Baden-Baden Sportler des Jahres: Triathlet Frodeno hauchdünn vor Skispringer Freund

SID 21.12.2015
Ironman Jan Frodeno und Christina Schwanitz, die Weltmeisterin im Kugelstoßen, werden in einer der engsten Entscheidungen zu den Topsportlern 2015 gewählt. Beste Mannschaft: die Nordischen Kombinierer.

Der Eisenmann von Hawaii und die Kugelkaiserin von China sind Deutschlands Sportler des Jahres 2015: Jan Frodeno (34) und Christina Schwanitz (29) holten sich im engsten Rennen seit 1966 die Titel in den Einzelkategorien, während die weltmeisterlichen Nordischen Kombinierer zur Mannschaft des Jahres gekürt wurden. Bei einer Gala im Festsaal im Kurhaus von Baden-Baden wurden die Sieger am Sonntag vor 700 geladenen Gästen - darunter der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michel Vesper und Sporthilfe-Chef Michael Ilgner - ausgezeichnet.

Ironman-Triumphator Frodeno (2491 Punkte) setzte sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Skisprung-Weltmeister Severin Freund (2352) als erster Triathlet durch. Der Nordische Kombinations-Weltmeister Johannes Rydzek (753) hatte als Drittplatzierter bereits 1599 Punkte Rückstand auf Freund.

Bei den Frauen ging es an der Spitze sogar noch spannender zu. Es war das zweitengste Ergebnis nach 1966. Ganze vier Zähler trennten in diesem Jahr Kugelstoß-Weltmeisterin Schwanitz (1264) von Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor (1260). Knapp dahinter landete Fünfkämpferin Lena Schöneborn (1241), die bei der Heim-WM in Berlin Gold gewonnen hatte. Vor 49 Jahren hatten Weitspringerin Helga Hoffmann und Hürdenläuferin Karin Frisch bei der Abstimmung exakt dieselbe Anzahl an Stimmen erhalten.

Das klarste Ergebnis gab es 2015 bei den Mannschaften: Die Nordischen Kombinierer Rydzek, Eric Frenzel, Fabian Rießle und Tino Edelmann (1987) setzten sich vor den Biathlon-Staffeln der Frauen (1761) und der Männer (1631) durch.

Mehr als 3000 Sportjournalisten hatten in den vergangenen Wochen über die Nachfolger von Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, Diskuswerfer Robert Harting und den Fußball-Weltmeistern abgestimmt.

Als erster der Eisenmänner hatte Frodeno Anfang Oktober das Triple aus Hawaii-Triumph, Olympiasieg (2008) und WM-Titel über die Halbdistanz (2015) perfekt gemacht. 8:14:40 Stunden benötigte der gebürtige Kölner für 3,86 km Schwimmen, 180,2 km auf dem Rad und den abschließenden Marathonlauf über 42,195 km. Die Bilder des Zieleinlaufs gingen um die Welt: "Frodo" nahm behutsam seine schwangere Frau Emma in den Arm und küsste zärtlich ihren Bauch. "Sie ist mein Fels in der Brandung. Ich fühle mich wie auf Wolke sieben, oder neun, oder 35", sagte Frodeno, nachdem er den legendären Ironman auf Hawaii gewonnen hatte. 2008 hatte Emma Snowsill Gold im Triathlon gewonnen.

Bei Schwanitz fehlte der Glücksbringer im WM-Endkampf im "Vogelnest" von Peking. Trotzdem kürte sich die Dresdnerin 16 Jahre nach dem letzten von drei Titeln durch Astrid Kumbernuss als erst zweite Deutsche zur Weltmeisterin im Kugelstoßen. Schwanitz' Ehemann Tomas hatte zu Hause vor dem Fernseher die Daumen gedrückt. Seine starke Frau ist die erste Europameisterin, die anschließend auch WM-Gold holte.

Das Wahlergebnis

Sportler des Jahres

1. Jan Frodeno (Triathlon) 2491

2. Severin Freund (Skispringen) 2352

3. Johannes Rydzek (Nordische Kombination) 753

4. Erik Lesser (Biathlon) 730

5. Marco Koch (Schwimmen) 719

Sportlerin des Jahres

1. Christina Schwanitz (Leichtathletik) 1264

2. Katharina Molitor (Leichtathletik) 1260

3. Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) 1241

4. Carina Vogt (Skispringen) 1196

5. Natalie Geisenberger (Rodeln) 1100

Mannschaft des Jahres

1. Nordische Kombination Staffel 1987

2. Biathlon-Staffel Frauen 1761

3. Biathlon-Staffel Männer 1631

4. 1. FFC Frankfurt (Frauen-Fußball) 1101

5. Mixed-Team Skispringen 760