Ski Ski-Nationaltrainer Frieder Beck schult Lehrer

Spaß kombiniert mit Lerneffekten: Frieder Beck gibt Lehrern ein paar Ideen an die Hand, um kognitive Fähigkeiten zu fördern.
Spaß kombiniert mit Lerneffekten: Frieder Beck gibt Lehrern ein paar Ideen an die Hand, um kognitive Fähigkeiten zu fördern. © Foto: Lars Schwerdtfeger
UTE GALLBRONNER 22.12.2015
Frieder Beck ist ein Allround-Talent: Lehrer und Hirnforscher, Trainer des Freestyle-Nationalteams und Buchautor. Sein Credo: Sport macht schlau. Am Anna-Essinger-Gymnasium traf er damit auf offene Ohren.

Seit 13 Jahren trainiert Frieder Beck die besten Ski-Freestyler Deutschlands. Er ist aber auch Sport- und Mathelehrer, beschäftigt sich mit Hirnforschung und Sportwissenschaft. An den Essinger-Schulen war er am Montag zu Gast, um von alledem etwas Lehrern aus der ganzen Region zu vermitteln. Der Andrang war groß, die Halle voll. „Ich möchte ihnen auch ein paar Dinge mitgeben, mit denen sie skeptische Kollegen überzeugen können“, sagte Beck. Fakten und Taten.

„Sport macht schlau“ ist der Titel seines neuesten Buches. Die wenigsten werden am Montag zu 100 Prozent verstanden haben, wie das ist mit dem Kortex, dem Dopamin und den Synapsen genau funktioniert. Wohl aber die grundlegenden Aussagen.

Dafür fasste Beck die wichtigsten Studien zusammen, nicht ohne den Hinweis zu vergessen, dass „die Wissenschaftler, die das untersucht haben, nichts mit Sport zu tun haben“. Wer sich mehr bewegt, zeigt in der Schule bessere Leistungen – dies sei inzwischen unumstritten. „Natürlich gibt es wie immer Ausnahmen. Doch im Schnitt stimmt diese Aussage“, stellte Beck fest.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sei die Selbstregulation. Langfristige Ziele verfolgen und im Zweifel Versuchungen widerstehen, sich aufs Wesentliche konzentrieren und aufkommende Gefühle, wenn nötig, auch mal zu unterdrücken. All das fällt unter diesen Begriff. „Die Selbstregulation ist für den Erfolg wichtiger als der IQ“, stellt Beck fest, und das Beste daran: Man kann das alles trainieren.

Mit speziellen Computerprogrammen – oder eben deutlich günstiger und gesünder mit Sport und Bewegung. Auf der Suche nach den Gründen kommen nun die Synapsen ins Spiel, die Verbindungen zwischen zwei Nervenzellen. Wer lernt, erhöht die Zahl und Größe dieser Synapsen. Dazu brauchen wir den Wachstumsfaktor BDNF (Brain derived neurotrophic factor) und den Botenstoff Dopamin.

BDNF nennt Beck einen „Wunderdünger des Lernens“, den es (noch) nicht in Pillenform gibt. In diesem Zusammenhang sei nachgewiesen, dass etwa das Lernen von Vokabeln nach anaerober Belastung deutlich effektiver sei, und zwar um etwa 20 Prozent. „Was nicht heißt, dass wir jetzt alle Kinder ständig auf die 400-Meter-Bahn jagen müssen“, sagt Beck: „Wichtig ist der Aspekt der Freiwilligkeit.“ Denn je mehr Spaß dabei ist, desto mehr positive Gefühle gibt es und schon klappt es – vereinfacht dargestellt – mit dem Dopamin. Ein „unerwartet positives Erlebnis“ fördere die Ausschüttung des Botenstoffs. Beim Sport lernen die Jugendlichen, dass sie solche Erlebnisse durch eigene Anstrengung erreichen können. Die Motivation steigt. Kinder seien sowieso Lern- und Motivationsturbos, sagt Beck. Nur die Sache mit der Selbstregulation ist bei den meisten noch am Werden.

Für Kinder, die Sport treiben, heißt das: Gute Entscheidung! Nach dem Training lernt es sich leichter. Sportlehrer können im Unterricht die kognitiven Fähigkeiten fördern. „Natürlich gehört immer ein bisschen Qual dazu“, sagt Beck: „Aber man kann es mit Spaß vermitteln.“ Ein Beispiel: Es sei durchaus möglich relativ bald beim Handball den Kempatrick zu üben. Noch mehr Ideen gab’s in der Kuhberghalle.