Baden-Baden Sportler-Gala: Geile Zeit um Mitternacht

Baden-Baden / MANUELA HARANT 22.12.2015
Während Simon Schempp nur noch ins Bett wollte, war für die Mannschaft des Jahres die Party bei der Sportler-Gala in Baden-Baden noch lange nicht zu Ende. Nachdenkliche Worte gab es von Christina Schwanitz.

Es ist schon kurz vor Mitternacht, als Eric Frenzel und Fabian Rießle endlich am Tresen lehnen. Es ist irgendwie ein stiller Moment, als die beiden Kombinations-Weltmeister inmitten des Party-Trubels ihren ersten Cocktail des Abends schlürfen. Seit morgens um 7 Uhr sind die nordischen Skisportler auf den Beinen - und sie werden noch ein paar Stunden aushalten.

Die Mannschaftsweltmeister wirken an der Bar vor dem Benazet-Saal geschafft, aber glücklich. Vom Wettkampf im österreichischen Ramsau ging es nach Salzburg, mit Privatjet eines Sponsors zum Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden und dann mit dem VIP-Shuttle direkt vors Kurhaus, um mit den Teamkollegen Johannes Rydzek, Tino Edelmann sowie Bundestrainer Hermann Weinbuch bei der ZDF-Gala die Trophäe der Mannschaft des Jahres 2015 abzuholen. "Geduscht und umgezogen haben wir uns am Flughafen", sagt Frenzel, der wenige Stunden zuvor seinen ersten Saisonerfolg im Weltcup gefeiert hat.

Trotzdem kamen die Kombinierer zu spät zum Gala-Dinner, stattdessen gings direkt auf die Bühne. Und da sind die Kombinierer nicht die einzigen. Die Biathleten, mit der Damen- und Herrenstaffel auf Rang zwei und drei, kamen ebenfalls über den Luftweg aus dem slowenischen Pokljuka in den Kurort, Skispringer Severin Freund wurde aus Engelberg mit dem Heli eingeflogen. Zehn Minuten vor Beginn der ZDF-Aufzeichnung waren noch nicht alle Sportler da, ein besinnlicher Adventssonntag sieht anders aus.

"Für uns Wintersportler gibt es für die Gala sicher einen besseren Zeitpunkt als kurz vor Weihnachten. Wir sind einfach nur müde", muss sich Biathlon-Überflieger Simon Schempp eingestehen - und lässt sich direkt nach der Ehrung ins Hotel fahren. Da sind die Kombinierer die eindeutig größeren Feierbiester: Damit "seine Jungs" früher anstoßen können, hat sich Bundestrainer Hermann Weinbuch in die Pressekonferenz zur Wahl gesetzt.

Eine Pressekonferenz, die mehr nachdenkliche als fröhliche Momente hat. Dafür sorgt vor allem die Sportlerin des Jahres 2015, Christina Schwanitz, die ausgerechnet jetzt, in dem Moment ihres Triumphes, mit dem Leben als Leistungssportlerin hadert. "Wenn ich aufhöre, kann ich nicht mehr aufrecht gehen. Aber ich habe dann keine Absicherung", sagte die Dresdnerin, die kaum Möglichkeiten sieht, sich in einer "Randsportart", wie sie die Leichtathletik selbst nennt, zu vermarkten. Dabei blickt die Kugelstoß-Weltmeisterin etwas neidisch nach rechts zu ihrem männlichen Pendant Jan Frodeno, Ironman-Weltmeister und frisch gekürter Sportler des Jahres. "Der Jan sieht super aus, da stehen die Werbepartner Schlange. Ich bin schwer, groß, habe eine Riesenklappe, ich passe in kein Schema F und schon gar nicht in die Werbeindustrie." Zu allem Übel verdränge der König Fußball fast alles - außer den Wintersport, der an den Wochenenden rauf und runter läuft.

Da rückt plötzlich Weinbuch mit seiner Nordischen Kombination, eigentlich einer Randsportart par excellence, in die Komfortzone. "Wir haben großes Glück, dass wir im TV so gut wegkommen, aber unsere Quoten sind auch gut", sagt der Bundestrainer. Dennoch gibt er seinen Schützlingen mit auf den Weg, dass nicht nur derjenige mit dem maximalen Erfolg glücklich wird: "Wer eine richtig geile Zeit mit seiner Mannschaft hat, wer etwas fürs Leben mitnehmen kann, der muss nicht unbedingt Weltmeister werden."

Das tun Frenzel und Rießle an der Bar. Obwohl sie ihre Familien so kurz vor Weihnachten vermissen, genießen die beiden den Abend in vollen Zügen. "Jetzt und hier beginnt unser Kurzurlaub", sagt der Schwarzwälder Rießle - und bestellt schon den nächsten Cocktail.

Rudi Cerne und die Weiße "Traumschiff"-Jacke

Hemd und Hosenträger Das vermeintlich makellose weiße Jackett von Gala-Moderator Rudi Cerne war gar nicht so makellos. Bis zuletzt hatten die Kostümverantwortlichen des ZDF alle Hände voll zu tun, um das gute Stück rechtzeitig bis zur Aufzeichnung auf Vordermann zu bringen. Rudi Cerne erschien sogar noch zum "Warm-up" mit dem Publikum nur in Hemd und Hosenträgern statt mit Sakko. "Ich bin in der Eile mit dem Jackett an einer Tür hängen geblieben", gestand der 57-Jährige, der sich dann auch noch vor laufender Kamera von Katrin Müller-Hohenstein hänseln lassen musste: "Ich finde ja, dass Rudi heute ein bisschen nach Traumschiff aussieht. Schiff ahoi."

SWP

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