Formel 1 Sebastian Vettel: Durchpusten am 30. Geburtstag

Grimmiger Blick: Sebastian Vettel in der Kritik.
Grimmiger Blick: Sebastian Vettel in der Kritik. © Foto: dpa
sid 04.07.2017

Ein Rüffel, aber keine Sperre: Sebastian Vettel durfte an seinem 30. Geburtstag  tief durchpusten. Der Formel-1-Pilot entging nach seinem Rammstoß gegen Lewis Hamilton (Merdeces) in Baku einer harten Strafe, der Automobil-Weltverband FIA akzeptierte eine öffentliche Entschuldigung und brummte dem Ferrari-Star mehrere Stunden in Nachwuchsserien auf, bei denen er seiner Vorbildfunktion nachkommen soll.

Auch eine Sperre für das kommende Formel-1-Rennen in Österreich (Sonntag, 10.00 Uhr/RTL und Sky) hatte im Raum gestanden. Vettel war seinem WM-Rivalen Hamilton zuletzt während einer Safety-Car-Phase ins Auto gefahren. Seinen Geburtstag verbrachte Vettel daher auf der Anklagebank. Statt ausgelassen mit Familie und Freunden zu feiern, verteidigte sich der viermalige Weltmeister am FIA-Sitz in Paris für seinen umstrittenen Rempler.

Vettel habe die „volle Verantwortung“ für den Vorfall übernommen und sich „bei der Motorsport-Familie entschuldigt“, teilte die FIA am Abend mit. „Mir ist klar, dass ich kein gutes Beispiel abgegeben habe“, sagte der Heppenheimer, der für den Zusammenstoß bereits drei Strafpunkte vom Weltverband kassiert hatte. Damit ist sein Punktekonto auf neun angewachsen. Bei drei weiteren Zählern muss er ein Rennen aussetzen. „Die Leute wollen doch, dass wir mit Ellenbogen fahren. Dafür sind wir hier“, hatte der WM-Führende Vettel nach dem Vorfall in Aserbaidschan gesagt.

Gestern Abend zeigte er sich einsichtig: „Ich hatte zu keiner Zeit die Absicht, Lewis in Gefahr zu bringen. Aber ich verstehe, dass ich eine gefährliche Situation verursacht habe. Daher möchte ich mich entschuldigen.“

Da Vettel aufgrund seines Punktekontos als Wiederholungstäter gilt, war eine höhere Strafe durchaus im Bereich des Möglichen. Zudem waren der FIA die Vorkommnisse vom vergangenen Jahr in Erinnerung, als Vettel beim Großen Preis von Mexiko mit drastischen Beschimpfungen gegen Red-Bull-Fahrer Max Verstappen und Rennleiter Charlie Whiting unangenehm aufgefallen war. 

„Aus meiner Sicht ist das Verhalten von Vettel untragbar. Wenn er sich so etwas auf der Straße leisten würde, wäre er seinen Führerschein los“, hatte der langjährige FIA-Präsident Max Mosley, angesprochen auf die Rambo-Attacke, gesagt. Ross Brawn aus der Führung der Formel 1 war da etwas milder: „So etwas hätte nicht passieren dürfen. Sebastian hat etwas getan, das er lieber hätte lassen sollen. Aber er hat seine Strafe erhalten.“

Auch eine nachträgliche Disqualifikation hatte im Raum gestanden. Das galt allerdings als eher unwahrscheinlich, denn die FIA dürfte kaum Interesse daran haben, aktiv in den packenden WM-Kampf einzugreifen. Zudem hatten die Sportkommissare in Baku bereits während des Formel-1-Rennens eine Zehn-Sekunden-Strafe gegen den Deutschen verhängt.

Vettel hatte zuvor fälschlicherweise angenommen, Hamilton habe ihn absichtlich ausgebremst – und war ihm ins Heck gefahren. Danach „revanchierte“ er sich für das Manöver. „Die Strafe stand in keinem Verhältnis zu seiner unfairen, überzogenen emotionalen Reaktion“, sagte Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams. „Ich verstehe nicht, dass Sebastian seinen Fehler nicht erkennt.“ Gestern tat es Vettel doch noch.