Leichtatletik-EM Spitze mit dem Speer

Seine Siegerweite mit dem 800 Gramm schweren Speer schaffte Thomas Röhler vom LC Jena im dritten Versuch: Der 26-Jährige ließ sein Wurfgerät bis auf 89,47 Meter segeln.
Seine Siegerweite mit dem 800 Gramm schweren Speer schaffte Thomas Röhler vom LC Jena im dritten Versuch: Der 26-Jährige ließ sein Wurfgerät bis auf 89,47 Meter segeln.
Berlin / Wolfgang Scheerer 10.08.2018

Nur die 90-Meter-Marke wurde nicht angekratzt auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions. Aber fast. Mit 89,47 Metern gewann Thomas Röhler zwei Jahre nach dem Olympiasieg im Speerwurf seinen ersten Europameistertitel. Zweiter wurde sein großer Konkurrent aus dem eigenen Lager: Der deutsche Meister Andreas Hofmann (MTG Mannheim) feierte mit 87,60 den bisher größten Erfolg seiner Karriere.

Nur der Weltmeister wirkte etwas gehandicapt: Die leichte Bänderdehnung aus der Qualifikation schien Johannes Vetter (LG Offenburg) doch beim Anlauf zu behindern. Die Würfe kamen zu hoch, kippten zu früh ab. Mit 83,87 Metern wurde er nur Fünfter nach 87,39 am Vortag.

Am Ende umarmte sich das Trio – und dann sprang Röhler jubelnd in den Wassergraben. Sein Gold bedeutet den ersten deutschen EM-Sieg seit 32 Jahren.

Eine weitere deutsche Speerwurf-Medaille könnte es gleich heute (20.25 Uhr/ARD) geben: Christin Hussong aus Zweibrücken ist in Top-Form. Die 24-jährige Olympia-Zwölfte setzte gestern in der Quali mit persönlicher Bestweite (67,29) eine beeindruckende Marke.

Einen deutlichen Nachhall hatte die Verwirrung über offensichtliche Messfehler im Weitsprung und weitere Ungereimtheiten wie das zunächst falsch eingeblendete Zehnkampf-Endergebnis. „Das ist ärgerlich, wenn so etwas im Finale einer EM passiert“, sagte Weitsprung-Silbergewinner Fabian Heinle (VfB Stuttgart) gestern. Sein vierter Versuch am Mittwochabend war zunächst nur mit 7,77 Meter angegeben worden. Nach einem Protest wurde die Weite erst deutlich später auf 8,02 korrigiert. Der 24-Jährige wäre damit im Wettkampf in Führung gegangen und hätte seinen nächsten Versuch ausgelassen, um ausgeruht Kraft für einen letzten Anlauf zu haben. „So hatte ich mir das eigentlich vorgenommen.“

Überrundung mit Folgen

Für Gold hätte er 8,25 Meter gebraucht. „Das ist unsäglich für uns, für die Athleten, die Trainer und auch die Zuschauer“, sagte der Sprung-Bundestrainer Uwe Florczak. DLV-Präsident Jürgen Kessing aus Bietigheim-Bissingen meinte: „Es ist schon etwas befremdlich, wenn so was im digitalen Zeitalter, in dem wir leben, passiert.“ Fabian Heinles pragmatischer Vorschlag: „Einfach wieder den guten alten Stab an die Landungsstelle setzen, dann kann man zur Not nachmessen.“

Bei der Ulmer 10 000-Meter-Läuferin Alina Reh hatte sich die kurze Verwirrung um die Platzierung schneller in Wohlgefallen aufgelöst. Erst wurde Rang vier vermeldet, dann Rang fünf, schließlich wieder vier. „Eine ukrainische Läuferin hatte eine Runde zu früh aufgehört, wurde aber zunächst als Vierte gewertet“, erklärte die 21-Jährige gestern. „Dass sie überrundet war, fiel erst danach auf. Vielleicht war es bei der Hitze zu anstrengend zum Zählen.“

Turbulent ging es auch gestern Abend zu. Wegen drohender Gewitter wurden alle Siegerehrungen am Breitscheidplatz abgesagt. So muss Zehnkämpfer Arthur Abele auf Gold und Fabian Heinle auf Silber noch etwas warten. Eine offizielle Entschuldigung war sogar fällig, weil zuvor für den polnischen Gold-Kugelstoßer Michal Haratyk die falsche Hymnenmelodie eingespielt worden war. Heute gibt’s dann wiederholt  deutsche Hymnen zu hören – und sicher kein Problem.

Leidenschaftliche Läuferin

Alina Reh vom SSV Ulm 1846 ist bei ihrer EM- Premiere Vierte über 10 000 Meter geworden und  war stolz auf die Leistung: „Ich bin mehr als zufrieden. Ich habe noch einige Jahre in der Leichtathletik vor mir. Und wie es heißt, wächst man an seinen Aufgaben“, sagte die 21-Jährige.  Vor der Einzelhandelskauffrau aus Laichingen auf der Schwäbischen Alb lagen wie berichtet nur die für Israel antretende Kenianerin Chemtai Lonah Salpeter, Susan Krumins (Niederlande) und die bis Ende 2013 für Eritrea startende Meraf Bahta (Schweden). Dafür zog Reh in der Schlussrunde sogar an Titelverteidigerin Yasemin Can (Türkei) vorbei. Auch sie stammt aus in Kenia. Rehs Kommentar zum Nationalitätenwechsel:  „Was andere Verbände erlauben oder nicht, steht nicht in meiner Macht. Ich kann nichts ändern und werde weitermachen. Ich stehe da an der Startlinie, weil Laufen meine Leidenschaft ist.“

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