Leichtathletik Speerwerfer mit geballter Kraft

Nürnberg/Mannheim / Wolfgang Scheerer 24.07.2018

Gold, Silber und Bronze im Speerwurf. Ausschließlich deutsche Strahlemänner auf dem Siegerpodest. So könnte das bei der Leichtathletik-EM in Berlin (6. bis 12. August) aussehen. Der spannende Dreikampf um die deutsche Meisterschaft hat diese Hoffnungen eindrucksvoll untermauert. Das Ungewöhnliche: In Nürnberg standen weder Olympiasieger Thomas Röhler aus Jena noch Weltmeister Johannes Vetter (LG Offenburg) ganz oben.

Zum ersten Mal ist Andreas Hofmann von der MTG Mannheim Meister geworden. Bisher hatte er immer die zwei überragenden Konkurrenten vor der Nase. Nun das große Aufatmen: „Ich wollte diesen Titel seit Jahren unbedingt haben, irgendetwas hat immer nicht gepasst, jetzt ist es mir endlich gelungen!“

Schon beim ersten Versuch top

Gleich mit dem ersten Anlauf ließ der 26-Jährige aus Waghäusel bei Karlsruhe  den Speer 89,55 Meter weit segeln. Er verbesserte damit Vetters Meisterschaftsbestmarke von 2017 um 20 Zentimeter. Der deutsche Rekordler Vetter selbst führt mit 92,70 zwar die Weltrangliste an, hatte nach seinem großen Wurf aber wegen einer Oberschenkelverletzung nur eingeschränkt trainiert.

Ein „Leistungsnachweis“ war von ihm bei der DM in Nürnberg deshalb gefordert. Vetter lieferte ihn mit 87,83 und Platz drei. Röhler schob sich erst mit dem sechsten und letzten Wurf (88,09) von Rang vier auf zwei. Obwohl die 90-Meter-Marke unangetastet blieb, war die Speerwurf-Show der beste Wettkampf im Max-Morlock-Stadion. Mit der Leistung so ganz zufrieden war trotzdem keiner der drei. „Im Training hatte sich mehr angedeutet. Aber die Bedingungen hier waren nicht so gut“, sagte Hofmann. „Körper und Geist haben nicht zusammen gepasst. Der Anlauf war nicht optimal“, räumte Röhler ein. Für Vetter war’s ein „solider Wettkampf“, aber eben kein überragender.

Der soll im Berliner Olympiastadion folgen. Was möglich ist, hat Vetter 2017 mit seinem deutschen Rekord (94,44) und zuletzt mit der Weltjahresbestleistung demonstriert. Hofmann (92,06) und Röhler (91,78) folgen in der aktuellen deutschen Rangliste.

Der EM-Countdown mit Bundestrainer Boris Obergföll beginnt in der kommenden Woche im Leistungszentrum Kienbaum bei Berlin. Allein sind sie stark, gemeinsam vielleicht noch besser. Ihr Umgang ist als freundschaftlich und respektvoll bekannt. Obergföll, zugleich Vetters Heimtrainer in Offenburg, sagt: „Es ist sicher unser Geheimnis, dass wir in so einem starken Austausch untereinander stehen, obwohl wir eine direkte Konkurrenzsituation haben.“

Das Geheimnis des Erfolges. Dass der trotz allem nicht automatisch garantiert ist, hat allerdings ausgerechnet die Europameisterschaft 2016 gezeigt, als gar nichts zusammen lief. Röhler wurde am Ende Fünfter, Vetter blieb schon in der Qualifikation auf der Strecke. Ein heilsamer Schock immerhin. Nicht lange danach wurde Röhler in Rio Olympiasieger.

Nun soll die EM in Berlin zum Triumph werden für die Goldjungs, zu denen mit dem DM-Titel auch Andreas Hofmann zählt. Löst der Student der Sportwissenschaften die große Aufgabe erneut am besten? Auf höchstem Niveau standen die Chancen selten so gut.

800

Gramm wiegen die Speere, mit denen in den Männer-Wettbewerben geworfen wird, bei den Frauen sind es 600 Gramm. Seit 1908 ist Speerwurf eine olympische Disziplin.

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