eigentlich sehen die bis 40 m hohen Baumriesen in den Wäldern von Paneveggio (südöstlich von Predazzo) und Val Cadino (südlich von Castello-Molina di Fiemme) aus wie andere Fichten auch. 4000 Kubikmeter werden pro Jahr geschlagen. Von den 2000 gefällten Fichten eignet sich aber nur 1,5 Prozent für das wertvolle Resonanzholz. Das reicht dann für den Bau von 1500 Violinen oder 600 Gitarren.

In Paneveggio, dem "Wald der Geigen", hat Antonio Stradivari einst höchstpersönlich das Holz für den Bau seiner weltberühmten Instrumente in Cremona ausgesucht. Auch weitere Geigenbaumeister, u. a. die Guarnieris und die Amatis, verwendeten dieses Holz. Die besten Fasern benötigen Flügel.

Das Tonholz muss ganz bestimmte Eigenschaften haben. Es muss von Bäumen stammen, die zwischen 150 und 250 Jahren alt sind, traditionsgemäß bei abnehmendem Mond gefällt. Die Jahresringe müssen ganz fein und regelmäßig gewachsen sein, die Fasern gerade. Hat das Holz Knoten, ist es ungeeignet. Die sehr enge Faser mit sieben bis zehn Jahresringen pro Zentimeter ermöglicht optimale Schallschwingungen. Die Bäume wachsen bevorzugt in einer Höhe von 1500 bis 1900 m. Die Qualität des Wassers und ein kaltes und trockenes Klima seien die Voraussetzung für das ideale Wachstum der Bäume, behaupten die Experten. Ein Brandzeichen mit einem Notenschlüssel zeigt auf den Musikinstrumenten an, woher das Klangholz stammt: aus den Wäldern des Val di Fiemme.

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