Sakhir Spazierfahrt zum Sieg

Perfekter Boxenstopp - dabei kam es am Ende für Sebastian Vettel nicht auf die Sekunde an. Mit Riesenvorsprung fuhr er zum zweiten Saisonsieg. Foto: Getty
Perfekter Boxenstopp - dabei kam es am Ende für Sebastian Vettel nicht auf die Sekunde an. Mit Riesenvorsprung fuhr er zum zweiten Saisonsieg. Foto: Getty
Sakhir / DPA 22.04.2013
Nur am Anfang musste sich Vettel anstrengen. Am Ende war die Wiederholung seines Vorjahressiegs eine Demonstration der Red-Bull-Stärke in Bahrain. Für Pole-Mann Rosberg wurde es einfach nur "grausam".

Spielend leicht und doppelt süß: Nach seiner Spazierfahrt zum Sieg in der Wüste von Sakhir stieß Sebastian Vettel standesgemäß mit Rosenwasser an. Der Heppenheimer Red-Bull-Star wiederholte am Sonntag beim Großen Preis von Bahrain seinen Vorjahressieg. "Es lief phänomenal. Es hat alles gepasst, deshalb bin ich natürlich sehr glücklich", sagte der dreimalige Formel-1-Weltmeister.

Deprimiert und gedemütigt mussten Top-Favorit Fernando Alonso und Pole-Mann Nico Rosberg mitansehen, wie Vettel aus den Händen von Kronprinz Salman bin Hamad al-Khalifa "eine der schönsten Trophäen, die man gewinnen kann" (Vettel) überreicht bekam. Alonso war von einem technischen Defekt an seinem Ferrari ausgebremst worden und letztlich nicht über Platz acht hinausgekommen.

Rosberg wird den 132. Grand Prix seiner Karriere am liebsten ganz streichen wollen. Nach der zweiten Pole seiner Laufbahn musste er sich unzählige Male überholen lassen und wurde am Ende nur Neunter. "Das ist sowas von ernüchternd. Grausam", gab Rosberg zu. Unterdessen nutzten der WM-Zweite und Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen sowie dessen Lotus-Teampartner Romain Grosjean die Gunst der Stunde und komplettierten das Podium. Nico Hülkenberg im Sauber und Adrian Sutil im Force India verpassten als 12. und 13. die Top Ten.

Vettel war bei seinem zweiten Saisonsieg aber für alle unerreichbar. "Unschlagbar", meinte kurzum Mercedes-Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda. Zu spüren bekam es als erstes sein Fahrer Rosberg. In Runde drei schnappte sich Vettel in seinem Red Bull den Wiesbadener im Silberpfeil. Zuvor hatte sich der Hesse auch schon spektakulär an derselben Stelle auf dem 5,412 Kilometer langen Bahrain International Circuit gegen Alonso durchgesetzt, der ihn am Start passiert hatte.

"Ich wusste, es würde entscheidend sein, direkt nach dem Start in Führung zu gehen", sagte Vettel, der sich in der Qualifikation mit dem zweiten Rang hinter Rosberg benügt hatte. Im vergangenen Jahr hatte er vom besten Startrang aus gewonnen. Die schnellste Runde sicherte er sich auch diesmal wieder. "Dieses Jahr haben wir noch einen drauf gesetzt", bilanzierte Vettel.

Immer wieder mahnten ihn die Teamstrategen per Boxenfunk, es angesichts seines dicken Polsters etwas langsamer angehen zu lassen - allerdings lange vergeblich. Erst im letzten Rennviertel nahm Vettel, der zu diesem Zeitpunkt über 25 Sekunden Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger hatte, etwas Tempo heraus: "Wir waren teilweise eine Sekunde schneller als der Rest des Feldes."

Und so wurde sein 28. Karrieresieg in einem Rennen, das von einigen Scharmützeln und harten Manövern um die Plätze hinter Vettel, nicht aber vom Kampf um den ersten Platz lebte, zu einem gemütlichen Sonntagsausflug bei sommerlich-heißen 30 Grad. Im Ziel hatte Vettel 9,111 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen. In der Sieger-Bestenliste ist der 25 Jahre alte Heppenheimer nun alleiniger Sechster, er überholte die britische Rennsport-Ikone und den dreimaligen Champion Sir Jackie Stewart (27).

In der Wertung auf dem Weg zu seinem vierten WM-Triumph baute Vettel zudem seine Führung aus. Der Titelverteidiger hat 77 Punkte und zehn Zähler Vorsprung vor Räikkönen (67). Alonso (47) fiel in der Gesamtwertung hinter Lewis Hamilton (50) auf Rang vier zurück.

Vettels Stallrivale Mark Webber blieb nur den siebten Rang. Immerhin nahm er damit aber seinem Dinner-Kumpel Alonso noch Punkte ab, nachdem der Spanier früh durch ein defektes DRS beeinträchtigt wurde. Die Überholhilfe funktionierte nicht mehr, Alonso musste gleich nach den packenden Duellen zu Rennbeginn zweimal an die Box. "Wir wissen noch nicht, was es war. Das war viel Pech, sehr schade", meinte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Zumal auch Felipe Massa durch zwei Plattfüße nur 15. wurde. Im Gegensatz zu Vettel blieb für Ferrari nur ein bitterer Nachgeschmack - wie auch für die gesamte Veranstaltung in der Wüste, bei der es am Rande immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei kam.

Dabei wurde nicht nur gegen das Regime von König Hamad bin Isa Al-Khalifa protestiert, sondern auch gegen die Austragung des Grand Prix. "Euer Rennen ist ein Verbrechen", "Die Formel 1 ist eine Maske, die Verbrechen verschleiert" und "Nein zur Blut-Formel-1", skandierten die Menschen. Doch Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone und Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, taten so, als wäre alles in Ordnung. /sid

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