Turnen Sophie Scheders Rückkehr „einfach gigantisch“

Chemnitz / Katja Sturm 26.06.2018

Sophie Scheder hatte alle Hände voll zu tun. Während ihrer Rückkehr auf die Wettkampfbühne nach einer Pause von fast zwei Jahren war die 21-jährige Kunstturnerin bei der ersten Europameisterschaftsqualifikation in ihrem Trainingsort Chemnitz mit Geschenken überhäuft worden. Draußen im Foyer der Richard-Hartmann-Halle warteten zahlreiche junge Fans auf die Olympiadritte 2016 am Stufenbarren, die seither nicht mehr öffentlich an den Geräten zu sehen war.

Den Mehrkampf in Chemnitz hatte die gebürtige Wolfsburgerin zwar nicht gewonnen. Nach einem Sturz bei der Dreier-Akrobatikserie am Schwebebalken und einem kleinen  Fehltritt über die Fläche hinaus am Boden musste Scheder mit 52,50 Punkten den Sieg beim Test für die EM (2. bis 12. August, Glasgow) ihrer Klubkollegin und Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer (53,50) überlassen. Auch die besonders am Sprung starke Kölnerin Sarah Voss (52,85) war für die Lokalmatadorin  diesmal nicht zu schlagen. „Gigantisch“ sei der Auftritt dennoch gewesen, resümierte Scheder.

Vor gerade mal zwei Wochen hatte sie kaum mit einem solchen Erfolg rechnen dürfen. Das so lange quälende Knie ist nach der im April 2017 vollzogenen, komplexen Operation in den USA, bei der unter anderem die Patellasehne ersetzt wurde, zwar schmerzfrei und ausgeheilt. Doch nach einer Viruserkrankung und einem Muskelfaserriss im Oberschenkel in diesem Jahr hatte die groß gewachsene Athletin erst vor zwei Wochen an Balken und Boden das volle Training wieder aufnehmen können. „Ich habe noch ein paar konditionelle Probleme“, gestand sie.

Scheder hatte nie ans Aufgeben gedacht. „Natürlich haben die Tiefen Nerven gekostet“, sagt sie. Doch ihre Sportpsychologin Grit Reimann habe ihr Mut gemacht. Auch als zuletzt im Training überhaupt nichts zusammenlief,  Anspannung, Nervosität und eine gewisse Unsicherheit den Körper straucheln ließen. „Da hatte ich eine  Blockade“, die die extra herbeigerufene Fachfrau und Vertraute löste.

Bundestrainerin Ulla Koch zeigte sich beeindruckt von der Leistung einer ihrer Musterathletinnen. „Ich war überrascht, dass sie schon wieder einen Mehrkampf turnt“, erklärte die Bergisch Gladbacherin. „Meine Hochachtung, dass sie nach zwei Jahren so zurückkommt.“

Bundestrainerin sehr zufrieden

Aber auch mit den anderen zuletzt länger Pausierenden war Koch mehr als zufrieden: Schäfer, die sich nach ihrem Triumph im Oktober 2017 ins Training zurückgezogen hatte, um mal durchzuatmen. Oder die viertplatzierte Kim Bui, die zwischenzeitlich eine Fußverletzung stoppte. Zwar stehen  in der Stuttgarterin Elisabeth Seitz und der Ludwigsburgerin Tabea Alt zwei Medaillenkandidatinnen gesundheitsbedingt auf der Insel nicht zur Verfügung. Koch ist dennoch überzeugt, ein starkes Team aufstellen zu können.

Dass die ersten Vier von Chemnitz bei der EM mit dabei sein werden, ist angesichts einiger finalwürdiger Leistungen schon jetzt keine Frage mehr. Pauline Schäfer brachte es aus Athletensicht auf den Punkt: „Es hat noch nicht alles hundertprozentig geklappt. Aber bis zur EM ist noch Zeit ...“

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Turnerinnen sind ab 2. Juli zum Lehrgang nach Frankfurt geladen, sechs dürfen fünf Tage später mit zum Länderkampf nach Frankreich. Danach wird das EM-Quintett nominiert.

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