"Auf ihn hätte ich einen Tag vorher eine Kiste Sekt gewettet" - Cheforganisator Gerhard Müller war einer der wenigen, der Simon Boch beim 35. Bietigheimer Silvesterlauf auf der Rechnung hatte. Der 21 Jahre alte Schwarzwälder, der für die LG Telis Finanz Regensburg startet, setzte sich am Donnerstagnachmittag überraschend bei Süddeutschlands größtem Silvesterlauf durch. Nach schnellen 33:01 Minuten kam Boch als Erster ins Ziel. Es folgten Manuel Stöckert (SC Ostheim/Rhön/33:06 Minuten) und der Kenianer Kurui Dickson (Mizuna/ 33:32). Der eigentliche Favorit Rico Schwarz, der Gewinner 2012 und 2014, landete nur auf dem 17. Platz. Allerdings hat der 28-jährige Erfurter seine Karriere mittlerweile auch beendet.

Boch, sein Nachfolger auf Platz eins, feierte bei seiner Premiere in Bietigheim gleich einen Sieg. Der drahtige Athlet mit den langen dunklen Haaren tummelte sich von Anfang an in der Spitzengruppe, ehe er gemeinsam mit Stöckert die Führungsrolle an sich riss - und schließlich auch den Zweikampf mit dem deutscher Meister auf der Langstrecke im Crosslauf für sich entschied. "Am Anfang habe ich mich noch etwas bedeckt gehalten, weil ich nicht wusste, wie stark die anderen sind. Aber ich wusste, dass ich in guter Form bin und hier gewinnen kann", sagte Boch.

Eine hartnäckige Achillessehnenverletzung hatte ihn während der Saison ausgebremst. Noch immer macht ihm die lädierte Stelle am Fuß ab und zu Probleme. Trotzdem wähnt sich der junge Mann aus St. Georgen auf dem aufsteigenden Ast: "So langsam geht es bei mir endlich wieder bergauf."

Keine Überraschung war dagegen die Entscheidung bei den Frauen: Die klar favorisierte Alina Reh aus Laichingen triumphierte wie schon in den beiden Jahren zuvor und machte damit den Hattrick perfekt. Der 18-jährige Jungstar vom SSV Ulm 1846 dominierte das Rennen nach Belieben und hatte mit 37:53 Minuten einen deutlichen Vorsprung auf Annett Horna (LC Rehlingen/38:40), die wie 2014 erneut Zweite wurde. Rang drei sicherte sich die Kenianerin Gladys Kiprotich mit 38:51 Minuten.

"Im Jahr davor habe ich mich eher auf den Bietigheimer Silvesterlauf vorbereitet. Diesmal bin ich das Rennen direkt aus dem Training heraus gelaufen. Deshalb war es nicht selbstverständlich, dass ich hier heute den Hattrick schaffe. Umso glücklicher bin ich, dass es geklappt hat", sagte Reh und gab zu: "Es lief nicht ganz so optimal, wie ich es mir vorgestellt habe. Am letzten Berg zwischen Kilometer neun und zehn musste ich schon ziemlich kämpfen."

Die U-20-Europameisterin über 3000 und 5000 Meter war einmal mehr von der Atmosphäre entlang der Strecke angetan. "Wie jedes Jahr war die Stimmung der Hammer, gerade in der Altstadt. Darum laufe ich in Bietigheim auch so gerne. So etwas erlebt man als Bahnläuferin in der Saison sonst nie", schwärmte Reh. "Hier zu starten, ist ein Bonbon - oder ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk."

Die weiteren Topergebnisse beim 35. Bietigheimer Silvesterlauf

Ludwigsburg-Wertung Tobias Hirth vom SV Ludwigsburg war mit 34:10 Minuten der flotteste Teilnehmer aus dem Kreis, gefolgt von Quentin Uttenweiler (Markgröningen) und Thorsten Siegl (Team AR Sport). Bei den Frauen belegte Nicole Möbus (Amirs Racing Team) mit 43:03 Minuten Rang eins vor Yvi Blaschke (LG Neckar-Enz) und Simone Knorr (Judoclub Bietigheim). Letztere gewann auch die Bietigheim-Wertung. Schnellster Läufer der Stadt war Michael Kimmann von der LG Neckar-Enz mit 40:21 Minuten. Die beste Zehner-Mannschaft war TherapieReha Siegele mit einer Gesamtzeit von 6:12:03 Stunden. Es folgten die Laktat-Knaller und das Team AR Sport. Das erfolgreichste Frauenteam mit je fünf Sportlerinnen stellte die LG Neckar-Enz vor dem LT Murr und den Laktat-Knallern.

Der Oldie im Feld Der älteste Teilnehmer war Manfred Heinzmann (Jahrgang 1935) vom SV Gemmingen. Der 80-jährige Massenbachhausener kam nach 1:16:56 Stunden ins Ziel und landete auf Rang 23 in der Altersklasse 70, in die alle Läufer ab 70 Jahren gruppiert wurden. Bei den Staffeln älter als 2000 siegten Girls United mit Nina Koch, Saskia Vorhemus und Sarah Sandner; bei den Staffeln 2000 und jünger triumphierten Noah Mickeler, Noah Pielok und Lara Malmendier von der Spvgg Holzgerlingen.